"knock out"-Optionsscheine

Klau­seln in All­ge­mei­nen Emis­si­ons­be­din­gun­gen, nach denen der Emit­tent von Opti­ons­schei­nen die Bedin­gun­gen ändern kann, soweit ihm dies ange­mes­sen und erfor­der­lich erscheint, um dem wirt­schaft­li­chen Zweck der Bedin­gun­gen gerecht zu wer­den, falls die Ände­rung dazu die­nen soll, einen offen­sicht­li­chen Irr­tum zu berich­ti­gen, sind gemäß § 308 Nr. 4 BGB unwirk­sam.

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In dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall ging es um an den Gold­preis gebun­de­ne "knock out"-Opti­ons­schei­ne, bei denen der Zeich­ner kei­ne Rück­zah­lung erhal­ten soll­te, wenn der Preis für eine Gold­un­ze zum Stich­tag unter einen bestimm­ten Wert liegt.

Die All­ge­mei­nen Emis­si­ons­be­din­gun­gen der streit­ge­gen­ständ­li­chen Opti­ons­schei­ne, die als Schuld­ver­schrei­bun­gen anzu­se­hen sind 1 stel­len, wie Anlei­he­be­din­gun­gen gene­rell 2, All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen dar.

Nach § 308 Nr. 4 BGB ist in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen die Ver­ein­ba­rung eines Rechts des Ver­wen­ders, die ver­spro­che­ne Leis­tung zu ändern oder von ihr abzu­wei­chen, unwirk­sam, wenn nicht die Ver­ein­ba­rung der Ände­rung oder Abwei­chung unter Berück­sich­ti­gung der Inter­es­sen des Ver­wen­ders für den ande­ren Ver­trags­teil zumut­bar ist. Dies ist auf­grund einer Abwä­gung zwi­schen den Inter­es­sen des Klau­sel­ver­wen­ders an der Mög­lich­keit einer Ände­rung sei­ner Leis­tung und denen des ande­ren Ver­trags­teils an der Unver­än­der­lich­keit der ver­ein­bar­ten Leis­tung zu beur­tei­len. Dabei erscheint ein Ände­rungs­vor­be­halt, der sich nicht nur auf die Umstän­de der Leis­tungs­er­brin­gung oder auf Neben­pflich­ten bezieht, son­dern auch Inhalt und Umfang der Haupt­leis­tung betrifft, als beson­ders nach­tei­lig für den ande­ren Ver­trags­teil 3. Ins­be­son­de­re eine Ände­rung des Äqui­va­lenz­ver­hält­nis­ses zwi­schen den bei­der­sei­ti­gen Leis­tun­gen kann ein Indiz für die Unzu­mut­bar­keit des Ände­rungs­vor­be­halts sein 4. Die Ände­rungs­klau­sel muss fer­ner dem Grund­satz der Erfor­der­lich­keit genü­gen 5. Ein recht­fer­ti­gen­der Grund für eine sol­che Klau­sel fehlt, wenn der Ver­wen­der bei ord­nungs­ge­mä­ßer Geschäfts­füh­rung dem Ver­trags­part­ner bereits im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses die Leis­tung in der geän­der­ten Form hät­te ver­spre­chen kön­nen 6. Wei­ter­hin ist erfor­der­lich, dass die Klau­sel in ihren Vor­aus­set­zun­gen und Fol­gen für den ande­ren Ver­trags­teil zumin­dest ein gewis­ses Maß an Kal­ku­lier­bar­keit der mög­li­chen Leis­tungs­än­de­rung gewähr­leis­tet 7. Zu beden­ken ist schließ­lich, dass Ände­rungs­vor­be­hal­te für den Kun­den gefähr­li­cher als Rück­tritts­vor­be­hal­te oder sons­ti­ge Befrei­ungs­klau­seln sind, weil er die geän­der­te Leis­tung anneh­men und bezah­len muss, ohne Scha­dens­er­satz ver­lan­gen oder vom Ver­trag zurück­tre­ten zu kön­nen 8.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 30. Juni 2009 – XI ZR 364/​08

  1. vgl. Horn, ZHR 173 (2009), 12, 20 f.; Bredow/​Vogel, ZBB 2009, 153, 154[]
  2. BGHZ 163, 311, 314 m.w.N.[]
  3. BGH, Urteil vom 15. Novem­ber 2007 – III ZR 247/​06, WM 2008, 308, Tz. 21[]
  4. Stau­din­ger/­Coes­ter-Walt­jen, BGB (2006), § 308 Nr. 4 Rn. 7 aE; MünchKomm/​Kieninger, BGB, 5. Aufl., § 308 Nr. 4 Rn. 7 aE; Ulmer/​Brandner/​Hensen/​H. Schmidt, AGB-Recht, 10. Aufl., § 308 Nr. 4 Rn. 9[]
  5. Wolf/​Lindacher/​Pfeiffer/​Dammann, AGB-Recht, 5. Aufl., § 308 Nr. 4 Rn. 24[]
  6. Stau­din­ger/­Coes­ter-Walt­jen, BGB (2006), § 308 Nr. 4 Rn. 7 unter e; vgl. für § 10 Nr. 3 AGBG: BGH, Urteil vom 10. Dezem­ber 1986 – VIII ZR 349/​85, WM 1987, 426, 429[]
  7. BGH, Urteil vom 15. Novem­ber 2007 – III ZR 247/​06, WM 2008, 308, Tz. 21 m.w.N.[]
  8. Ulmer/​Brandner/​Hensen/​H. Schmidt, AGB-Recht, 10. Aufl., § 308 Nr. 4 Rn. 1[]