Schär­fe­re Eigen­ka­pi­tal­vor­schrif­ten für Ban­ken

Das Euro­päi­sche Par­la­ment hat – ent­spre­chend einer mit dem Minis­ter­rat und der EU-Kom­mis­si­on gefun­de­nen Eini­gung – einer der Neu­fas­sung der EU-Vor­schrif­ten für die Eigen­ka­pi­tal­aus­stat­tung der Ban­ken zuge­stimmt, durch die die Sta­bi­li­tät des Finanz­sys­tems erhöht, die Risi­ken ver­rin­gert und die Über­wa­chung von EU-weit täti­gen Ban­ken ver­bes­sert wer­den sol­len.

Schär­fe­re Eigen­ka­pi­tal­vor­schrif­ten für Ban­ken

Die Über­prü­fung der "Capi­tal Requi­re­ments"-Richt­li­nie ist eine der ers­ten gesetz­ge­be­ri­schen Ant­wor­ten auf die aktu­el­le Finanz­kri­se. Zen­tra­le Zie­le der "Richt­li­nie hin­sicht­lich Zen­tral­or­ga­ni­sa­tio­nen zuge­ord­ne­ter Ban­ken, bestimm­ter Eigen­mit­tel­be­stand­tei­le, Groß­kre­di­te, Auf­sichts­re­ge­lun­gen und Kri­sen­ma­nage­ment" sind: eine Ver­bes­se­rung des Manage­ments von Groß­kre­di­ten, eine strik­te­re Auf­sicht über grenz­über­grei­fend täti­gen Ban­ken­grup­pen, eine Ver­bes­se­rung der Qua­li­tät des Ban­ken­ka­pi­tals und des Liqui­di­täts­ri­si­ko­ma­nage­ments sowie ein stren­ge­res Risi­ko­ma­nage­ment für ver­brief­te Pro­duk­te.

In Ver­hand­lun­gen im Vor­feld der Abstim­mung konn­ten sich Ver­tre­ter des Par­la­ments, der tsche­chi­schen Rats­prä­si­dent­schaft und der EU-Kom­mis­si­on auf einen Kom­pro­miss ver­stän­di­gen, der heu­te vom Par­la­ments­ple­num ange­nom­men wur­de. Durch das heu­ti­ge posi­ti­ve Votum ist das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren been­det. Die Mit­glied­staa­ten müs­sen die Richt­li­nie bis zum 31. Okto­ber 2010 anneh­men und die neu­en Bestim­mun­gen spä­tes­tens ab Ende 2010 anwen­den.

Neue Auf­sichts­kol­le­gi­en

Zur Stär­kung der Kri­sen­be­wäl­ti­gung des EU-Ban­ken­sek­tors sol­len Auf­sichts­kol­le­gi­en zur Erleich­te­rung der Zusam­men­ar­beit zwi­schen den natio­na­len Behör­den im Umgang mit grenz­über­schrei­ten­den Finanz­in­sti­tu­ten ein­ge­rich­tet wer­den.

Groß­kre­di­te

Die Ban­ken ver­tei­len ihre For­de­run­gen in der Regel auf meh­re­re Kun­den, um nicht von einem ein­zi­gen Kun­den abhän­gig zu sein und so das Risi­ko von Ver­lus­ten – infol­ge von Nicht-Zah­lung – zu ver­mei­den. Die aktu­el­len Tur­bu­len­zen haben gezeigt, dass in Fäl­len, in denen Finanz­in­sti­tu­te sich nur auf einen ein­zi­gen gro­ßen Kun­den stüt­zen, der Bank oder dem Ver­si­che­rer gro­ße Ver­lus­te als Fol­ge des Aus­falls eines ein­zel­nen Kun­den oder einer Grup­pe ver­bun­de­ner Kun­den ent­ste­hen kön­nen. Das glei­che kann pas­sie­ren, wenn die Ban­ken ihre For­de­run­gen unter­ein­an­der han­deln: der Aus­fall eines Organs kann dann auch zum Schei­tern wei­te­rer Insti­tu­te füh­ren. Daher sind die bestehen­den Regeln für Groß­kre­di­te – ein­schließ­lich der Bank-For­de­run­gen zwi­schen den Ban­ken – zu ver­stär­ken. Hier­in sind sich alle drei EU-Insti­tu­tio­nen einig. Gemäß dem ver­ein­bar­ten Text soll eine Bank nicht mehr als 25 Pro­zent ihres Eigen­ka­pi­tals an einen Kun­den oder eine Grup­pe von Kun­den abge­ben kön­nen. Die Über­schrei­tung die­ser Schwel­le soll nur zwi­schen den Kre­dit­in­sti­tu­ten selbst mög­lich sein und darf nicht mehr als 150 Mio. Euro betra­gen.

Ver­brie­fung

Die aktu­el­le Kri­se hat auch gezeigt, dass Risi­ken von Insti­tu­ten nicht immer rich­tig bewer­tet wur­den. Das Euro­päi­sche Par­la­ment stimm­te dem Vor­schlag der Kom­mis­si­on zu, dass das betref­fen­de Finanz­in­sti­tut bei einer Ver­brie­fung einen bestimm­ten Anteil an der Leis­tung der geplan­ten Inves­ti­ti­on behält. Der Selbst­be­halt muss min­des­tens 5 % des gesam­ten Wer­tes der ver­brief­ten For­de­run­gen aus­ma­chen. Da die­ser Punkt aller­dings umstrit­ten war, wur­de nun noch eine Revi­si­ons­klau­sel in die Ver­ord­nung inte­griert. Dem­nach muss die EU-Kom­mis­si­on bis Ende die­ses Jah­res einen Vor­schlag unter­brei­ten, der – in Abspra­che mit der euro­päi­schen Ban­ken­auf­sicht – eine even­tu­el­le Stei­ge­rung die­ses Anteils fest­schrei­ben soll.

Sorg­falts­pflicht und Credit Default Swaps

Dar­über hin­aus wer­den Kri­te­ri­en für eine "Sorg­falts­pflicht" fest­ge­schrie­ben, die für eine ord­nungs­ge­mä­ße Bewer­tung der Risi­ken aus Ver­brie­fungs­po­si­tio­nen sor­gen sol­len. Ziel ist es, mehr Ver­trau­en zwi­schen den Urhe­bern, Spon­so­ren und Inves­to­ren her­zu­stel­len. Stren­ge­re Regeln soll es auch für die meist­ge­han­del­ten Deri­va­te, die so genann­ten Credit Default Swaps (CDS) sowie für alle OTC-Pro­duk­te (over the coun­ter) geben, mei­nen die Abge­ord­ne­ten. Sie for­dern daher die Kom­mis­si­on auf, bis Ende 2009 Vor­schlä­ge für Rechts­vor­schrif­ten zur Ver­bes­se­rung der Trans­pa­renz am OTC-Markt zu machen und die Ein­rich­tung einer zen­tra­len Gegen­par­tei (CCP) oder eines "Clea­ring-Hau­ses" vor­an­zu­trei­ben, um die Risi­ken die­ser Instru­men­te zu ver­rin­gern.