Mor­gan Stan­ley P2 Value

Der Bun­des­ge­richts­hof hat mit Beschluss vom 23. Okto­ber 2018 über die Rechts­be­schwer­de gegen den Mus­ter­ent­scheid des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt am Main 1 ent­schie­den. Der Beschluss des Bun­des­ge­richts­hofs ist am 18. Dezem­ber 2018 im Kla­ge­re­gis­ter ver­öf­fent­licht wor­den.

Mor­gan Stan­ley P2 Value

Die mus­ter­be­klag­te Fonds­ge­sell­schaft leg­te im Novem­ber 2005 den offe­nen Immo­bi­li­en­fonds "Mor­gan Stan­ley P2 Value" auf, des­sen Ver­mö­gen im In- und Aus­land inves­tiert wur­de. Die Antei­le am Son­der­ver­mö­gen wur­den über diver­se Ver­triebs­part­ner der Fonds­ge­sell­schaft ver­trie­ben. Zudem erfolg­te ein Han­del im Frei­ver­kehr ver­schie­de­ner deut­scher Bör­sen. Im Zuge der Finanz­kri­se ver­lang­ten Anle­ger Ende Okto­ber 2008 in erheb­li­chem Umfang die Rück­nah­me ihrer Antei­le, allein am 28. Okto­ber 2008 in einer Grö­ßen­ord­nung von 67 Mil­lio­nen € und einen Tag spä­ter, am 29. Okto­ber 2008, in einer Grö­ßen­ord­nung von 196 Mil­lio­nen €. Infol­ge­des­sen setz­te die Fonds­ge­sell­schaft die Rück­nah­me der Antei­le aus, um durch die Ver­äu­ße­rung von Immo­bi­li­en aus­rei­chen­de Liqui­di­tät zu schaf­fen. Die Aus­set­zung der Anteils­rück­nah­me muss­te wie­der­holt bis Ende Okto­ber 2010 ver­län­gert wer­den. Zu die­sem Zeit­punkt kün­dig­te die Fonds­ge­sell­schaft die Ver­wal­tung des Invest­ment­ver­mö­gens zum 30. Sep­tem­ber 2013. Seit­her wird das Son­der­ver­mö­gen abge­wi­ckelt.

Im Jahr 2012 erho­ben zahl­rei­che Anle­ger beim Land­ge­richt Frank­furt am Main Scha­dens­er­satz­kla­ge gegen die Fonds­ge­sell­schaft. Im Mus­ter­ver­fah­ren vor dem Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main hat der Muster­klä­ger diver­se Feh­ler der beim Ver­trieb der Antei­le ver­wen­de­ten Ver­kaufs­pro­spekts gel­tend gemacht und sich auf eine (vor)vertragliche und delik­ti­sche Haf­tung der Fonds­ge­sell­schaft beru­fen.

In ihrem Mus­ter­ent­scheid hat das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main fest­ge­stellt, dass zwi­schen den Anle­gern und der Fonds­ge­sell­schaft ein sog. Invest­ment­ver­trag zustan­de gekom­men ist. Im Übri­gen hat es die Fest­stel­lungs­an­trä­ge des Muster­klä­gers zurück­ge­wie­sen. Gegen den Mus­ter­ent­scheid hat der Muster­klä­ger Rechts­be­schwer­de ein­ge­legt. Dem Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren sind auf Sei­ten des Muster­klä­gers zahl­rei­che Bei­gela­de­ne bei­getre­ten. Mit sei­ner Rechts­be­schwer­de hat der Muster­klä­ger unter ande­rem sei­ne Fest­stel­lungs­an­trä­ge zu den von ihm gerüg­ten Feh­lern der Ver­kaufs­pro­spek­te wei­ter­ver­folgt sowie eine vor­ver­trag­li­che Haf­tung der Fonds­ge­sell­schaft gemäß § 280 Abs. 1 BGB i.V.m. § 311 Abs. 2, § 241 Abs. 2 BGB neben einer spe­zi­al­ge­setz­li­chen Haf­tung aus § 127 des zum 22. Juli 2013 außer Kraft getre­te­nen, aber für Alt­fäl­le fort­gel­ten­den Invest­ment­ge­set­zes (im Fol­gen­den: InvG aF) gel­tend gemacht. Hin­sicht­lich eines vom Ober­lan­des­ge­richt in der Sache zurück­ge­wie­se­nen Antrags zu (vor)vertraglichen Infor­ma­ti­ons­pflich­ten gegen­über den Ver­trags­part­nern des Invest­ment­ver­trags über Zuwen­dun­gen an Drit­te hat er die Zurück­wei­sung des Antrags als im Mus­ter­ver­fah­ren unstatt­haft begehrt.

Der Bun­des­ge­richts­hof ent­schied nun, dass die Rechts­be­schwer­de des Muster­klä­gers weit­ge­hend unbe­grün­det ist. Zu Recht ist das Ober­lan­des­ge­richt davon aus­ge­gan­gen, dass die vom Muster­klä­ger gerüg­ten Pro­spekt­feh­ler nicht fest­zu­stel­len sind. Es hat auch zutref­fend erkannt, dass die spe­zi­al­ge­setz­li­che Pro­spekt­haf­tung des § 127 InvG aF in ihrem Anwen­dungs­be­reich eine vor­ver­trag­li­che Haf­tung der Fonds­ge­sell­schaft wegen der Ver­wen­dung eines unrich­ti­gen oder unvoll­stän­di­gen Ver­kaufs­pro­spekts bei der Anbah­nung eines Invest­ment­ver­tra­ges gemäß § 280 Abs. 1 BGB i.V.m. § 311 Abs. 2, § 241 Abs. 2 BGB ver­drängt. Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Zurück­wei­sung der übri­gen Fest­stel­lungs­zie­le bestä­tigt, soweit nicht eini­ge Fest­stel­lungs­zie­le man­gels Pro­spekt­feh­lers gegen­stands­los gewor­den sind. Fer­ner hat der Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den, dass Fest­stel­lungs­zie­le zu Auf­klä­rungs­feh­lern, die nicht unter Ver­wen­dung einer öffent­li­chen Kapi­tal­markt­in­for­ma­ti­on began­gen wor­den sein sol­len, im Kapi­tal­an­le­ger-Mus­ter­ver­fah­ren nicht statt­haft sind.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. Okto­ber 2018 – XI ZB 3/​16

  1. OLG Frank­furt am Main, Beschluss vom 13.01.2016 – 23 Kap 1/​14[]