Rück­ver­gü­tung für den Anla­ge­be­ra­ter – ver­letz­te Auf­klä­rungs­pflicht und Kau­sa­li­tät für die Anla­ge­ent­schei­dung

Erhält der Anla­ge­be­ra­ter eine umsatz­ab­hän­gi­ge Pro­vi­si­on aus den im Pro­spekt aus­ge­wie­se­nen Ver­triebs­kos­ten und dem Agio erhal­ten. Dabei han­delt es sich um eine auf­klä­rungs­pflich­ti­ge Rück­ver­gü­tung [1]. Zu einer ord­nungs­ge­mä­ßen Auf­klä­rung gehört nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs auch die Mit­tei­lung der Höhe der Rück­ver­gü­tung [2].

Rück­ver­gü­tung für den Anla­ge­be­ra­ter – ver­letz­te Auf­klä­rungs­pflicht und Kau­sa­li­tät für die Anla­ge­ent­schei­dung

Aller­dings kann die Kau­sa­li­tät die­ser Auf­klä­run­spflicht­ver­let­zung für den Erwerb der Kapi­tal­an­la­ge durch­aus pro­ble­ma­tisch sein:

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist der­je­ni­ge, der ver­trag­li­che oder vor­ver­trag­li­che Auf­klä­rungs­pflich­ten ver­letzt hat, beweis­pflich­tig dafür, dass der Scha­den auch ein­ge­tre­ten wäre, wenn er sich pflicht­ge­mäß ver­hal­ten hät­te, der Geschä­dig­te den Rat oder Hin­weis also unbe­ach­tet gelas­sen hät­te. Die­se soge­nann­te „Ver­mu­tung auf­klä­rungs­rich­ti­gen Ver­hal­tens“ gilt für alle Auf­klä­rungs- und Bera­tungs­feh­ler eines Anla­ge­be­ra­ters, ins­be­son­de­re auch dann, wenn Rück­ver­gü­tun­gen pflicht­wid­rig nicht offen­ge­legt wur­den. Es han­delt sich hier­bei nicht ledig­lich um eine Beweis­erleich­te­rung im Sin­ne eines Anscheins­be­wei­ses, son­dern um eine zur Beweis­last­um­kehr füh­ren­de wider­leg­li­che Ver­mu­tung [3]. Die Beweis­last­um­kehr greift bereits bei fest­ste­hen­der Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zung ein, ohne dass es dar­auf ankommt, ob der Anle­ger bei gehö­ri­ger Auf­klä­rung ver­nünf­ti­ger­wei­se nur eine Hand­lungs­al­ter­na­ti­ve gehabt hät­te [4].

Hier­für ist der Anle­ger auf Ver­lan­gen des von ihm auf Scha­dens­er­satz in Anspruch genom­me­nen Anla­ge­be­ra­ters als Par­tei zu ver­neh­men (§ 445 Abs. 1 ZPO). Es ent­spricht zwar stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass das Tat­ge­richt im Rah­men der Beweis­wür­di­gung nach § 286 Abs. 1 ZPO in bestimm­ten Fäl­len sei­ne Über­zeu­gung auch ohne förm­li­che Par­tei­ver­neh­mung auf die Anga­ben einer Par­tei stüt­zen kann, die die­se im Rah­men ihrer Anhö­rung nach § 141 Abs. 1 ZPO gemacht hat [5]. Bean­tragt der Geg­ner aber wie hier die Par­tei­ver­neh­mung, kann die­se nicht unter Hin­weis auf eine Anhö­rung nach § 141 Abs. 1 ZPO abge­lehnt wer­den [6]. Das Beru­fungs­ge­richt hät­te daher sei­ne Ent­schei­dung nicht allein auf die Wür­di­gung der Anga­ben des Klä­gers bei sei­ner Anhö­rung nach § 141 Abs. 1 ZPO stüt­zen dür­fen. Dar­über hin­aus lässt sich dem pro­to­kol­lier­ten Inhalt der Anhö­rung des Klä­gers nur ent­neh­men, dass er zu den Umstän­den der Redu­zie­rung des Agi­os und sei­ner dies­be­züg­li­chen Kennt­nis über die Per­son des Emp­fän­gers befragt wor­den ist, nicht aber, ob sich sei­ne Anhö­rung auch wie von der Beklag­ten bean­tragt auf sei­ne Anla­ge­mo­ti­va­ti­on erstreckt hat.

Inso­weit liegt auch kein unzu­läs­si­ger Aus­for­schungs­be­weis vor. Da bei der Par­tei­ver­neh­mung ein Miss­brauch zur Aus­for­schung beson­ders nahe­liegt, ist zu prü­fen, ob ein unbe­acht­li­cher Beweis­er­mitt­lungs­an­trag vor­liegt. Dies ist dann der Fall, wenn der Beweis­füh­rer ohne greif­ba­re Anhalts­punk­te für das Vor­lie­gen eines bestimm­ten Sach­ver­halts will­kür­lich Behaup­tun­gen „aufs Gera­te­wohl“ oder „ins Blaue hin­ein“ auf­stellt [7]. Eine Aus­for­schung in die­sem Sin­ne ist vor­lie­gend zu ver­nei­nen. Die Beklag­te hat Anhalts­punk­te vor­ge­tra­gen, die nach ihrer Auf­fas­sung zumin­dest in der Gesamt­schau dafür spre­chen, dass der Klä­ger auch in Kennt­nis der Rück­ver­gü­tun­gen – V 2 gezeich­net hät­te. Hier­zu gehört das behaup­te­te Anla­ge­ziel des Klä­gers, dass es ihm allein auf die Steu­er­erspar­nis ankam [8].

Dar­über hin­aus hat das Gericht auch den vom Anla­ebe­ra­ter vor­ge­tra­ge­nen Hilfs­tat­sa­chen (Indi­zi­en) nach­zu­ge­hen [9], ins­be­son­de­re bei einem unter Zeu­gen­be­weis gestell­ten Vor­trag des Anla­ge­be­ra­ters zum Motiv des Anle­gers, sich an dem Fonds aus Zwe­cken der Steu­er­erspar­nis zu betei­li­gen.

Zwar steht der Umstand, dass ein Anle­ger eine steu­er­op­ti­mier­te Anla­ge wünscht, für sich gese­hen der Kau­sa­li­täts­ver­mu­tung nicht ent­ge­gen. Ist die vom Anle­ger gewünsch­te Steu­er­erspar­nis aber nur mit dem emp­foh­le­nen Pro­dukt oder ande­ren Kapi­tal­an­la­gen mit ver­gleich­ba­ren Rück­ver­gü­tun­gen zu erzie­len, kann das den Schluss dar­auf zulas­sen, dass an die Bank geflos­se­ne Rück­ver­gü­tun­gen für die Anla­ge­ent­schei­dung unmaß­geb­lich waren [10].

Vor­lie­gend hat­te der Anla­ge­be­ra­ter aller­dings vor­ge­tra­gen, dem Anle­ger sei es – steu­er­lich bera­ten – vor­dring­lich um die bei die­sem Fonds zu erzie­len­de Steu­er­erspar­nis gegan­gen, die alter­na­tiv nur mit Pro­duk­ten zu erzie­len gewe­sen sei, bei denen ver­gleich­ba­re Rück­ver­gü­tun­gen gezahlt wor­den sei­en.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. Sep­tem­ber 2014 – XI ZR 215/​13

  1. vgl. BGH, Urteil vom 08.05.2012 – XI ZR 262/​10, BGHZ 193, 159 Rn. 17 f.[]
  2. BGH, Urtei­le vom 19.12 2006 – XI ZR 56/​05, BGHZ 170, 226 Rn. 24; und vom 08.04.2014 – XI ZR 341/​12, WM 2014, 1036 Rn. 17[]
  3. BGH, Urteil vom 08.05.2012 – XI ZR 262/​10, BGHZ 193, 159 Rn. 28 ff. mwN[]
  4. BGH, Urteil vom 08.05.2012 – XI ZR 262/​10, BGHZ 193, 159 Rn. 30 ff. mwN[]
  5. vgl. BGH, Urtei­le vom 16.07.1998 – I ZR 32/​96, NJW 1999, 363, 364; und vom 19.12 2002 – VII ZR 176/​02, ZIP 2003, 594, 595[]
  6. BGH, Urteil vom 08.04.2014 – XI ZR 341/​12, WM 2014, 1036 Rn. 22 mwN[]
  7. BGH, Urteil vom 08.05.2012 – XI ZR 262/​10, BGHZ 193, 159 Rn. 40 mwN[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 08.05.2012 – XI ZR 262/​10, BGHZ 193, 159 Rn. 41[]
  9. vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 08.05.2012 – XI ZR 262/​10, BGHZ 193, 159 Rn. 42 ff. mwN[]
  10. BGH, Urteil vom 08.05.2012 – XI ZR 262/​10, BGHZ 193, 159 Rn. 53 mwN[]