Mit­tel­ba­re Betei­li­gung an Publi­kums­ge­sell­schaf­ten

Ist – wie bei Publi­kums­ge­sell­schaf­ten häu­fig – die mit­tel­ba­re Betei­li­gung erst noch zu wer­ben­der Anle­ger und damit eine Ver­zah­nung von Gesell­schaft und Treu­hand im Gesell­schafts­ver­trag von vorn­her­ein vor­ge­se­hen und sind im Hin­blick dar­auf bestimm­te Rech­te und Pflich­ten der Anle­ger schon im Gesell­schafts­ver­trag gere­gelt, hat der Treu­ge­ber im Innen­ver­hält­nis die Stel­lung eines unmit­tel­ba­ren Gesell­schaf­ters.

Mit­tel­ba­re Betei­li­gung an Publi­kums­ge­sell­schaf­ten

Es ent­spricht seit der Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 13. Mai 19531 der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs2, dass im Fal­le einer so genann­ten offe­nen oder qua­li­fi­zier­ten Treu­hand, gera­de bei der treu­hän­de­ri­schen Zusam­men­fas­sung zahl­rei­cher Geld­ge­ber, die an der Gesell­schaft Betei­lig­ten ihr gesell­schafter­li­ches Innen­ver­hält­nis so gestal­ten kön­nen, als ob die Treu­ge­ber selbst Gesell­schaf­ter wären. Durch eine sol­che Rege­lung besteht für die Betei­lig­ten die Mög­lich­keit, ihre Rechts­be­zie­hun­gen unter­ein­an­der der wirk­li­chen Sach­la­ge anzu­pas­sen; in die­ser Hin­sicht, d.h. bezo­gen auf das Innen­ver­hält­nis, sind sie durch zwin­gen­des Recht nicht ein­ge­schränkt, da die Gestal­tung ihrer inter­nen Rechts­be­zie­hun­gen im all­ge­mei­nen einer frei­en ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung zugäng­lich ist3. Ein sol­ches Ver­trags­ver­hält­nis mit den Gesell­schaf­tern ist regel­mä­ßig anzu­neh­men, wenn – wie bei Publi­kums­ge­sell­schaf­ten häu­fig – die mit­tel­ba­re Betei­li­gung erst noch zu wer­ben­der Anle­ger und damit eine Ver­zah­nung von Gesell­schaft und Treu­hand im Gesell­schafts­ver­trag von vorn­her­ein vor­ge­se­hen ist und im Hin­blick dar­auf bestimm­te Rech­te und Pflich­ten der Anle­ger schon im Gesell­schafts­ver­trag gere­gelt sind. Eine sol­che Rege­lung ist recht­lich unbe­denk­lich. Sol­len im Ein­zel­fall die Treu­ge­ber Rech­te aus­üben dür­fen, die, wie z. B. das Stimm­recht, von der Mit­glied­schaft des Treu­hän­ders grund­sätz­lich nicht abge­spal­ten wer­den kön­nen, ist das aus­nahms­wei­se zuläs­sig, weil dem alle Gesell­schaf­ter im Gesell­schafts­ver­trag zuge­stimmt haben. Der Anle­ger muss die ihn betref­fen­den Rege­lun­gen des Gesell­schafts­ver­tra­ges, auf den er bei sei­nem Bei­tritt Bezug nimmt, regel­mä­ßig so ver­ste­hen, dass die Gesell­schaf­ter damit schlüs­sig den Treu­hand­ge­sell­schaf­ter, mit dem er unmit­tel­bar abschließt, bevoll­mäch­tigt haben, ihn wie einen Gesell­schaf­ter in das Gesell­schafts­ver­hält­nis ein­zu­be­zie­hen, soweit sei­ne Rechts­stel­lung im Gesell­schafts­ver­trag ange­spro­chen ist4.

Auf­grund der ver­trag­li­chen Bestim­mun­gen, ins­be­son­de­re der Ver­zah­nung von Gesell­schafts- und Treu­hand­ver­trag, hat­te nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs im hier ent­schie­de­nen Fall die beklag­te Treu­ge­be­rin im Innen­ver­hält­nis zur Gesell­schaft die Stel­lung einer unmit­tel­ba­ren Gesell­schaf­te­rin erlangt (Qua­si-Gesell­schaf­te­rin).

Nach dem Inhalt des Gesell­schafts­ver­tra­ges, den der Bun­des­ge­richts­hof selbst aus­le­gen kann5, und unter Berück­sich­ti­gung des Treu­hand­ver­tra­ges und der Bei­tritts­er­klä­rung der Beklag­ten han­delt es sich bei dem Ver­hält­nis zwi­schen der Gesell­schaft einer­seits und den Treu­ge­bern ande­rer­seits nicht um ein ein­fa­ches Treu­hand­ver­hält­nis, son­dern um eine von gesell­schafts­recht­li­chen Bin­dun­gen über­la­ger­te Treu­hand­be­zie­hung.

Bereits in der Bei­tritts­er­klä­rung hat die Beklag­te aner­kannt, dass für ihre Stel­lung in der Gesell­schaft sowohl der Gesell­schafts- als auch der Treu­hand­ver­trag gel­ten soll­ten. Sie hat erklärt, sich an dem Objekt „Wohn­an­la­ge K. , P. – K. Fonds – A. Ver­wal­tungs­ge­sell­schaft mbH & Co. K. Fonds OHG” (= Klä­ge­rin) betei­li­gen zu wol­len. Die Treu­hän­de­rin wird dem­ge­gen­über nur als rechts­tech­ni­sches Mit­tel zum Zweck erwähnt. Die Geschäfts­füh­re­rin der Klä­ge­rin hat für die übri­gen Gesell­schaf­ter – wie im Gesell­schafts­ver­trag vor­ge­se­hen – die Bei­tritts­er­klä­rung selbst ange­nom­men.

Obwohl die Bei­tritts­er­klä­rung die unmit­tel­ba­re Betei­li­gung als Gesell­schaf­ter unter Ein­tra­gung im Han­dels­re­gis­ter nur als anzu­kreu­zen­de Aus­nah­me vor­sah, was dem Anle­ger eben­so deut­lich im Pro­spekt erläu­tert wur­de, die Treu­ge­ber­stel­lung also, wie tat­säch­lich ja auch umge­setzt, die regel­mä­ßi­ge Betei­li­gungs­form sein soll­te, spricht der Gesell­schafts­ver­trag – bis auf zwei Aus­nah­men, u. a. in § 7 Nr. 3 – durch­gän­gig nur von Gesell­schaf­tern. Weder hin­sicht­lich der Rech­te, noch hin­sicht­lich der Pflich­ten wird zwi­schen Gesell­schaf­tern und Treu­ge­bern dif­fe­ren­ziert.

Dem ent­spre­chen die Rege­lun­gen in §§ 24 des Treu­hand­ver­tra­ges, wonach die Gesell­schafts­ein­la­ge dem Treu­ge­ber unmit­tel­bar und allein gebührt, der Treu­ge­ber Stimm- und Kon­troll­rech­te in der Gesell­schaft unmit­tel­bar aus­übt, er – nicht etwa der Treu­hän­der – der Gesell­schaft die Ein­la­ge unmit­tel­bar schul­det und ihm die Steu­er­vor­tei­le unmit­tel­bar zugu­te­kom­men.

Die Aus­le­gung der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen dahin, dass die Treu­ge­ber wie unmit­tel­ba­re Gesell­schaf­ter an der Klä­ge­rin betei­ligt wer­den soll­ten, wird bestä­tigt durch die unstrei­ti­ge und durch Urkun­den beleg­te Durch­füh­rung des Gesell­schafts­ver­tra­ges. Die Beklag­te erhielt die Aus­schüt­tun­gen unmit­tel­bar; sie, nicht etwa die Treu­hän­de­rin, wur­de per­sön­lich zu den Gesell­schaf­ter­ver­samm­lun­gen gela­den und erhielt die Infor­ma­tio­nen über die in der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung gefass­ten Beschlüs­se unmit­tel­bar. Auch im Übri­gen erfolg­te die gesam­te, das Gesell­schafts­ver­hält­nis betref­fen­de Kor­re­spon­denz zwi­schen der Klä­ge­rin und der Beklag­ten unmit­tel­bar, ohne Infor­ma­ti­on oder gar Zwi­schen­schal­tung der Treu­hän­de­rin.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. Okto­ber 2011 – II ZR 242/​09

  1. BGH, Urteil vom 13.05.1953 – II ZR 157/​52, BGHZ 10, 44, 49 f.
  2. sie­he nur BGH, Urteil vom 30.03.1987 – II ZR 163/​86, ZIP 1987, 912, 913; Urteil vom 02.07.2001 – II ZR 304/​00, BGHZ 148, 201, 205; Urteil vom 23.06.2003 – III ZR 46/​02, ZIP 2003, 1702, 1703; Urteil vom 13.07.2006 – III ZR 361/​04, ZIP 2006, 1631 Rn. 10; Urteil vom 11.11.2008 – XI ZR 468/​07, BGHZ 178, 271 Rn.20
  3. BGH, Urteil vom 13.05.1953 – II ZR 157/​52, BGHZ 10, 44, 49 f. m.w.N.
  4. BGH, Urteil vom 30.03.1987 – II ZR 183/​86, ZIP 1987, 912, 913; Teb­ben, ZGR 2001, 586 ff.; Münch­Komm-BGB/Ul­mer, 5. Aufl., § 705 Rn. 91 ff.
  5. st. Rspr., sie­he BGH nur Urteil vom 16.12.1991 – II ZR 58/​91, BGHZ 116, 359, 364; Urteil vom 19.03.2007 – II ZR 73/​06, ZIP 2007, 812 Rn. 18, jeweils m.w.N.