Rück­zah­lung einer Vor­kriegs­an­lei­he

Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te auf eine Kla­ge auf Rück­zah­lung einer 1925 emit­tier­ten Teil­schuld­ver­schrei­bung der dama­li­gen Stadt Dres­den nebst Zins­cou­pons ent­schie­den, dass der­ar­ti­ge Rück­zah­lungs­an­sprü­che eben­so wie Ansprü­che auf Zins­zah­lung aus die­ser Anlei­he zwi­schen­zeit­lich durch Ablauf sämt­li­cher Aus­schluß­fris­ten erlo­schen sind.

Rück­zah­lung einer Vor­kriegs­an­lei­he

Nach dem auch für eine in US-Dol­lar aus­ge­ge­be­ne Anlei­he maß­ge­ben­den deut­schen Recht gilt eine drei­ßig­jäh­ri­ge Frist für die Ein­lö­sung der Teil­schuld­ver­schrei­bung und eine vier­jäh­ri­ge Frist für die Vor­le­gung der Zins­cou­pons.

Der Ablauf die­ser Vor­le­gungs­fris­ten ist auch bei Anlei­hen aus dem Gebiet der ehe­ma­li­gen DDR (im Streit war eine Anlei­he der Stadt Dres­den) weder unter­bro­chen noch gehemmt wor­den. Eine ana­lo­ge Anwen­dung der Hem­mungs­vor­schrif­ten auf die Aus­schluss­frist des § 801 Abs.1 Satz 1 BGB schei­det aus. Es fehlt an einer plan­wid­ri­gen Geset­zes­lü­cke. Der sei­ner­zei­ti­gen Emit­ten­tin ist es auch nicht gemäß § 242 BGB ver­wehrt, sich auf den Ablauf der Vor­le­gungs­frist zu beru­fen. Die mehr als elf Jah­re nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung erfolg­te Gel­tend­ma­chung des Anspruchs ver­mag nach Ansicht des BGH den Ein­wand unzu­läs­si­ger Rechts­aus­übung nicht mehr zu recht­fer­ti­gen.

Dar­über hin­aus hat der BGH aber auch fest­ge­stellt, dass Schuld­ner der Anlei­hen auch nicht die heu­ti­gen Städ­te im Gebiet der ehe­ma­li­gen DDR sind, denn die­se sind weder mit der dama­li­gen Emit­ten­tin iden­tisch noch deren Gesamt­rechts­nach­fol­ge­rin gewor­den. Die frü­he­ren Gemein­den in der DDR exis­tier­ten seit der Schaf­fung des sozia­lis­ti­schen Ein­heits­staa­tes nicht mehr als recht­lich selb­stän­di­ge Gebiets­kör­per­schaf­ten, die als eige­ne Rechts­sub­jek­te am Rechts­ver­kehr teil­neh­men konn­ten. Nach dem Zusam­men­bruch des sozia­lis­ti­schen Staats­re­gimes ist die Beklag­te als Gebiets­kör­per­schaft ori­gi­när neu errich­tet wor­den. Auch eine Gesamt­rechts­nach­fol­ge hin­sicht­lich der frü­he­ren, vor dem sozia­lis­ti­schen Staats­um­bau in der ehe­ma­li­gen DDR bestehen­den Gemein­den ist nicht ein­ge­tre­ten. Eben­so wenig hat eine Ein­zel­rechts­nach­fol­ge der heu­ti­gen Städ­te und Gemein­den hin­sicht­lich der streit­ge­gen­ständ­li­chen Ver­bind­lich­kei­ten statt­ge­fun­den.

BGH, Urteil vom 25. Okto­ber 2005 – XI ZR 353/​04