Kon­to­aus­gleich als Last­schrift­ge­neh­mi­gung?

Geneh­migt ein Kon­to­in­ha­ber eine bereits gebuch­te Ein­zugs­er­mäch­ti­gungs­last­schrif­ten kon­klu­dent bereits dadurch, dass er dem Kon­to neue Liqui­di­tät zuführt? Mit die­ser Fra­ge hat­te sich noch­mals 1 zu befas­sen:

Kon­to­aus­gleich als Last­schrift­ge­neh­mi­gung?

Stellt der Kon­to­in­ha­ber in Kennt­nis erfolg­ter Abbu­chun­gen durch liqui­di­täts­schaf­fen­de Maß­nah­men aus­rei­chen­de Kon­to­de­ckung für wei­te­re Kon­to­dis­po­si­tio­nen sicher, kann eben­so wie bei einer Abstim­mung von zukünf­ti­gen Kon­to­ver­fü­gun­gen mit der Bank aus deren Sicht der Schluss gerecht­fer­tigt sein, bereits gebuch­te Last­schrif­ten wür­den Bestand haben, da sich der Kun­de andern­falls auf leich­te­rem Wege Liqui­di­tät hät­te ver­schaf­fen kön­nen, indem er die­sen sei­ner Ansicht nach unbe­rech­tig­ten Belas­tungs­bu­chun­gen wider­spricht 2. Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat, liegt eine kon­klu­den­te Geneh­mi­gung durch Maß­nah­men der Liqui­di­täts­schaf­fung für vor­aus­ge­gan­ge­ne Abbu­chun­gen dann nahe, wenn der Kon­to­in­ha­ber auf­grund einer Abspra­che mit der kon­to­füh­ren­den Bank gehal­ten war, das betref­fen­de Kon­to auf Gut­ha­ben­ba­sis zu füh­ren 3.

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat der Kon­to­in­ha­ber immer dann, wenn eine Unter­de­ckung des Geschäfts­kon­tos droh­te, Über­wei­sun­gen von einem Geld­markt­kon­to vor­ge­nom­men. Die­ser Umstand kann nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs auch nicht mit dem Argu­ment, die Umbu­chun­gen hät­ten in kei­nem betrags­mä­ßig kon­kre­ten Zusam­men­hang mit künf­ti­gen Last­schrif­ten gestan­den, außer Acht gelas­sen wer­den. Eines sol­chen Zusam­men­han­ges bedarf es näm­lich für die Annah­me einer kon­klu­den­ten Geneh­mi­gung von Belas­tungs­bu­chun­gen durch nach­fol­gen­de liqui­di­täts­schaf­fen­de Umbu­chun­gen nicht. Aus­rei­chend ist viel­mehr, dass das Ver­hal­ten des Kon­to­in­ha­bers aus der objek­ti­ven Sicht der Bank frü­he­re Last­schrif­ten als geneh­migt erschei­nen lässt, weil der Kon­to­in­ha­ber gege­be­nen­falls durch einen Wider­spruch eine – teil­wei­se – Kon­to­de­ckung hät­te sicher­stel­len kön­nen.

Durf­te der Kon­to­in­ha­ber das bei der Bank unter­hal­te­ne Giro­kon­to nur auf Gut­ha­ben­ba­sis füh­ren, dann muss­te er die Buchun­gen täg­lich über­wa­chen und nega­ti­ve Tages­sal­den sofort aus­glei­chen. Jeden­falls in dem hier gege­be­nen unter­neh­me­ri­schen Geschäfts­ver­kehr kann in einem sol­chen Fall die von dem Kon­to­in­ha­ber ver­an­lass­te Zufüh­rung neu­er Liqui­di­tät aus Sicht der Bank den objek­ti­ven Erklä­rungs­wert besit­zen, der Kon­to­in­ha­ber habe bereits alle für ihn güns­ti­ge­ren Mög­lich­kei­ten, ein­schließ­lich des Wider­spruchs gegen vor­an­ge­hen­de Last­schrift­bu­chun­gen, geprüft und sei folg­lich mit den gebuch­ten Last­schrif­ten ein­ver­stan­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 3. April 2012 – XI ZR 39/​11

  1. in Fort­füh­rung von BGH, Urtei­le vom 26.07.2011 – XI ZR 36/​10, NZI 2011, 679 Rn. 17; und vom 25.10.2011 – XI ZR 368/​09, WM 2011, 2316 Rn. 15[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 23.11.2010 – XI ZR 370/​08, WM 2011, 63 Rn.20, vom 25.01.2011 – XI ZR 171/​09, WM 2011, 454 Rn. 21 und vom 26.07.2011 – XI ZR 36/​10, NZI 2011, 679 Rn. 16 f.[]
  3. BGH, Urtei­le vom 26.07.2011 – XI ZR 36/​10, NZI 2011, 679 Rn. 17 und vom 25.10.2011 – XI ZR 368/​09, WM 2011, 2316 Rn. 15[]