Leh­man Bro­thers, die Rating­agen­tu­ren – und die deut­schen Gerich­te

Deut­sche Gerich­te sind nach einem Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt am Main für Scha­dens­er­satz­kla­gen gegen die Rating­agen­tur Stan­dard & Poor's zustän­dig .

Leh­man Bro­thers, die Rating­agen­tu­ren – und die deut­schen Gerich­te

In dem vom Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main ent­schie­de­nen Fall hat­te der Klä­ger im März 2008 Zer­ti­fi­ka­te der inzwi­schen insol­ven­ten Leh­man Bro­thers Inc. erwor­ben. Er nimmt die beklag­te Rating­agen­tur Stan­dard & Poor's mit Sitz in New York auf Scha­dens­er­satz in Anspruch, weil er sei­ne Kauf­ent­schei­dung wesent­lich auf deren Ein­schät­zung der Kre­dit­wür­dig­keit der Leh­man Bro­thers Inc. gestützt haben will. Das zunächst ange­ru­fe­ne Land­ge­richt Frank­furt am Main hat die Zuläs­sig­keit der Kla­ge ver­neint, weil es sich weder für ört­lich noch inter­na­tio­nal für zustän­dig hielt.

Auf die Beru­fung des Klä­gers wider­sprach dem jedoch das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main: Die ört­li­che – und damit auch die inter­na­tio­na­le – Zustän­dig­keit des Land­ge­richts Frank­furt am Main ergibt sich nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt im vor­lie­gen­den Fall aus § 23 ZPO. Hier­nach ist für Kla­gen wegen ver­mö­gens­recht­li­cher Ansprü­che gegen (auch juris­ti­sche) Per­so­nen, die im Inland kei­nen Wohn- bzw. Geschäfts­sitz haben, das Gericht zustän­dig, in des­sen Bezirk sich Ver­mö­gen der Per­son befin­det, wenn der Rechts­streit hin­rei­chen­den Inlands­be­zug auf­weist. Bei­de Vor­aus­set­zun­gen sei­en vor­lie­gend gege­ben. Nicht unwe­sent­li­ches Ver­mö­gen der beklag­ten Rating­agen­tur sei in Form von Abon­ne­ment­ver­trä­gen mit Frank­fur­ter Unter­neh­men vor­han­den. Der Inlands­be­zug lie­ge vor, weil der Klä­ger sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt und Wohn­sitz in Deutsch­land habe und deut­scher Staats­bür­ger sei.

Das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt hat daher das Urteil des Land­ge­richts auf­ge­ho­ben und die Sache zur erneu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Land­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Ob damit ein Scha­dens­er­satz­an­spruch gegen die Rating­agen­tur besteht, ist damit noch nicht ent­schie­den – aber für die Klä­rung die­ser Fra­ge ist nun der Rechts­weg vor den deut­schen Gerich­ten offen.

Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 28. Novem­ber 2011 – 21 U 23/​11