Pro­spekt­aus­sa­ge zu Vor­gän­ger­fonds

Die Pro­spekt­aus­sa­gen, die Vor­gän­ger­fonds lägen "im Plan", "über Plan" bzw. sei­en unter­plan­mä­ßig stel­len nicht nur eine unver­bind­li­che wer­ben­de Anprei­sung dar, son­dern sind unter dem Gesichts­punkt der Pro­spekt­haf­tung rele­vant: Wie jetzt der Bun­des­ge­richts­hof im Rah­men eines Pro­spekt­haf­tungs­pro­zes­ses zum dem Film­fonds "Apollo­Pro­Me­dia GmbH & Co. 1. Film­pro­duk­ti­on KG" ent­schied, kann die fal­sche Dar­stel­lung der Ent­wick­lung eines Vor­gän­ger­fonds zur Pro­spekt­haf­tung füh­ren.

Pro­spekt­aus­sa­ge zu Vor­gän­ger­fonds

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs muss einem Anla­ge­in­ter­es­sen­ten für sei­ne Bei­tritts­ent­schei­dung ein zutref­fen­des Bild über das Betei­li­gungs­ob­jekt ver­mit­telt wer­den, d.h. er muss über alle Umstän­de, die für sei­ne Anla­ge­ent­schei­dung von wesent­li­cher Bedeu­tung sind oder sein kön­nen, ins­be­son­de­re über die mit der ange­bo­te­nen spe­zi­el­len Betei­li­gungs­form ver­bun­de­nen Nach­tei­le und Risi­ken, zutref­fend, ver­ständ­lich und voll­stän­dig auf­ge­klärt wer­den [1]. Ändern sich die­se Umstän­de nach der Her­aus­ga­be des Emis­si­ons­pro­spekts, so haben die Ver­ant­wort­li­chen das durch Pro­spekt­be­rich­ti­gung oder geson­der­te Mit­tei­lung offen zu legen [2].

Ein für die Anla­ge­ent­schei­dung wesent­li­cher Umstand kann der Erfolg oder Miss­erfolg ver­gleich­ba­rer Vor­gän­ger­fonds sein. Dazu heißt es in dem Pro­spekt, die Fonds A. M. 3. KG und A. M. 4. KG lägen "deut­lich über Plan". Das Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen bezeich­net die­se Pro­spekt­an­ga­be in sei­nem Beru­fungs­ur­teil [3] als eine aus der Sicht der Anle­ger unwich­ti­ge wer­ben­de Anprei­sung, sagt zugleich aber, dass der Erfolg der Vor­gän­ger­fonds ein wich­ti­ger Gesichts­punkt für die Anla­ge­ent­schei­dung sei. Das ist wider­sprüch­lich und trägt nicht die Ent­schei­dung, der Pro­spekt ent­hal­te in die­sem Punkt kei­nen Feh­ler.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 1. März 2010 – II ZR 213/​08

  1. BGHZ 79, 337, 344; BGH, Urtei­le vom 07.04.2003 – II ZR 160/​02, WM 2003, 1087, 1088; 07.12.2009 – II ZR 15/​08, ZIP 2010, 176[]
  2. BGHZ 71, 284, 291; 123, 106, 110; 139, 225, 232[]
  3. OLG Mün­chen, Urteil vom 19.08.2008 – 25 U 5752/​07[]