Scha­dens­er­satz wegen Zins­s­wap-Ver­trä­gen

Das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart hat ein deut­sches Kre­dit­in­sti­tut ver­ur­teilt, an einen Bank­kun­den Scha­dens­er­satz in Höhe von über 1,5 Mil­lio­nen Euro wegen eines Bera­tungs­ver­schul­den bei Zíns­s­wap-Ver­trä­gen zu zah­len.

Scha­dens­er­satz wegen Zins­s­wap-Ver­trä­gen

Der Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart lag ein Rechts­streit gegen eine Bank zugrun­de, die ihrem Kun­den, einem gro­ßen mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men, zwei Zins­s­wap-Ver­trä­ge zum Zwe­cke der „Zins­op­ti­mie­rung“ ange­bo­ten und emp­foh­len hat­te. Bei einem Zins­s­wap ver­ein­ba­ren die Par­tei­en den Aus­tausch von Zah­lungs­strö­men. Die Bank ver­pflich­te­te sich, an den Kun­den für die Dau­er von 5 Jah­ren Zin­sen in Höhe eines fes­tes Zins­sat­zes aus einem fik­ti­ven Betrag (hier 5 Mil­lio­nen €) zu zah­len. Der Kun­de ver­pflich­te­te sich im Gegen­zug, einen nach einer kom­pli­zier­ten Rechen­for­mel und in Abhän­gig­keit zu der Kurs­ent­wick­lung von Inter­ban­ken­zins­sät­zen zu berech­nen­den Zins­satz an die Bank zu zah­len. Dabei gewinnt die Sei­te, die wäh­rend der Lauf­zeit des Ver­tra­ges an die ande­re Sei­te weni­ger gezahlt hat. Dem Kun­den ist ein Scha­den in Höhe von über 1,5 Mil­lio­nen € ent­stan­den.

Das erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­ten Land­ge­richt Stutt­gart hat­te die Kla­ge des Kun­den unter Berück­sich­ti­gung eines 50prozentigen Mit­ver­schul­dens statt­ge­ge­ben. Von den hier­ge­gen von bei­den Par­tei­en ein­ge­leg­ten Beru­fun­gen hat­te vor dem Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart jetzt nur die Beru­fung der Klä­ge­rin Erfolg. Das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart ver­nein­te, anders als das Land­ge­richt Stutt­gart, ein Mit­ver­schul­den des Kun­den:

Die Bank habe ihrem Kun­den ver­schwie­gen, dass die Gewinn- und Ver­lust­chan­cen von Swap-Ver­trä­gen nur auf der Grund­la­ge von in der Finanz­wirt­schaft vor­ge­schrie­be­nen Wahr­schein­lich­keits­be­rech­nun­gen mit Risi­ko­mo­del­len beur­teilt wer­den kön­nen. Die Bank habe dem Kun­den daher nicht den fal­schen Ein­druck ver­mit­teln dür­fen, er kön­ne die Erfolgs­aus­sich­ten der ange­bo­te­nen Ver­trä­ge auf der Grund­la­ge sei­ner „Zins­mei­nung“ über die vor­aus­sicht­li­che Ent­wick­lung der Inter­ban­ken­sät­ze abschät­zen. Nach Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Stutt­gart han­delt es sich bei dem Swap-Ver­trag um eine Art von Glücks­spiel, das der Kun­de mit sei­ner pau­scha­len Zins­mei­nung gegen die Bank mit ihren hoch ent­wi­ckel­ten Rechen­mo­del­len spie­le. Dies sei dem Kun­den nicht bewusst gemacht wor­den.

Wei­ter bean­stan­det das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, dass die Bank selbst die Zins­s­wap-Ver­trä­ge mit Hil­fe ihrer Risi­ko­mo­del­le so kon­stru­iert habe, dass der Kun­de wahr­schein­lich einen Ver­lust erlei­den wer­de. Die Bank sei als Bera­te­rin ver­pflich­tet, die Inter­es­sen ihrer Kun­den zu wah­ren. Ihr sei bekannt, dass ihre Kun­den Gewin­ne erzie­len wol­len. Sie dür­fe daher kein Geschäft zur „Zins­op­ti­mie­rung“ anbie­ten oder gar emp­feh­len, wenn sie einen Ver­lust des Kun­den für wahr­schein­lich hal­te. Schließ­lich bean­stan­de­te das Ober­lan­des­ge­richt inhalt­lich feh­ler­haf­te Infor­ma­ti­ons­un­ter­la­gen der Bank. Unter die­sen Umstän­den sei für ein Mit­ver­schul­den des Kun­den kein Platz.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 26. Febru­ar 2010 – 9 U 164/​08