Per­so­nel­le Ver­flech­tun­gen des Fond­s­in­itia­tors – und sei­ne Auf­klä­rungs­pflich­ten

Der Emit­tent muss bei der Bera­tung von Anla­ge­in­ter­es­sen­ten nicht von sich aus die Fra­ge der kapi­tal­mä­ßi­gen und per­so­nel­len Ver­flech­tung und der hier­aus resul­tie­ren­den Inter­es­sen­kon­flik­te in einer über den (zutref­fen­den und voll­stän­di­gen) Pro­spektin­halt hin­aus gehen­den Inten­si­tät behan­deln.

Per­so­nel­le Ver­flech­tun­gen des Fond­s­in­itia­tors – und sei­ne Auf­klä­rungs­pflich­ten

Die aus einem Anla­ge­be­ra­tungs­ver­trag fol­gen­de Pflicht zur objekt­ge­rech­ten Bera­tung bezieht sich auf die­je­ni­gen Eigen­schaf­ten und Risi­ken des Anla­ge­ob­jekts, die für die jewei­li­ge Anla­ge­ent­schei­dung wesent­li­che Bedeu­tung haben oder haben kön­nen 1. Wird zur Infor­ma­ti­on von Bei­tritts­in­ter­es­sen­ten ein Pro­spekt her­aus­ge­ge­ben, so hat der Pro­spekt sei­ner­seits den Anle­ger über alle wich­ti­gen Umstän­de sach­lich rich­tig und voll­stän­dig zu unter­rich­ten 2.

Zu den Umstän­den, über die der Anle­ger durch den Pro­spekt zu unter­rich­ten ist, gehört auch eine Dar­stel­lung der wesent­li­chen kapi­tal­mä­ßi­gen und per­so­nel­len Ver­flech­tun­gen zwi­schen der Fonds­ge­sell­schaft, ihren Geschäfts­füh­rern und beherr­schen­den Gesell­schaf­tern einer­seits sowie ande­rer­seits den Unter­neh­men, deren Geschäfts­füh­rern und beherr­schen­den Gesell­schaf­tern, in deren Hand die Betei­li­gungs­ge­sell­schaft die durch­zu­füh­ren­den Vor­ha­ben ganz oder wesent­lich gelegt hat, und inso­weit auch der für die­sen Per­so­nen­kreis vor­ge­se­he­nen und gewähr­ten Son­der­zu­wen­dun­gen und vor­tei­le 3.

Im vor­lie­gend vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall sind die Anga­ben in den Fonds­pro­spek­ten ein hin­rei­chend ver­ständ­li­ches und geeig­ne­tes Mit­tel der Auf­klä­rung der Anle­ger. Die inso­weit gebo­te­ne objek­ti­ve Aus­le­gung der Pro­spek­te kann der Bun­des­ge­richts­hof selbst vor­neh­men 4. In den Pro­spek­ten wird auf S. 24 bezie­hungs­wei­se S. 25 unter der Über­schrift "Betei­lig­te" im Ein­zel­nen dar­ge­stellt, in wel­cher maß­geb­li­chen Form der Grün­dungs­ge­sell­schaf­ter H. an den mit den Pro­jek­ten befass­ten Unter­neh­men betei­ligt ist. Aus den Pro­spek­ten, zu deren Inhalt auch die dort abge­druck­ten Ver­trä­ge (unter ande­rem der Geschäfts­be­sor­gungs­ver­trag) gehö­ren, lässt sich deut­lich sei­ne maß­geb­li­che Stel­lung auch auf Sei­ten der Grund­buch­treu­hän­de­rin, der Geschäfts­be­sor­ge­rin sowie der Mie­te­rin der Kli­nik erse­hen. Soweit hier­aus ein Eigen­in­ter­es­se . ablei­tet, an Dienst­leis­tun­gen jeg­li­cher Art, die im Zusam­men­hang mit der Durch­füh­rung des Pro­jekts anfal­len, zu ver­die­nen, war die­ses eben­so wie die Gefahr etwai­ger Inter­es­sen­ge­gen­sät­ze für jeder­mann erkenn­bar. Dies gilt auch, soweit in den Pro­spek­ten aus­drück­lich ange­spro­chen wird, dass der Initia­tor beab­sich­ti­ge, als Ver­trags­part­ner für ver­schie­de­ne Dienst­leis­tungs­be­rei­che auf­zu­tre­ten bezie­hungs­wei­se Unter­neh­men und Per­so­nen der eige­nen Unter­neh­mens­be­rei­che vor­zu­schla­gen.

Wei­te­rer aus­drück­li­cher Hin­wei­se dar­über hin­aus bedurf­te es nicht. Denn bei der zu for­dern­den sorg­fäl­ti­gen und ein­ge­hen­den Lek­tü­re des Pro­spekts 5 muss­te sich auch ohne beson­de­re Spe­zi­al­kennt­nis­se jedem Anle­ger auf­drän­gen, dass der Grün­dungs­ge­sell­schaf­ter an den mit den Pro­jek­ten befass­ten Fir­men betei­ligt war und inso­weit davon pro­fi­tie­ren konn­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 31. Okto­ber 2013 – III ZR 66/​13

  1. vgl. nur Bun­des­ge­richts­hof, Ver­säum­nis­ur­teil vom 18.01.2007 – III ZR 44/​06, WM 2007, 542 Rn. 10 und Urteil vom 15.11.2012 – III ZR 55/​12, VersR 2013, 193 Rn. 6, jeweils mwN[]
  2. vgl. nur BGH, Urteil vom 28.02.2008 – III ZR 149/​07, VuR 2008, 178 Rn. 8 mwN[]
  3. vgl. nur BGH, Urtei­le vom 22.04.2010 – III ZR 318/​08, WM 2010, 1017 Rn. 24 und vom 15.07.2010 – III ZR 321/​08, WM 2010, 1537 Rn. 25; sie­he auch BGH, Urteil vom 21.09.2010 – XI ZR 232/​09, NJW-RR 2011, 124 Rn. 29, jeweils mwN[]
  4. vgl. nur BGH, Urteil vom 22.03.2007 – III ZR 218/​06, WM 2007, 873 Rn. 6; BGH, Urtei­le vom 08.05.2012 – XI ZR 262/​10, BGHZ 193, 159 Rn. 22 und vom 18.09.2012 – XI ZR 344/​11, BGHZ 195, 1 Rn. 31[]
  5. vgl. BGH, Urtei­le vom 28.02.2008 aaO, vom 14.06.2007 – III ZR 125/​06, WM 2007, 1503 Rn. 9 und vom 20.06.2013 – III ZR 293/​12; BGH, Urtei­le vom 31.03.1992 – XI ZR 70/​91, WM 1992, 901, 904, vom 18.09.2012 aaO Rn. 30; und vom 05.03.2013 – II ZR 252/​11, WM 2013, 734 Rn. 14[]