Markt­ma­ni­pu­la­ti­on in der Ban­ken­kri­se

Die Ver­ur­tei­lung des ehe­ma­li­gen Vor­stands­spre­chers der IKB Deut­sche Indus­trie­bank AG wegen Markt­ma­ni­pu­la­ti­on ist rechts­kräf­tig nach­dem der Bun­des­ge­richts­hof die gegen das land­ge­richt­li­che Urteil ein­ge­leg­te Revi­si­on des Ange­klag­ten zurück gewie­sen hat.

Markt­ma­ni­pu­la­ti­on in der Ban­ken­kri­se

Das Land­ge­richt Düs­sel­dorf hat den Ange­klag­ten wegen vor­sätz­li­cher Markt­ma­ni­pu­la­ti­on zur Frei­heits­stra­fe von zehn Mona­ten ver­ur­teilt und deren Voll­stre­ckung zur Bewäh­rung aus­ge­setzt1. Die hier­ge­gen ein­ge­leg­te Revi­si­on des Ange­klag­ten, der das Ver­fah­ren bean­stan­det und die Ver­let­zung sach­li­chen Rechts rügt, hat der Bun­des­ge­richts­hof ver­wor­fen.

Nach den vom Land­ge­richt getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen hat­ten die IKB Deut­sche Indus­trie­bank AG und die von ihr gegrün­de­te, recht­lich selb­stän­di­ge Zweck­ge­sell­schaft Rhi­ne­land Fun­ding Capi­tal Cor­po­ra­ti­on in erheb­li­chem Umfang in ver­brief­te Kre­dit­for­de­run­gen (ABS-Papie­re = Asset Backed Secu­ri­ties sowie CDO-Papie­re = Col­la­te­ra­li­sed Debt Obli­ga­ti­ons) inves­tiert, denen Dar­le­hen zugrun­de lagen, die von Ban­ken in den USA an finanz­schwa­che Schuld­ner für den Erwerb eines Eigen­heims (Sub­prime-Kre­di­te) ver­ge­ben wor­den waren. Um den nach­ge­ben­den Kurs der IKB-Aktie zu stüt­zen, ver­an­lass­te der Ange­klag­te als Vor­stands­spre­cher der IKB AG am 20. Juli 2007 die Her­aus­ga­be einer Pres­se­er­klä­rung, in der er bewusst den unzu­tref­fen­den Ein­druck erweck­te, die Sub­prime-Kri­se habe für die Enga­ge­ments der IKB AG und ihrer Zweck­ge­sell­schaft in sol­che Wert­pa­pie­re prak­tisch kei­ne Aus­wir­kun­gen, von den durch eine Rating­agen­tur ange­kün­dig­ten Neu­be­wer­tun­gen sei­en sie ledig­lich mit einem ein­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag betrof­fen. Als Fol­ge die­ser irre­füh­ren­den Anga­ben stieg der Kurs der IKB-Aktie um etwa 1,9 % mit einer deut­li­chen Über­ren­di­te zum Ver­gleichs­in­dex MDax. In den fol­gen­den Tagen kam es zu Pro­ble­men mit der Anschluss­fi­nan­zie­rung der Invest­ments. Die Zah­lungs­un­fä­hig­keit der IKB AG konn­te nur mit staat­li­cher Hil­fe ver­mie­den wer­den.

Der 3. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat ent­schie­den, dass die Aus­le­gung des Land­ge­richts, die Pres­se­er­klä­rung ent­hal­te irre­füh­ren­de Anga­ben, kei­nen Rechts­feh­ler auf­weist. Auf der Grund­la­ge der rechts­feh­ler­frei getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen hat es den Ange­klag­ten zu Recht der vor­sätz­li­chen Markt­ma­ni­pu­la­ti­on gemäß § 38 Abs. 2, § 39 Abs. 2 Nr. 11, § 20a Abs. 1 Nr. 1 WpHG schul­dig gespro­chen. Ent­ge­gen der Mei­nung des Revi­si­ons­füh­rers bestehen gegen die Straf­vor­schrift kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken. Die erho­be­nen zahl­rei­chen Ver­fah­rens­rügen hat­ten kei­nen Erfolg.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Juli 2011 – 3 StR 506/​10

  1. LG Düs­sel­dorf, Urteil vom 14.07.2010 – 14 KLs-130 Js 54/​07−6÷09