Scha­dens­er­satz für Pro­spekt­feh­ler beim geschlos­se­nen Immo­bi­li­en­fonds

Wird in dem Emis­si­ons­pro­spekt eines geschlos­se­nen Immo­bi­li­en­fonds erklärt, die dort pro­gnos­ti­zier­te, für die Ren­ta­bi­li­tät des Fonds maß­geb­li­che künf­ti­ge Ent­wick­lung der Mie­ten beru­he "auf Erfah­rungs­wer­ten der Ver­gan­gen­heit", obwohl den Pro­spekt­ver­ant­wort­li­chen kei­ne Erkennt­nis­se dar­über vor­la­gen, dass in der Ver­gan­gen­heit bei ver­gleich­ba­ren Objek­ten unter ent­spre­chen­den äuße­ren Umstän­den Miet­zu­wäch­se in der pro­gnos­ti­zier­ten Höhe erzielt wer­den konn­ten, recht­fer­tigt das die Annah­me eines zur Haf­tung wegen Ver­schul­dens bei Ver­trags­schluss füh­ren­den Pro­spekt­feh­lers.

Scha­dens­er­satz für Pro­spekt­feh­ler beim geschlos­se­nen Immo­bi­li­en­fonds

Ein Anle­ger muss sich im Wege des Vor­teils­aus­gleichs die im Zusam­men­hang mit der Anla­ge erziel­ten, dau­er­haf­ten Steu­er­vor­tei­le auf sei­nen Scha­den anrech­nen las­sen, sofern nicht die Ersatz­leis­tung ihrer­seits der Besteue­rung unter­liegt. Trotz Ver­steue­rung der Ersatz­leis­tung sind die erziel­ten Steu­er­vor­tei­le dem­ge­gen­über aber anzu­rech­nen, wenn Anhalts­punk­te dafür bestehen, dass der Anle­ger der­art außer­ge­wöhn­li­che Steu­er­vor­tei­le erzielt hat, dass es unbil­lig wäre, ihm die­se zu belas­sen 1.

Die suk­zes­si­ve Absen­kung des Ein­kom­men­steu­er­spit­zen­sat­zes von 53% im Jahr der Zeich­nung auf 45% zum Zeit­punkt des Scha­dens­er­satz­ver­lan­gens begrün­det für sich genom­men kei­ne hin­rei­chen­den Anhalts­punk­te für sol­che außer­ge­wöhn­li­chen, dem geschä­dig­ten Anle­ger ver­blei­ben­den Steu­er­vor­tei­le, die es aus­schlie­ßen wür­den, ihm die in der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung aner­kann­te, auf § 287 ZPO gestütz­te pau­scha­lie­ren­de Betrach­tungs­wei­se von Steu­er­vor­tei­len und Steu­er­nach­tei­len zugu­te kom­men zu las­sen mit der Fol­ge, dass eine kon­kre­te Berech­nung der mit der Anla­ge ver­bun­de­nen Steu­er­vor­tei­le vor­zu­neh­men wäre.

BGH, Urteil vom 31. Mai 2010 – II ZR 30/​09

  1. st. Rspr. vgl. nur BGH, Urteil vom 07.12.2009 – II ZR 15/​08, ZIP 2010, 176 Tz. 31[]