Kein Kon­to für rechts­ex­tre­me Spen­den

Die Kün­di­gung der Kon­to­ver­bin­dung durch ein Kre­dit­in­sti­tut ist nach Ansicht des Land­ge­richts Ber­lin gerecht­fer­tigt, wenn auf die­sem Kon­to Spen­den aus der rechts­ex­tre­mis­ti­schen Sze­ne ein­ge­hen und mit die­sen Spen­den der Ehe­mann der kla­gen­den Kon­to­in­ha­be­rin, ein mehr­fach u.a. wegen Volks­ver­het­zung ver­ur­teil­ter ehe­ma­li­ger Rechts­an­walt, der der Neo-Nazi-Sze­ne zuzu­rech­nen ist, unter­stützt wer­den soll­te.

Kein Kon­to für rechts­ex­tre­me Spen­den

In dem vom Land­ge­richt Ber­lin ent­schie­de­nen Eil­ver­fah­ren war die kla­gen­de Ehe­frau seit 20 Jah­ren Kun­din bei einem öffent­lich-recht­li­chen Kre­dit­in­sti­tut und unter­hielt eine Giro­kon­to­ver­bin­dung mit einem Dis­po­si­ti­ons­kre­dit von knapp 10.000, 00 €; fer­ner war ihr eine Kre­dit­kar­te aus­ge­stellt wor­den, deren Umsät­ze von die­sem Kon­to abge­bucht wur­den. Mit Schrei­ben vom 21.04.2017 kün­dig­te ihr das spä­ter ver­klag­te Kre­dit­in­sti­tut die Ver­trags­be­zie­hun­gen, ohne kon­kre­te Grün­de zu nen­nen. Auf­grund einer münd­li­chen Beschwer­de der Kon­to­in­ha­be­rin eben­falls vom 21.04.2017, ihr sei­en Ver­fü­gun­gen am Geld­au­to­ma­ten nicht mehr mög­lich, teil­te ihr der Fili­al­lei­ter der Spar­kas­se mit, die Kün­di­gung beru­he auf der Nen­nung die­ses Kon­tos in einem damals welt­weit auf You­Tube auf­ruf­ba­ren Vide­os des Ehe­manns der Kon­to­in­ha­be­rin, bei dem es sich um einen mehr­fach wegen Volks­ver­het­zung, Ter­ro­ris­mus und Rau­bes ver­ur­teil­ten deut­schen Publi­zis­ten, ehe­ma­li­gen Rechts­an­walt sowie poli­ti­schen Akti­vis­ten han­de­le, der zuletzt in der Pres­se als fana­ti­scher Juden­has­ser bezeich­net und der Neo­na­zi-Sze­ne zuge­rech­net wird. zuge­rech­net. Der Ehe­mann der Kon­to­in­ha­be­rin ist im Jahr 2009 rechts­kräf­tig zu einer Frei­heits­stra­fe wegen Volks­ver­het­zung von 6 Jah­ren durch das Land­ge­richt Mün­chen II ver­ur­teilt wor­den. Durch wei­te­res Urteil des Land­ge­richts Pots­dam vom 11.03.2009 ist er erneut wegen Volks­ver­het­zung in 15 Fäl­len und einer Gesamt­stra­fen­bil­dung zu einer wei­te­ren Frei­heits­stra­fe von 2 Jah­ren und 4 Mona­ten und wegen Volks­ver­het­zung in 4 Fäl­len zu einer Gesamt­stra­fe von 2 Jah­ren und 10 Mona­ten ver­ur­teilt wor­den. Nach einer Haft­un­ter­bre­chung wegen des Gesund­heits­zu­stan­des des Ehe­manns der Kon­to­in­ha­be­rin ist die­se auf­grund aus der Haft began­ge­ner Delik­te mitt­ler­wei­le auf­ge­ho­ben. Auch eine erfolg­te Straf­aus­set­zung zur Bewäh­rung hob das Ober­lan­des­ge­richt Bran­den­burg Anfang 2017 auf. Der Ehe­mann der Kon­to­in­ha­be­rin ist daher zum 19.04.2017 zur Ver­bü­ßung einer rest­li­chen Frei­heits­stra­fe zum Straf­an­tritt gela­den wor­den, aber nicht in der Haft­an­stalt erschie­nen. In dem vor­ste­hend erwähn­ten Video teil­te der Ehe­mann der Kon­to­in­ha­be­rin mit, aus ver­schie­de­nen Grün­den nicht zum Straf­an­tritt erschei­nen und um Asyl in einem aus­län­di­schen Staat bit­ten zu wol­len. In einer ergänz­ten Fas­sung des Vide­os des Ehe­manns der Kon­to­in­ha­be­rin vom 19.04.2017 wird ab Minu­te 4‘10‘‘ dazu auf­ge­ru­fen, Spen­den für sei­ne Flucht und sei­nen Lebens­un­ter­halt auf das Kon­to der Kon­to­in­ha­be­rin bei der Spar­kas­se ein­zu­zah­len. Hier­bei sind der Name der Kon­to­in­ha­be­rin, deren Kon­to­num­mer und der Name der Spar­kas­se in dem Video ein­ge­blen­det wor­den. Seit dem 19.04.2017 gehen seit­dem auf dem Kon­to der Kon­to­in­ha­be­rin Zah­lun­gen per Über­wei­sun­gen aus dem In- und Aus­land ein, die teil­wei­se mit ein­deu­tig rechts­las­ti­gen Bemer­kun­gen ver­se­hen waren oder ein­deu­tig der Nazi-Sze­ne zuzu­rech­nen waren. So heißt es etwa bei einem Zah­lungs­ein­gang vom 21.04.2017 "Spen­de fuer Kame­rad M…". In den sozia­len Medi­en ist dar­auf­hin auf einen Zusam­men­hang mit dem Spen­den­auf­ruf für den auf­grund rechts­ex­tre­mis­ti­scher Straf­ta­ten ver­ur­teil­ten und flüch­ti­gen Ehe­mann der Kon­to­in­ha­be­rin und dem Kon­to der Kon­to­in­ha­be­rin bei der Spar­kas­se hin­ge­wie­sen wor­den. Auf Twit­ter ist die Spar­kas­se für die Kon­to­füh­rung kri­ti­siert wor­den.

In dem geführ­ten Gespräch wies der Fili­al­lei­ter die Kon­to­in­ha­be­rin dar­auf hin, dass eine sol­che Ver­wen­dung des Kon­tos für die Flucht eines wegen sei­ner rechts­ra­di­ka­len Hand­lun­gen mehr­fach bestra­fen Ehe­manns von der Spar­kas­se nicht zu dul­den sei und hier­für das Kon­to der Kon­to­in­ha­be­rin nicht ver­wen­det wer­den dür­fe. Zugleich bot er der Kon­to­in­ha­be­rin die Ein­rich­tung eines neu­en Kon­tos (Basis­kon­to) an, auf dem kei­ne Spen­den ein­ge­hen dürf­ten. Die Kon­to­in­ha­be­rin wies dies im Ergeb­nis zurück.

Mit Schrei­ben vom 22.04.2017 wand­te sich der Ehe­mann der Kon­to­in­ha­be­rin unter Beschimp­fun­gen des Vor­stands­vor­sit­zen­den der Spar­kas­se an die Spar­kas­se und ver­lang­te die sofor­ti­ge Rück­nah­me der Kün­di­gung und die Wie­der­her­stel­lung der vor der Kün­di­gung bestehen­den Ver­trags­la­ge. Dem kam die Spar­kas­se nicht nach. Mitt­ler­wei­le ist das streit­ge­gen­ständ­li­che Video in Deutsch­land nicht mehr auf­ruf­bar, nach Anga­ben der Spar­kas­se im Aus­land jedoch schon. Auf dem Kon­to der Kon­to­in­ha­be­rin gehen nach wie vor Spen­den ein. Der Ehe­mann der Kon­to­in­ha­be­rin soll nach Pres­se­be­rich­ten mitt­ler­wei­le in Ungarn fest­ge­nom­men wor­den sein und befin­det sich danach dort in Aus­lie­fe­rungs­haft.

In dem Eil­ver­fah­ren hat die Kon­to­in­ha­be­rin die Fort­füh­rung von Kon­to­ver­bin­dung und Kre­dit­kar­ten­ver­trag von der Spar­kas­se begehrt und behaup­tet, sie benö­ti­ge das Kon­to für ihre Lebens­füh­rung drin­gend und ver­fü­ge über kei­ne ande­re Kon­to­ver­bin­dung. Das Land­ge­richt Ber­lin hat zunächst durch Beschluss vom 27.04.2017 ohne vor­he­ri­ge Anhö­rung der Spar­kas­se die­se ver­pflich­tet, das Giro­kon­to auf Gut­ha­ben­ba­sis fort­zu­füh­ren. Nach­dem die Spar­kas­se dage­gen Wider­spruch ein­ge­legt hat, hat das Land­ge­richt nun­mehr den Beschluss auf­ge­ho­ben und zuguns­ten des Kre­dit­in­sti­tuts ent­schie­den:

Die frist­lo­se Kün­di­gung der Bank­ver­bin­dung sei gerecht­fer­tigt gewe­sen. Das Kon­to sei dazu genutzt wor­den, die Flucht des wegen Volks­ver­het­zung und Juden­has­ses mehr­fach rechts­kräf­tig bestraf­ten Ehe­manns der Kon­to­in­ha­be­rin, der im April 2017 zum Antritt einer rechts­kräf­tig ver­häng­ten Gefäng­nis­stra­fe auf­ge­for­dert wor­den war, zu finan­zie­ren. Die Spar­kas­se als öffent­lich-recht­li­ches Insti­tut müs­se nicht dul­den, eine Straf­ver­ei­te­lung zu unter­stüt­zen, indem sie das Kon­to, auf dem die Spen­den ein­ge­hen, wei­ter­hin zur Ver­fü­gung stel­le. Es kom­me nicht dar­auf an, ob die Kon­to­in­ha­be­rin selbst gehan­delt habe bzw. ein Ver­schul­den an die­ser Nut­zung tra­ge. Allein ent­schei­dend sei, dass der Spar­kas­se die Ver­trags­be­zie­hung nicht (mehr) zumut­bar sei. Denn ihr dro­he andern­falls ein erheb­li­cher Ver­lust ihres Anse­hens, da sie unstrei­tig bereits in den sozia­len Netz­wer­ken kri­ti­siert wor­den sei.

Zudem sei inzwi­schen das Eil­be­dürf­nis der Kon­to­in­ha­be­rin für eine vor­läu­fi­ge Rege­lung ent­fal­len. Denn sie habe zum einen auf­grund des Bestrei­tens der Spar­kas­se nicht hin­rei­chend nach­ge­wie­sen, nur über die­se ein­zi­ge Kon­to­ver­bin­dung zu ver­fü­gen. Zum ande­ren sei sie auf gericht­li­chen Schutz nicht mehr ange­wie­sen, nach­dem ihr die Spar­kas­se mehr­fach ver­geb­lich die Ein­rich­tung eines Basis­kon­tos ange­bo­ten habe.

Der Ver­fü­gungs­an­spruch der Kon­to­in­ha­be­rin fehlt, weil die bis­he­ri­ge Geschäfts­be­zie­hung auf­grund der Kün­di­gung der Spar­kas­se nicht mehr fort­be­steht. Die Kün­di­gung der Spar­kas­se ist nach Zif­fer 26 Abs. 2 der AGB der Spar­kas­se wirk­sam. Danach ist eine Kün­di­gung der gesam­ten Geschäfts­be­zie­hung frist­los mög­lich, wenn ein wich­ti­ger Grund vor­liegt, auf­grund des­sen dem Kün­di­gen­den die Fort­set­zung der Geschäfts­be­zie­hung nicht zuge­mu­tet wer­den kann. Dies ist hier der Fall.

Der wich­ti­ge Grund besteht hier dar­in, dass das streit­ge­gen­ständ­li­che Kon­to der Kon­to­in­ha­be­rin in einem Video des Ehe­manns ab Minu­te 4‘10‘‘ als Spen­den­kon­to genannt wird und hier­bei die Spar­kas­se als kon­to­füh­ren­de Bank ange­ge­ben ist. Das Kon­to der Kon­to­in­ha­be­rin wird damit nicht für deren eige­nen regu­lä­ren Geschäfts- oder Pri­vat­ge­brauch, für das es ihr von der Spar­kas­se zur Ver­fü­gung gestellt wor­den ist – son­dern durch deren Ehe­mann für poli­ti­sche Zwe­cke und damit ver­trags­wid­ri­ge Zwe­cke genutzt. Die Kon­to­in­ha­be­rin hat hier­zu nach eige­nen Anga­ben auch kei­ne Zustim­mung erteilt oder die­ses Vor­ge­hen im Nach­hin­ein gebil­ligt, so dass das Kon­to auch aus ihrer Sicht von ihrem Ehe­mann ent­ge­gen ihres Wil­lens genutzt wird.

Die Spar­kas­se durf­te auf­grund die­ser Nut­zung des Kon­tos die frist­lo­se Kün­di­gung aus­spre­chen, weil über das Kon­to der Kon­to­in­ha­be­rin die Flucht ihres wegen Volks­ver­het­zung und Juden­has­ses mehr­fach rechts­kräf­tig bestraf­ten Ehe­manns finan­ziert wer­den soll­te. Die­se Betei­li­gung und Mit­hil­fe an der Straf­voll­stre­ckung muss die Spar­kas­se, die öffent­lich orga­ni­siert und finan­ziert ist, nicht dul­den. In der ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung ist aner­kannt, dass die nach außen her­vor­ge­tre­te­ne Zuge­hö­rig­keit eines Kun­den zur rechts­ex­tre­men Sze­ne einen wich­ti­gen Grund zur Kün­di­gung der Geschäfts­be­zie­hung gem. Nr. 26 Abs. 2 AGB-Spar­kas­se dar­stel­len kann. Denn die Unter­hal­tung einer Geschäfts­ver­bin­dung zu sol­chen Per­so­nen begrün­det den äuße­ren Anschein, die Ver­fol­gung rechts­ra­di­ka­ler Zie­le zu unter­stüt­zen oder zu bil­li­gen und bedeu­tet damit für eine Spar­kas­se zumin­dest die Gefahr einer Ruf­schä­di­gung, die sie als öffent­lich-recht­li­ches Kre­dit­in­sti­tut bei Abwä­gung der bei­der­sei­ti­gen Inter­es­sen grund­sätz­lich nicht hin­zu­neh­men braucht 1.

Dass hier nicht die Kon­to­in­ha­be­rin selbst der rechts­ex­tre­men Sze­ne zuge­rech­net wer­den kann bzw. als Kün­di­gungs­grund nicht allein das rechts­ex­tre­me Han­deln des Ehe­manns der Kon­to­in­ha­be­rin son­dern die Mit­wir­kung an der Ver­ei­te­lung der Straf­voll­stre­ckung von der Spar­kas­se als Kün­di­gungs­grund genannt wer­den, steht der Wirk­sam­keit der Kün­di­gung nicht ent­ge­gen. Der oder die Kün­di­gungs­grün­de sind inso­weit gleich­wer­tig mit dem Kün­di­gungs­grund in der Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Köln. Die Unter­stüt­zung und gar Mit­wir­kung an der Ver­ei­te­lung der Straf­voll­stre­ckung einer lang­jäh­ri­gen Frei­heits­stra­fe wegen Volks­ver­het­zung wiegt so schwer wie das gege­be­nen­falls noch nicht ein­mal straf­recht­lich rele­van­te Ver­trei­ben von rechts­ra­di­ka­lem Gedan­ken­gut in der Ent­schei­dung des OLG Köln. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­ho­fes ist es im Übri­gen aus­rei­chend, wenn auch nur Anhalts­punk­te dafür vor­lie­gen, dass das Kon­to für ver­bo­te­ne oder straf­ba­rer Akti­vi­tä­ten genutzt wird 2. Eine Unschulds­ver­mu­tung gilt hier­bei nicht. Hier aber besteht zumin­dest der drin­gen­de Ver­dacht, dass mit­tels des streit­ge­gen­ständ­li­chen Kon­tos Straf­ta­ten, näm­lich Straf­ver­ei­te­lung in Form der Voll­stre­ckungs­ver­ei­te­lung ermög­licht wer­den soll.

Soweit die Kon­to­in­ha­be­rin der Auf­fas­sung ist, die Kün­di­gung sei unwirk­sam, weil sie mit der Nen­nung ihres Kon­tos und des Namens der Spar­kas­se in dem Video nichts zu tun hat, ist dies uner­heb­lich. Soweit frü­her in der Lite­ra­tur teil­wei­se für die Auf­fas­sung ver­tre­ten wur­de, dass ange­sichts der bei­spiel­haft in Nr. 26 Abs. 2 S. 3 AGB-Spar­kas­se ange­führ­ten Kün­di­gungs­grün­de nur sol­che Umstän­de als wich­ti­ger Grund gel­ten sol­len, die die Ein­hal­tung der Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen des Kun­den oder die Durch­setz­bar­keit der Ansprü­che der Spar­kas­se gefähr­den 3, ist dem bereits das OLG Köln in der zitier­ten Ent­schei­dung zutref­fend ent­ge­gen­ge­tre­ten. Eine sol­che Beschrän­kung lässt sich dem Wort­laut der Klau­sel nicht ent­neh­men, da es sich inso­weit nur um eine nicht abschlie­ßen­de, bei­spiel­haf­te Auf­zäh­lung han­delt. Im Übri­gen ist in der gegen­wär­ti­gen Fas­sung der AGB-Spar­kas­sen noch deut­li­cher aus­ge­spro­chen, als es sei­ner­zeit bei der Ent­schei­dung des OLG Köln der Fall war, dass es nicht auf ein Han­deln oder gar Ver­schul­den des Kon­to­in­ha­bers ankommt. Erfor­der­lich ist danach allein, dass die Fort­set­zung der Geschäfts­be­zie­hung für die Spar­kas­se unzu­mut­bar sein muss.

Unab­hän­gig davon hat die Kon­to­in­ha­be­rin der Nut­zung des Kon­tos durch ihren Ehe­mann nach Kennt­nis­er­lan­gung nie­mals wider­spro­chen und damit letzt­lich die Ver­wen­dung ihres Kon­tos gebil­ligt. Ins­be­son­de­re die ein­ge­hen­den Zah­lun­gen konn­ten an ihren Ehe­mann nur mit ihrer Mit­hil­fe wei­ter­ge­lei­tet wer­den. Die Kon­to­in­ha­be­rin hat viel­mehr ihren Ehe­mann sofort tätig wer­den las­sen, der sich noch am fol­gen­den Tag mit einem Schrei­ben an die Spar­kas­se gewandt und hier­bei deren Vor­stands­vor­sit­zen­den mög­li­cher­wei­se straf­recht­lich rele­van­ter Wei­se ange­grif­fen hat. Eine Distan­zie­rung von der Sicht­wei­se ihres Ehe­manns und des Spen­den­auf­rufs in dem Video kann das Land­ge­richt hier­in gera­de nicht erken­nen. Auch in den mehr­fa­chen Gesprä­chen in der Filia­le ist sie weder den Absich­ten ihres Man­nes ent­ge­gen­ge­tre­ten noch hat sie sich gegen die Nut­zung ihres Kon­tos für des­sen Flucht gegen­über der Spar­kas­se aus­ge­spro­chen oder erklärt, dage­gen vor­zu­ge­hen und dies unter­bin­den zu wol­len. Soweit die­se Umstän­de zum Zeit­punkt der ers­ten Kün­di­gung vom 21.04.2017 der Spar­kas­se noch nicht posi­tiv bekannt waren, war dies bei Zugang der wei­te­ren außer­or­dent­li­chen Kün­di­gung mit­tels des Schrift­sat­zes vom 05.05.2017 der Fall. Denn die Kon­to­in­ha­be­rin hat­te zu die­sem Zeit­punkt die­ser Nut­zung des Kon­tos wei­ter­hin unstrei­tig nicht wider­spro­chen und war dem auch sonst nicht ent­ge­gen­ge­tre­ten. Jeden­falls zu die­sem Zeit­punkt, zu dem wei­ter­hin regel­mä­ßi­ge Über­wei­sun­gen zu Guns­ten des Ehe­manns der Kon­to­in­ha­be­rin mit teils ein­deu­ti­gen Bezug ein­gin­gen, lag der wich­ti­ge Grund für die Spar­kas­se jeden­falls vor.

Dass zu die­sem Zeit­punkt das Video auf You­Tube in Deutsch­land nicht mehr abruf­bar war, steht der Wirk­sam­keit der Kün­di­gung nicht ent­ge­gen. Denn zum einen ist nach den Glaub­haft­ma­chun­gen der Spar­kas­se das Video im Aus­land nach wie vor auf­ruf­bar. Zum ande­ren gehen auf dem Kon­to der Kon­to­in­ha­be­rin nach wie vor Über­wei­sun­gen ein.

Die Fort­set­zung der Geschäfts­be­zie­hung zur Kon­to­in­ha­be­rin in Gestalt des streit­ge­gen­ständ­li­chen Kon­tos war der Spar­kas­se vor die­sem Hin­ter­grund nicht zumut­bar. Der Spar­kas­se droh­te ein erheb­li­cher Repu­ta­ti­ons­ver­lust, wenn Sie wei­ter das Kon­to zur Ver­fü­gung stell­te, auf dem die Spen­den für den Ehe­mann der Kon­to­in­ha­be­rin ein­gin­gen. Es ist unstrei­tig und im Übri­gen hat die Spar­kas­se auch zur Über­zeu­gung der Land­ge­richt glaub­haft gemacht (§ 294 ZPO), dass sie wegen ihrer Nen­nung in dem Video bereits in den sozia­len Netz­wer­ken kri­ti­siert wor­den sei.

Dem steht auch nicht ent­ge­gen, dass es der Spar­kas­se mög­li­cher­wei­se zumut­bar wäre die Geschäfts­be­zie­hung jeden­falls über ein ande­res Kon­to mit der Kon­to­in­ha­be­rin fort­zu­füh­ren, zumal unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen für Spar­kas­sen ein Kon­tra­hie­rungs­zwang bestehen kann. Unbe­scha­det der Fra­ge, ob die Spar­kas­se als Ber­li­ner Insti­tut der in Bran­den­burg woh­nen­den Kon­to­in­ha­be­rin gegen­über ver­pflich­tet ist, steht ja außer Streit, dass die Spar­kas­se der Kon­to­in­ha­be­rin mehr­fach die Fort­füh­rung der Geschäfts­be­zie­hung im Rah­men eines Basis­kon­tos ange­bo­ten hat. Sie hat damit die gebo­te­ne Inter­es­sen­ab­wä­gung zutref­fend und in einer Wei­se vor­ge­nom­men, die der Kün­di­gung des Giro­ver­tra­ges und der Geschäfts­be­zie­hung Wirk­sam­keit ver­leiht.

Vor die­sem Hin­ter­grund kann die Kon­to­in­ha­be­rin auch nicht ein­wen­den, dass die Kün­di­gung zur Unzeit erfolgt wäre, weil sie ihr kei­ne Mög­lich­keit gelas­sen hät­te, sich ander­wei­tig um die Eröff­nung eines Giro­kon­tos zu küm­mern. Die Spar­kas­se hat hier im Sin­ne von Nr. 26 Abs. 1 S. 2 AGB-Spar­kas­se jeden­falls im Gespräch in der Filia­le den berech­tig­ten Belan­gen des Kun­den "ange­mes­sen" Rech­nung zu tra­gen ver­sucht. Eine ande­re oder gar mil­de­re Mög­lich­keit bestand bei dem Dau­er­zu­stand und den fort­lau­fend ein­ge­hen­den Über­wei­sun­gen für die Spar­kas­se nicht.

Da die Kon­to­in­ha­be­rin mit­tel­bar über den Kre­dit­kar­ten­ver­trag mit einem Kar­ten­li­mit von 1.000 Euro auch auf das Giro­kon­to zugrei­fen konn­te, war es der Spar­kas­se auch nicht zuzu­mu­ten, den Kre­dit­kar­ten­ver­trag fort­zu­füh­ren son­dern im Rah­men der Kün­di­gung der gesam­ten Geschäfts­be­zie­hung auch die­sen zu kün­di­gen. Was die Inter­es­sen­ab­wä­gung anbe­langt, gel­ten inso­weit die vor­ste­hen­den Aus­füh­run­gen ent­spre­chend. Es ist unstrei­tig und von der Spar­kas­se glaub­haft gemacht, dass die Spar­kas­se der Kon­to­in­ha­be­rin auch einen neu­en Kre­dit­kar­ten­ver­trag ange­bo­ten hat.

Es besteht auch ansons­ten mate­ri­ell grund­sätz­lich kein Ver­fü­gungs­an­spruch in Bezug auf die Ein­räu­mung einer Kre­dit­li­nie oder eines Kre­dit­kar­ten­ver­tra­ges.

Da nach den vor­ste­hen­den Aus­füh­run­gen die Kün­di­gung wirk­sam ist, ist auch nicht zu erken­nen, dass die Daten­über­mitt­lung an die SCHUFA nicht gestat­tet wäre.

Der Kon­to­in­ha­be­rin steht nun­mehr auch kein Ver­fü­gungs­grund mehr zur Sei­te. Es fehlt nach dem Bestrei­ten der Spar­kas­se bereits an einer hin­rei­chen­den Glaub­haft­ma­chung dazu, dass der Kon­to­in­ha­be­rin nach wie vor kei­ne ande­re Bank­ver­bin­dung zur Ver­fü­gung steht. Bereits ihre For­mu­lie­rung in der Antrags­schrift bzw. in der eides­statt­li­chen Ver­si­che­rung vom 25.04.2017, wonach sie zum Zeit­punkt der Kün­di­gung über kei­ne ande­re Geschäfts­be­zie­hung zu Ban­ken ver­füg­te, war inso­weit nicht ein­deu­tig. Nach dem Bestrei­ten der Spar­kas­se wäre die Kon­to­in­ha­be­rin jedoch gehal­ten gewe­sen, das Nicht­be­stehen einer wei­te­ren Bank­ver­bin­dung deut­lich zu erklä­ren und auch glaub­haft zu machen. Dar­an fehlt es.

Sie ist auf eine gericht­li­che Ent­schei­dung im einst­wei­li­gen Rechts­schutz zum Zeit­punkt der münd­li­chen Ver­hand­lung auch des­halb nicht mehr ange­wie­sen, weil die Spar­kas­se ihr unstrei­tig mehr­fach die Ein­rich­tung eines Basis­kon­tos ange­bo­ten hat. Damit stand der Kon­to­in­ha­be­rin ein schnel­ler und ein­fa­cher Weg zur Ver­fü­gung, um Ihre Bank­ge­schäf­te abwi­ckeln zu kön­nen.

Soweit die Kon­to­in­ha­be­rin dazu gel­tend gemacht hat, sie kön­ne nicht auf die­se Wei­se ver­pflich­tet sein, das aus ihrer Sicht unwirk­sa­me Han­deln der Spar­kas­se mit­zu­tra­gen, ist die­ser ent­ge­gen zu hal­ten, dass nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts schon die Grund­an­nah­me der Kon­to­in­ha­be­rin nicht zutref­fend ist. Denn die Kün­di­gung ist nach den vor­ste­hen­den Aus­füh­run­gen wirk­sam erfolgt. Unab­hän­gig davon ist die Fra­ge der Wirk­sam­keit der Kün­di­gung erst im Rah­men eines etwai­gen Haupt­ver­fah­rens, indem gege­be­nen­falls auch Scha­dens­er­satz­an­sprü­che wegen einer unwirk­sa­men Kün­di­gung ver­folgt wer­den kön­nen, zu klä­ren. Im Rah­men des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes kommt es dage­gen in ers­ter Linie dar­auf an, ob die Kon­to­in­ha­be­rin eine gericht­li­che Eilt, Ent­schei­dung benö­tigt. Dar­an fehlt es jedoch, wenn ein Antrag­stel­ler wie sie auf ande­rem und schnel­le­ren Weg das glei­che Ziel errei­chen kann. Dies ist hier mit dem ange­bo­te­nen Basis­kon­to der Fall, auch wenn die­ses nicht in vol­lem Umfang der bis­he­ri­gen Geschäfts­be­zie­hung ent­spricht. Jeden­falls als vor­läu­fi­ge und eil­be­dürf­ti­ge Rege­lung reicht die­ses aus, zumal nach den vor­ste­hen­den Aus­füh­run­gen ein Anspruch auf Ein­räu­mung einer Kre­dit­li­nie nicht bestehen dürf­te.

Land­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 18. Mai 2017 – 37 S 103/​17

  1. vgl. OLG Köln, Urteil vom 15.05.2002 – 13 U 7/​02[]
  2. BGH, Urteil vom 11.03.2003, XI ZR 403/​01, Rn. 26[]
  3. so wohl Bun­te, in: Schimansky/​Bunte/​Lwowski, Bank­rechts-Hand­buch, 2.Aufl. § 24 Rdnr. 62 a.E.; Wes­ter­mann WM 1993, 1865, 1874[]