Pro­spekt­feh­ler – und die Emis­si­ons­kos­ten

Ein Pro­spekt ist feh­ler­haft, wenn der Anle­ger dem Pro­spekt den für sei­ne Anla­ge­ent­schei­dung wesent­li­chen Umstand, in wel­chem Umfang sei­ne Betei­li­gung nicht in das Anla­ge­ob­jekt fließt, son­dern für Auf­wen­dun­gen außer­halb der Anschaf­fungs- und Her­stel­lungs­kos­ten ver­wen­det wird, nicht ohne wei­te­res ent­neh­men kann.

Pro­spekt­feh­ler – und die Emis­si­ons­kos­ten

Mit den Anfor­de­run­gen an einen wahr­heits­ge­mä­ßen, voll­stän­di­gen und ver­ständ­li­chen Pro­spekt ist es nicht zu ver­ein­ba­ren, wenn der Anle­ger zur Ermitt­lung des Anteils der Weich­kos­ten erst ver­schie­de­ne Pro­spekt­an­ga­ben abglei­chen und anschlie­ßend eine Rei­he von Rechen­gän­gen durch­füh­ren muss 1.

Nicht erfor­der­lich ist ande­rer­seits, dass der Anteil der Weich­kos­ten im Emis­si­ons­pro­spekt mit einer Pro­zent­zahl vom Anla­ge­be­trag ange­ge­ben wird. Viel­mehr genügt es, wenn der Anle­ger die­sen Anteil mit­tels eines ein­fa­chen Rechen­schritts fest­stel­len kann 2.

Bei je nach der jewei­li­gen Betei­li­gungs­va­ri­an­te dif­fe­rie­ren­den Pro­vi­si­ons­mo­del­len ist aber nicht zwin­gend ein Gesamt­be­trag anzu­ge­ben, der für die Ver­mitt­lung ins­ge­samt maxi­mal zur Ver­fü­gung steht. Etwas ande­res ergibt sich auch nicht aus den Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ge­richts­hofs 3. Der Bun­des­ge­richts­hof war sei­ner­zeit man­gels ande­rer Dar­le­gun­gen mit dem dor­ti­gen Beru­fungs­ge­richt davon aus­ge­gan­gen, dass zwar für unter­schied­li­che Ver­mitt­ler unter­schied­li­che Pro­vi­sio­nen ver­ein­bart, die ins­ge­samt aus­weis­lich des Pro­spekts für den Ver­trieb vor­ge­se­he­nen Mit­tel aber nicht über­schrit­ten gewe­sen sei­en, wes­halb der Abstu­fung der Pro­vi­si­ons­hö­he kei­ne Bedeu­tung für die Anla­ge­ent­schei­dung bei­zu­mes­sen sei. Eben­so ver­hält es sich hier. Weder ist bekannt noch vor­ge­tra­gen, dass die tat­säch­li­chen Emis­si­ons­kos­ten – z.B. wegen aus­schließ­li­cher Wahl der Vari­an­te „Clas­sic”, für die nach dem unwi­der­spro­che­nen Vor­trag der Revi­si­on die höchs­te Pro­vi­si­on anfiel – die auf Sei­te 25 pro­spek­tier­ten 42, 8 Mio. DM über­schrit­ten hät­ten und des­halb auf ande­re Inves­ti­ti­ons­mit­tel zurück­ge­grif­fen wer­den muss­te. Dann bleibt es aber dabei, dass es für den ein­zel­nen Anle­ger nur dar­auf ankommt, inwie­weit das plan­ge­mäß ein­zu­wer­ben­de Kapi­tal durch die vor­aus­sicht­li­chen Weich­kos­ten auf­ge­zehrt wird und nicht für Inves­ti­tio­nen zur Ver­fü­gung steht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. April 2015 – II ZR 168/​14

  1. BGH, Urteil vom 06.02.2006 – II ZR 329/​04, ZIP 2006, 893 Rn. 9
  2. BGH, Urteil vom 12.12 2013 – III ZR 404/​12, ZIP 2014, 381 Rn. 16
  3. ins­be­son­de­re BGH, Beschluss vom 11.12.2008 – III ZR 271/​07