Die Schrott­im­mo­bi­li­en und die Bau­spar­kas­se

Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te jetzt erneut über Scha­dens­er­satz­an­sprü­che von Ver­brau­chern im Zusam­men­hang mit soge­nann­ten "Schrott­im­mo­bi­li­en" zu ent­schei­den und dabei sei­ne Recht­spre­chung zur arg­lis­ti­gen Täu­schung mit­tels soge­nann­ter Objekt- und Finan­zie­rungs­ver­mitt­lungs­auf­trä­ge fort­ge­setzt. Bei den elf ges­tern vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fäl­len han­delt es sich jeweils Sach­ver­hal­te, in denen die Klä­ger die Beklag­ten – unter ande­rem eine in Karls­ru­he ansäs­si­ge Bau­spar­kas­se – auf Rück­ab­wick­lung kre­dit­fi­nan­zier­ter Immo­bi­li­en­käu­fe in Anspruch neh­men.

Die Schrott­im­mo­bi­li­en und die Bau­spar­kas­se

Die Fall­ge­stal­tun­gen sind der­je­ni­gen ver­gleich­bar, über die der Bun­des­ge­richts­hof bereits am 29. Juni 2010 ent­schie­den hat 1. In die­sem vor einem hal­ben Jahr erlas­se­nen Urteil hat­te der Bun­des­ge­richts­hof ein u.a. gegen die Bau­spar­kas­se ergan­ge­nes Beru­fungs­ur­teil bestä­tigt, das eine arg­lis­ti­ge Täu­schung der Anle­ger über die Höhe der Ver­triebs­pro­vi­sio­nen durch Anga­ben im sog. "Objekt- und Finan­zie­rungs­ver­mitt­lungs­auf­trag" bejaht und damit eine Scha­dens­er­satz­pflicht der beklag­ten Bau­spar­kas­se wegen vor­ver­trag­li­cher Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zung ange­nom­men hat. Nach dem bun­des­weit ver­wen­de­ten "Objekt- und Finan­zie­rungs­ver­mitt­lungs­auf­trag" soll der Auf­trag "durch die in Punkt 4. und 5. der nach­fol­gen­den Auf­stel­lung benann­ten Fir­men zu den dort genann­ten Gebüh­ren­sät­zen aus­ge­führt wer­den". Der Bun­des­ge­richts­hof hat die­ses For­mu­lar dahin­ge­hend aus­ge­legt, dass die dort genann­ten Gebüh­ren­sät­ze aus Sicht der Anle­ger die Gesamt­pro­vi­sio­nen ange­ben, zu denen die jewei­li­gen Ver­mitt­lungs­ge­sell­schaf­ten den Auf­trag ins­ge­samt aus­füh­ren sol­len. Flie­ßen an die Gesell­schaf­ten tat­säch­lich höhe­re Pro­vi­si­ons­zah­lun­gen, sind die dor­ti­gen Anga­ben daher unrich­tig.

In den elf jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ver­han­del­ten Fäl­len hat­ten die Beru­fungs­ge­rich­te – das Kam­mer­ge­richt 2 in Ber­lin und das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le 3 – in ihren noch vor Ver­kün­dung des ers­ten Bade­nia-Urteils des Bun­des­ge­richts­hofs ergan­ge­nen Beru­fungs­ur­tei­len ein vor­ver­trag­li­ches Auf­klä­rungs­ver­schul­den der Bau­spar­kas­se ver­neint. In die­sen Sachen steht teil­wei­se fest, dass der "Objekt- und Finan­zie­rungs­ver­mitt­lungs­auf­trag" eben­falls zum Ein­satz kam, in den übri­gen Fäl­len ist davon revi­si­ons­recht­lich aus­zu­ge­hen. Im Hin­blick auf sei­ne ers­te Bade­nia-Ent­schei­dung vom 29. Juni 2010 1 hat der Bun­des­ge­richts­hof nun in acht Fäl­len die Beru­fungs­ur­tei­le auf­ge­ho­ben und die Sachen zur wei­te­ren Klä­rung an das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le bzw. das Kam­mer­ge­richt zurück­ver­wie­sen. In den drei übri­gen Ver­fah­ren hat er wegen schwe­ben­der Ver­gleichs­ver­hand­lun­gen der Par­tei­en zunächst Ver­kün­dungs­ter­min anbe­raumt, um den Par­tei­en Gele­gen­heit zu geben, ihre Ver­gleichs­ver­hand­lun­gen abzu­schlie­ßen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 11. Janu­ar 2011 – XI ZR 220/​08, XI ZR 271/​08, XI ZR 326/​08, XI ZR 327/​08, XI ZR 357/​08, XI ZR 46/​09, XI ZR 58/​09, XI ZR 114/​09

  1. BGH, Urteil vom 29.06.2010 – XI ZR 104/​08[][]
  2. KG Ber­lin, Urtei­le vom 20.05.2008 – 4 U 123/​06; vom 06.06.2008 – 3 U 13/​06; vom 20.06.2008 – 3 U 35/​06; vom 01.07.2008 – 4 U 204/​06; vom 17.09.2008 – 26 U 212/​07; vom 03.02.2009 – 4 U 237/​06; und vom 10.03.2009 – 4 U 241/​06[]
  3. OLG Cel­le, Urteil vom 14.01.2009 – 3 U 28/​06[]