Kon­klu­den­te Geneh­mi­gung von Last­schrift­ab­bu­chun­gen

Die Wei­ter­be­nut­zung eines Kon­tos nach Zusen­dung eines Kon­to­aus­zugs stellt nach einem Urteil des Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richts Ham­burg kei­ne kon­klu­den­te Geneh­mi­gung der auf die­sem Kon­to­aus­zug aus­ge­wie­se­nen Last­schrift­ab­bu­chun­gen dar.

Kon­klu­den­te Geneh­mi­gung von Last­schrift­ab­bu­chun­gen

Das blo­ße Schwei­gen des Kon­to­in­ha­bers auf die ihm zuge­gan­ge­nen Tages­kon­to­aus­zü­ge reicht für die Annah­me einer kon­klu­den­ten Geneh­mi­gung nicht aus 1. Aus der fort­ge­setz­ten akti­ven Nut­zung des Kon­tos durch den Kon­to­in­ha­ber lässt sich eben­falls kei­ne kon­klu­den­te Geneh­mi­gung der Last­schrif­ten ent­neh­men.

Aller­dings wird teil­wei­se die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass eine kon­klu­den­te Geneh­mi­gung dann anzu­neh­men sei, wenn der Schuld­ner in Kennt­nis der unwi­der­spro­chen gelas­se­nen Belas­tungs­bu­chun­gen nach Ablauf einer Prü­fungs- und Über­le­gungs­frist den Zah­lungs­ver­kehr auf dem Kon­to fort­setzt 2. Dem ver­mag das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg so nicht zu fol­gen. So wür­de die­se Auf­fas­sung mit einer erheb­li­chen Rechts­un­si­cher­heit für die Betei­lig­ten ein­her­ge­hen, da nicht klar ist, wel­cher Zeit­raum genau abge­lau­fen und wel­cher Art und wel­chen Umfangs die wei­te­re Nut­zung des Kon­tos sein müss­te, um von ihr auf eine still­schwei­gen­de Geneh­mi­gung bezüg­lich der Last­schrif­ten zu schlie­ßen. Unab­hän­gig hier­von ver­mag der Senat auch kei­ne Grund­la­ge dafür zu erken­nen, der blo­ßen Wei­ter­nut­zung des Kon­tos durch spä­te­re vom Kon­to­in­ha­ber ver­an­lass­te Über­wei­sun­gen, Scheck­zah­lun­gen und/​oder ‑ein­lö­sun­gen sowie Bar­ein­zah­lun­gen einen Erklä­rungs­wert in Bezug auf vor­aus­ge­gan­ge­ne Last­schrif­ten bei­zu­mes­sen. Ein akti­ver Zah­lungs­ver­kehr ent­spricht dem urei­gens­ten Zweck eines Giro­kon­tos. Den vom Kon­to­in­ha­ber vor­ge­nom­me­nen Ver­fü­gun­gen über das Kon­to kommt im Regel­fall kein über den jewei­li­gen ein­zel­nen Vor­gang hin­aus­ge­hen­der Erklä­rungs­wert zu; bezo­gen auf vor­aus­ge­gan­ge­ne Last­schrift­bu­chun­gen stellt sich die blo­ße Wei­ter­nut­zung des Kon­tos viel­mehr als nicht mehr als „fort­ge­setz­tes Schwei­gen“ dar 3. Auch ange­sichts der Rege­lun­gen in Ziff. 7 Abs. 5 ihrer eige­nen AGB konn­te die Bank die blo­ße schwei­gen­de Wei­ter­nut­zung des Kon­tos nicht als Geneh­mi­gung vor­an­ge­gan­ge­ner Last­schrift­bu­chun­gen auf­fas­sen, sta­tu­iert sie dort doch, dass das nicht unver­züg­li­che Erhe­ben von Ein­wen­dun­gen gegen Belas­tun­gen aus Ein­zugs­er­mäch­ti­gungs-Last­schrif­ten zunächst (ledig­lich) zu einem Scha­den­er­satz­an­spruch füh­ren kann und erst ein mehr als sechs­wö­chi­ges Schwei­gen auf einen Rech­nungs­ab­schluss eine Geneh­mi­gungs­wir­kung aus­löst. Hier­nach besteht erkenn­bar für den Kun­den kei­ner­lei Anlass zu der Annah­me, dass bereits vor Ablauf der sechs­wö­chi­gen Frist zur Erhe­bung von Ein­wen­dun­gen gegen den Rech­nungs­ab­schluss bzw. die in des­sen Sal­do ent­hal­te­nen Belas­tungs­bu­chun­gen aus Ein­zugs­er­mäch­ti­gungs-Last­schrif­ten sein blo­ßes Schwei­gen in Ver­bin­dung mit der schlich­ten – und bei einem Giro­kon­to regel­mä­ßig zu erwar­ten­den – Wei­ter­nut­zung des Kon­tos als Geneh­mi­gung vor­an­ge­gan­ge­ner Last­schrif­ten ver­stan­den wer­den könn­te, und ent­spre­chend umge­kehrt auch kein Anlass für die Bank, die blo­ße schwei­gen­de Wei­ter­nut­zung des Kon­tos in die­sem Sin­ne zu ver­ste­hen.

Im Ergeb­nis geht das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg eben­so wie das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf 4 davon aus, dass in der blo­ßen Fort­set­zung der Nut­zung des Kon­tos in Kennt­nis der Last­schrift­bu­chun­gen kei­ne kon­klu­den­te Geneh­mi­gung gese­hen wer­den kann, solan­ge die sechs­wö­chi­ge Frist zur Erhe­bung von Ein­wen­dun­gen gegen den Rech­nungs­ab­schluss bzw. die in des­sen Sal­do ent­hal­te­nen Belas­tungs­bu­chun­gen aus Ein­zugs­er­mäch­ti­gungs-Last­schrif­ten noch läuft. Etwas ande­res mag gel­ten, wenn beson­de­re Umstän­de hin­zu­kom­men, aus denen sich ergibt, dass der Kon­to­in­ha­ber die wei­te­re Nut­zung des Kon­tos gezielt an den erfolg­ten Last­schrift-Abbu­chun­gen aus­ge­rich­tet hat, so z.B. wenn er Ein­zah­lun­gen auf das Kon­to vor­nimmt, die gezielt der Kon­to­auf­fül­lung nach erfolg­ter Last­schrift-Abbu­chung die­nen oder wenn er im Zusam­men­hang mit durch Last­schrift-Abbu­chun­gen ent­stan­de­nen Kon­to­über­zie­hun­gen als­bal­di­ge Zah­lun­gen ankün­digt oder sich eine Kre­dit­li­nie bewil­li­gen lässt 5. Sol­che Umstän­de sind vor­lie­gend jedoch nicht ersicht­lich. Allein die Tat­sa­che, dass das Kon­to stets im Gut­ha­ben geführt wur­de, reicht hier­für nicht aus. Dass ein­zel­ne Ein­zah­lun­gen auf das Kon­to gezielt im Hin­blick auf vor­an­ge­gan­ge­ne Last­schrift-Abbu­chun­gen erfolg­ten, ist eben­falls nicht zu erken­nen; nach dem unbe­strit­ten geblie­be­nen Vor­brin­gen des Klä­gers han­del­te es sich viel­mehr schlicht um die Ein­zah­lung der bar erhal­te­nen Tages­ein­nah­men.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 2. Juni 2010 – 13 U 127/​09

  1. vgl. BGH NJW 2008, 63, 67 m.w.N.[]
  2. vgl. u.a. KG NZI 2009, 179, 180; Nobbe/​Ellenberger WM 2006, 1885, 1887, jeweils m.w.N.[]
  3. vgl. OLG Düs­sel­dorf, Urteil vom 23.04.2009 – I‑6 U 66/​08[]
  4. aaO[]
  5. vgl. hier­zu OLG Mün­chen, ZIP 2005, 2102 f.[]

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