Mas­ter­Card und die Inter­ban­ken­ent­gel­te

Die mul­ti­la­te­ra­len Inter­ban­ken­ent­gel­te, die inner­halb des Kar­ten­zah­lungs­sys­tems Mas­ter­Card ange­wen­det wer­den, sind wett­be­werbs­wid­rig. Mit die­sem Urteil bestä­tig­te jetzt das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on die Ent­schei­dung der EU-Kom­mis­si­on, die von Mas­ter­Card ange­wand­ten mul­ti­la­te­ra­len Inter­ban­ken­ent­gel­te zu ver­bie­ten.

Mas­ter­Card und die Inter­ban­ken­ent­gel­te

Die mul­ti­la­te­ra­len Inter­ban­ken­ent­gel­te ent­spre­chen einem Teil des Prei­ses eines mit Zah­lungs­kar­te getä­tig­ten Geschäfts, der von der Bank, die die Kar­te aus­gibt (Issuing-Bank), ein­be­hal­ten wird. Die Kos­ten der mul­ti­la­te­ra­len Inter­ban­ken­ent­gel­te wer­den den Händ­lern im all­ge­mei­ne­ren Rah­men der Auf­wen­dun­gen, die ihnen von dem Finanz­in­sti­tut, das ihre Geschäf­te führt, in Rech­nung gestellt wer­den, für die Nut­zung der Zah­lungs­kar­ten auf­er­legt.

Von der Ent­schei­dung der Kom­mis­si­on 1 betrof­fen waren nur die im Euro­päi­schen Wirt­schafts­raum oder in der Euro-Zone anwend­ba­ren mul­ti­la­te­ra­len Inter­ban­ken­ent­gel­te, die man­gels bila­te­ral zwi­schen Finanz­in­sti­tu­ten oder gemein­sam auf natio­na­ler Ebe­ne fest­ge­leg­ten Inter­ban­ken­ent­gel­ten gel­ten. Die Kom­mis­si­on stell­te fest, dass die mul­ti­la­te­ra­len Inter­ban­ken­ent­gel­te zur Fest­le­gung einer Min­dest­hö­he der den Händ­lern berech­ne­ten Kos­ten führ­ten und daher eine Beschrän­kung des Preis­wett­be­werbs zu deren Las­ten dar­stell­ten. Es sei u. a. nicht nach­ge­wie­sen, dass die MIF Effi­zi­enz­stei­ge­run­gen mit sich brin­gen könn­ten, die ihre wett­be­werbs­be­schrän­ken­den Wir­kun­gen recht­fer­ti­gen könn­ten. Der Zah­lungs­or­ga­ni­sa­ti­on Mas­ter­Card und den Gesell­schaf­ten, die sie ver­tre­ten (Mas­ter­Card Inc. und ihre Toch­ter­ge­sell­schaf­ten Mas­ter­Card Euro­pe und Mas­ter­Card Inter­na­tio­nal Inc.), wur­de daher auf­ge­ge­ben, den fest­ge­stell­ten Ver­stoß dadurch zu been­den, dass die mul­ti­la­te­ra­len Inter­ban­ken­ent­gel­te bin­nen sechs Mona­ten förm­lich auf­ge­ho­ben wür­den. Andern­falls wer­de gegen sie ein Zwangs­geld von 3,5 % des täg­li­chen kon­so­li­dier­ten Gesamt­um­sat­zes ver­hängt.

Die Gesell­schaf­ten, die Mas­ter­Card ver­tre­ten, haben beim Gericht Kla­ge auf Nich­tig­erklä­rung der Ent­schei­dung der Kom­mis­si­on erho­ben. Eine Nich­tig­keits­kla­ge dient dazu, uni­ons­rechts­wid­ri­ge Hand­lun­gen der Uni­ons­or­ga­ne für nich­tig erklä­ren zu las­sen. Sie kann unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen von Mit­glied­staa­ten, Orga­nen der Uni­on oder Ein­zel­nen beim Gerichts­hof oder beim Gericht erho­ben wer­den. Ist die Kla­ge begrün­det, wird die Hand­lung für nich­tig erklärt. Das betref­fen­de Organ hat eine durch die Nich­tig­erklä­rung der Hand­lung etwa ent­ste­hen­de Rege­lungs­lü­cke zu schlie­ßen.

Meh­re­re Finanz­in­sti­tu­te sind dem Rechts­streit als Streit­hel­fer zur Unter­stüt­zung der Anträ­ge die­ser Gesell­schaf­ten bei­getre­ten (Ban­co San­tan­der, SA, Roy­al Bank of Scot­land plc, HSBC Bank plc, Bank of Scot­land plc, Lloyds TSB Bank plc, MBNA Euro­pe Bank Ltd). Das Ver­ei­nig­te König­reich und zwei Händ­ler­ver­bän­de (Bri­tish Retail Con­sor­ti­um und Euro­Com­mer­ce AISBL) sind dem Rechts­streit als Streit­hel­fer zur Unter­stüt­zung der Anträ­ge der Kom­mis­si­on bei­getre­ten.

In sei­nem Urteil folgt das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on nicht der Argu­men­ta­ti­on, dass die MIF für das Funk­tio­nie­ren des Zah­lungs­sys­tems Mas­ter­Card objek­tiv not­wen­dig sei­en. Es wur­de u. a. gel­tend gemacht, dass die Finanz­in­sti­tu­te, wenn kei­ne MIF erho­ben wür­den, ihren Kun­den ande­re Arten von Zah­lungs­kar­ten anbie­ten oder die Vor­tei­le, die den Kar­ten­in­ha­bern gewährt wür­den, ein­schrän­ken müss­ten, was das Fort­be­stehen des Mas­ter­Card-Sys­tems in Fra­ge stel­len wür­de. Unter Hin­weis vor allem auf die Bedeu­tung der ande­ren Ein­künf­te und Geschäfts­vor­tei­le als die mul­ti­la­te­ra­len Inter­ban­ken­ent­gel­te, die die Finanz­in­sti­tu­te aus der Aus­ga­be von Zah­lungs­kar­ten zie­hen, befin­det das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on, dass kaum anzu­neh­men ist, dass ein nen­nens­wer­ter Teil der Ban­ken die Aus­ga­be der Mas­ter­Card-Kar­ten ohne mul­ti­la­te­ra­len Inter­ban­ken­ent­gel­te ein­stel­len oder erheb­lich redu­zie­ren oder er die Aus­ga­be­be­din­gun­gen in einer Wei­se ändern wür­de, dass Kar­ten­in­ha­ber ande­re Zah­lungs­ar­ten oder ‑kar­ten vor­zö­gen.

Da die mul­ti­la­te­ra­len Inter­ban­ken­ent­gel­te für das Funk­tio­nie­ren des Mas­ter­Card-Sys­tems nicht objek­tiv not­wen­dig sind, durf­te die Kom­mis­si­on ihre Wir­kun­gen auf den Wett­be­werb selb­stän­dig und unab­hän­gig von denen des Mas­ter­Card-Sys­tems prü­fen, mit dem sie ver­bun­den sind. Das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on heißt die­se Unter­su­chung der Aus­wir­kun­gen der mul­ti­la­te­ra­len Inter­ban­ken­ent­gel­te auf den Wett­be­werb eben­falls gut, da die Kom­mis­si­on zu Recht zu dem Schluss gelan­gen konn­te, dass die Händ­ler ohne die MIF einen stär­ke­ren Wett­be­werbs­druck auf die Höhe der ihnen für die Ver­wen­dung von Zah­lungs­kar­ten in Rech­nung gestell­ten Kos­ten hät­ten aus­üben kön­nen.

Zudem wur­de der Kom­mis­si­on der Euro­päi­schen Uni­on vor­ge­wor­fen, an ihrer Ein­stu­fung der Beschlüs­se in Bezug auf die mul­ti­la­te­ra­len Inter­ban­ken­ent­gel­te als Beschlüs­se einer Unter­neh­mens­ver­ei­ni­gung fest­ge­hal­ten zu haben, obwohl Mas­ter­Card Inc. seit ihrem Bör­sen­gang am 25. Mai 2006 nicht mehr von den am Mas­ter­Card-Sys­tem teil­neh­men­den Finanz­in­sti­tu­ten kon­trol­liert wer­de und die­se bei der Fest­set­zung der mul­ti­la­te­ra­len Inter­ban­ken­ent­gel­te kei­ne Rol­le spiel­ten. Hier­zu stellt das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on fest, dass die Finanz­in­sti­tu­te wei­ter gemein­sam über die wesent­li­chen Aspek­te des Funk­tio­nie­rens der Zah­lungs­or­ga­ni­sa­ti­on Mas­ter­Card sowohl auf natio­na­ler Ebe­ne als auch auf euro­päi­scher Ebe­ne ent­schie­den haben. Außer­dem weist es dar­auf hin, dass ein gemein­sa­mes Inter­es­se der Zah­lungs­or­ga­ni­sa­ti­on Mas­ter­Card und der Finanz­in­sti­tu­te an der Fest­le­gung von mul­ti­la­te­ra­len Inter­ban­ken­ent­gel­te auf hohem Niveau besteht. Das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on schließt dar­aus, dass die Zah­lungs­or­ga­ni­sa­ti­on Mas­ter­Card trotz der Ände­run­gen durch den Bör­sen­gang der Mas­ter­Card Inc. eine insti­tu­tio­na­li­sier­te Form der Ver­hal­tens­ab­stim­mung der teil­neh­men­den Finanz­in­sti­tu­te geblie­ben ist. Folg­lich konn­te die Kom­mis­si­on der Euro­päi­schen Uni­on an der Ein­stu­fung der Beschlüs­se in Bezug auf die mul­ti­la­te­ra­len Inter­ban­ken­ent­gel­te als Beschlüs­se einer Unter­neh­mens­ver­ei­ni­gung zu Recht fest­hal­ten.

Unter Hin­weis auf den Bei­trag des Mas­ter­Card-Sys­tems zum tech­ni­schen und wirt­schaft­li­chen Fort­schritt – und ins­be­son­de­re auf die objek­ti­ven Vor­tei­le, die die Mas­ter­Card-Kar­ten für ihre Inha­ber und die Händ­ler dar­stell­ten (Zah­lungs­ga­ran­tie, schnel­le Abwick­lung des Geschäfts, Stei­ge­rung des Umsat­zes …) – mach­ten die Gesell­schaf­ten, die Mas­ter­Card ver­tre­ten, und eini­ge Finanz­in­sti­tu­te schließ­lich gel­tend, dass die Kom­mis­si­on­der Euro­päi­schen Uni­on die mul­ti­la­te­ra­len Inter­ban­ken­ent­gel­te hät­te frei­stel­len müs­sen. Das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on weist auch die­ses Vor­brin­gen zurück, da durch die Metho­den zur Fest­le­gung der Höhe der mul­ti­la­te­ra­len Inter­ban­ken­ent­gel­te in der Regel zum einen die von den Finanz­in­sti­tu­ten bei der Aus­ga­be der Zah­lungs­kar­ten ent­ste­hen­den Kos­ten zu hoch ange­setzt und zum ande­ren die Vor­tei­le, die die Händ­ler aus die­ser Zah­lungs­art zie­hen, unzu­rei­chend bewer­tet wur­den.

Das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on weist die­se Kla­ge ab und bestä­tigt die Ent­schei­dung der Kom­mis­si­on.

Gericht der Euro­päi­schen Uni­on, Urteil vom 24. Mai 2012 – T‑111/​08, Mas­ter­Card, Inc. u. a. /​Kom­mis­si­on

  1. Ent­schei­dung K (2007) 6474 endg. vom 19.12.2007 in einem Ver­fah­ren nach Arti­kel 81 [EG] und Arti­kel 53 EWR-Abkom­men (Sachen COMP/34.579 – Mas­ter­Card, COMP/36.518 – Euro­Com­mer­ce, COMP/38.580 – Com­mer­ci­al Cards[]