Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­troll­ver­trag – und der Schutz der Anle­ger

Der mit einem nicht unmit­tel­bar zwi­schen den Anle­gern und dem Kon­trol­leur geschlos­se­nen Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­troll­ver­trag bezweck­te Schutz der Inter­es­sen der Anle­ger gegen­über der Fonds­ge­sell­schaft kommt regel­mä­ßig dar­in zum Aus­druck, dass er als Ver­trag zuguns­ten Drit­ter im Sin­ne von § 328 BGB aus­ge­stal­tet ist oder er jeden­falls Schutz­wir­kung zuguns­ten der Anle­ger ent­fal­tet mit der Fol­ge, dass die­sen bei Ver­let­zung der Kon­troll­pflich­ten eige­ne Scha­dens­er­satz­an­sprü­che zuste­hen.

Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­troll­ver­trag – und der Schutz der Anle­ger

Was im Ein­zel­fall gewollt ist, hängt von dem jewei­li­gen Ver­trags­in­halt ab, der gege­be­nen­falls durch Aus­le­gung (§ 328 Abs. 2 BGB) zu ermit­teln ist 1.

Ent­hält der Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­troll­ver­trag kei­ne aus­drück­li­che Erklä­rung über die Rechts­stel­lung des Anle­gers, kommt es auf die Umstän­de des Fal­les, ins­be­son­de­re den Zweck des Ver­trags, an, ob der Anle­ger als Drit­ter eige­ne (pri­mä­re) Rech­te erlangt.

Dabei liegt die Annah­me, dass der Drit­te einen selb­stän­di­gen Anspruch erwer­ben soll, ins­be­son­de­re dann nahe, wenn der Ver­spre­chens­emp­fän­ger (Fonds­ge­sell­schaft) die Leis­tung (Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trol­le) ledig­lich im Inter­es­se des Drit­ten ver­ab­re­det 2. Eine Ver­mu­tung dahin, dass es sich bei einem Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­troll­ver­trag grund­sätz­lich um einen ech­ten Ver­trag zuguns­ten Drit­ter han­delt, besteht aller­dings nicht 3. Dem­entspre­chend hat der Bun­des­ge­richts­hof in den bis­her ent­schie­de­nen Fäl­len stets auf die jewei­li­ge Ver­trags­ge­stal­tung im Ein­zel­fall abge­stellt 4.

Im vor­lie­gen­den Fall ist der dritt­schüt­zen­de Cha­rak­ter des Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­troll­ver­trags nicht zwei­fel­haft. Das durch den Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­troll­ver­trag vor­ge­se­he­ne Siche­rungs­sys­tem, auf das im Pro­spekt an diver­sen Stel­len geson­dert hin­ge­wie­sen wird, soll­te gera­de dazu die­nen, den Anle­ger durch Ein­schal­tung eines unab­hän­gi­gen Kon­trol­leurs vor ver­trags­wid­ri­gen Zugrif­fen auf das Kom­man­dit­ka­pi­tal zu schüt­zen. Eine effek­ti­ve Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trol­le gehört zu den Kern­be­din­gun­gen für die Sicher­heit und den Erfolg der Betei­li­gung und ist ein zen­tra­ler Wer­bungs­ge­sichts­punkt 5. Die Tätig­keit der Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trol­leu­rin dien­te somit in ers­ter Linie den Ver­mö­gens­in­ter­es­sen der Anle­ger.

Der Bun­des­ge­richts­hof teilt aller­dings die Auf­fas­sung, dass es im vor­lie­gen­den Fall an zurei­chen­den Anhalts­punk­ten dafür fehlt, dass nach dem Wil­len der Ver­trags­par­tei­en den Anle­gern ein eige­nes, abge­spal­te­nes For­de­rungs­recht im Sin­ne des § 328 Abs. 1 BGB ein­ge­räumt wer­den soll­te. Der Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­troll­ver­trag ent­hält kei­ne Bestim­mung, dass der Ver­trag zuguns­ten der Gesell­schaf­ter abge­schlos­sen wird und die­se hier­aus eige­ne Rech­te her­lei­ten kön­nen. Auch der Gesell­schafts­ver­trag ist inso­weit uner­gie­big. Er beschränkt sich in § 16 Nr. 4 auf die Fest­le­gung, dass die Fonds­ge­sell­schaft einen Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trol­leur beauf­tragt und ein Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­to, über das die Fonds­ge­sell­schaft und der Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trol­leur auf Grund einer Ver­ein­ba­rung mit der kon­to­füh­ren­den Bank nur zusam­men ver­fü­gen kön­nen, errich­tet wird.

Der Ver­trags­zweck, die Anle­ger vor einer nicht ver­trags­kon­for­men Ver­wen­dung des ein­ge­zahl­ten Kom­man­dit­ka­pi­tals zu schüt­zen, kann indes­sen auch dadurch erreicht wer­den, dass die­se zwar kei­ne (pri­mä­ren) Leis­tungs­an­sprü­che erwer­ben, jedoch im Fall von Pflicht­ver­let­zun­gen im Rah­men der Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trol­le eige­ne ver­trag­li­che (sekun­dä­re) Scha­dens­er­satz­an­sprü­che gel­tend machen kön­nen, also inso­weit in den Schutz­be­reich des Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­troll­ver­trags ein­be­zo­gen wer­den. Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen unzwei­fel­haft vor. Denn die Fonds­ge­sell­schaft hat ein beson­de­res Inter­es­se am Schutz der Anle­ger. Inhalt und Zweck des Ver­trags las­sen – wie dar­ge­legt – erken­nen, dass nach dem Wil­len der Ver­trag­schlie­ßen­den die­sem Schutz­in­ter­es­se Rech­nung getra­gen wer­den soll.

Danach schei­den Aus­kunfts- und Rechen­schafts­an­sprü­che des Anle­gers gemäß § 675 Abs. 1 i.V.m. §§ 666, 259 BGB von vorn­her­ein aus. Nach die­sen Vor­schrif­ten tref­fen den Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trol­leur Infor­ma­ti­ons­pflich­ten gegen­über dem Geschäfts­herrn, wobei Aus­kunfts- und Rechen­schafts­an­sprü­che der Anle­ger, die nicht Ver­trags­par­tei des Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­troll­ver­trags sind, unter dem Gesichts­punkt des Ver­trags zuguns­ten Drit­ter gege­ben sein kön­nen. Auch wenn der begüns­tig­te Drit­te nicht in die Stel­lung eines Ver­trag­schlie­ßen­den ein­rückt, erwirbt er das Recht, den ver­trag­li­chen Leis­tungs­an­spruch (auf Kon­trol­le der Mit­tel­ver­wen­dung) gel­tend zu machen. Dazu gehö­ren auch die Infor­ma­ti­ons­an­sprü­che aus § 666 BGB 6. Soweit der Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­troll­ver­trag jedoch – wie hier – ledig­lich als Ver­trag mit Schutz­wir­kung zuguns­ten der Anle­ger aus­ge­stal­tet ist, steht die­sen kein pri­mä­rer ver­trag­li­cher Leis­tungs­an­spruch zu, so dass auch kei­ne Aus­kunfts- und Rechen­schafts­an­sprü­che nach § 666 BGB gege­ben sind 7.

Bei Ver­let­zung der Pflicht zur Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trol­le und Annah­me eines Ver­trags mit Schutz­wir­kung zuguns­ten Drit­ter kommt aller­dings – wie aus­ge­führt – ein eige­ner ver­trag­li­cher Scha­dens­er­satz­an­spruch der Anle­ger in Betracht, zu des­sen Vor­be­rei­tung Aus­kunfts- und Rechen­schafts­an­sprü­che aus dem Gesichts­punkt von Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) gel­tend gemacht wer­den kön­nen. Die­se set­zen vor­aus, dass zwi­schen den Par­tei­en eine Son­der­ver­bin­dung besteht, bei der es sich auch um einen Ver­trag mit Schutz­wir­kung zuguns­ten Drit­ter han­deln kann, und die kon­kre­ten Rechts­be­zie­hun­gen es mit sich brin­gen, dass der Anspruchs­be­rech­tig­te in ent­schuld­ba­rer Wei­se über das Bestehen oder den Umfang sei­nes Rechts im Unge­wis­sen ist, wäh­rend der Ver­pflich­te­te die zur Besei­ti­gung der Unge­wiss­heit erfor­der­li­chen Aus­künf­te unschwer geben kann 8. Soll das gel­tend gemach­te Aus­kunfts­be­geh­ren einen ver­trag­li­chen Scha­dens­er­satz­an­spruch bele­gen, muss die­ser nicht bereits dem Grun­de nach fest­ste­hen. Aus­rei­chend, aber auch erfor­der­lich ist viel­mehr der begrün­de­te Ver­dacht einer Ver­trags­pflicht­ver­let­zung und die Wahr­schein­lich­keit eines dar­aus resul­tie­ren­den Scha­dens des Anspruch­stel­lers 9. Die Aus­kunft ist dabei auf den zeit­li­chen und sach­li­chen Umfang des Haupt­an­spruchs begrenzt 10.

Nach die­sen Maß­ga­ben hat der Anle­ger auch auf der Grund­la­ge von Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) kei­nen Anspruch gegen die Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trol­leu­rin auf Ertei­lung der begehr­ten Aus­künf­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Febru­ar 2018 – III ZR 65/​17

  1. BGH, Urteil vom 09.11.2017 – III ZR 610/​16, WM 2017, 2296 Rn.19[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 16.10.1990 – XI ZR 330/​89, NJW 1991, 2209, 2210; Palandt/​Grüneberg, BGB, 77. Aufl., § 328 Rn. 3[]
  3. BGH, Urteil vom 09.11.2017 aaO; s. auch Palandt/​Grüneberg aaO; so aber KG, NZG 2011, 553[]
  4. z.B. Urtei­le vom 19.11.2009 – III ZR 108/​08, BGHZ 183, 220 Rn. 2, 12 und – III ZR 109/​08, NJW 2010, 1279 Rn. 16 sowie vom 21.03.2013 – III ZR 260/​11, BGHZ 197, 75 Rn. 3, 20: Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­troll­ver­trag als Ver­trag zuguns­ten Drit­ter; Urtei­le vom 11.04.2013 – III ZR 79/​12, WM 2013, 1016 Rn. 24 und – III ZR 80/​12, BeckRS 2013, 07847 Rn. 22 sowie vom 16.11.2017 – III ZR 382/​15, WM 2018, 24 Rn. 14: Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­troll­ver­trag als Ver­trag mit Schutz­wir­kung zuguns­ten der Anle­ger[]
  5. BGH, Urteil vom 16.11.2017 aaO Rn. 33, 35[]
  6. BGH, Urteil vom 09.11.2017 – III ZR 610/​16, WM 2017, 2296 Rn. 21 f mwN[]
  7. BGH aaO Rn. 24[]
  8. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 09.11.2017 aaO Rn. 24; BGH, Urtei­le vom 28.10.1953 – II ZR 149/​52, BGHZ 10, 385, 387; vom 17.05.1994 – X ZR 82/​92, BGHZ 126, 109, 113; vom 17.07.2002 – VIII ZR 64/​01, NJW 2002, 3771; vom 06.02.2007 – X ZR 117/​04, NJW 2007, 1806 Rn. 13; vom 01.08.2013 – VII ZR 268/​11, NJW 2014, 155 Rn.20; vom 26.09.2013 – VII ZR 227/​12, NJW 2014, 381 Rn. 14; vom 28.01.2015 – XII ZR 201/​13, NJW 2015, 1098 Rn. 10; vom 14.06.2016 – II ZR 121/​15, WM 2016, 1533 Rn. 11, 17; und vom 25.07.2017 – VI ZR 222/​16, NJW 2017, 2755 Rn. 13[]
  9. BGH, Urteil vom 09.11.2017 aaO; BGH, Urtei­le vom 17.07.2002; vom 01.08.2013 jew. aaO; und vom 14.06.2016 aaO Rn. 18[]
  10. BGH, Urteil vom 09.11.2017 aaO; vgl. auch BGH, Urteil vom 25.11.2010 – Xa ZR 48/​09, NJW 2011, 1438 Rn. 33 ff; Palandt/​Grüneberg aaO § 260 Rn. 14[]