Seg­men­tie­run­gen bei der Ein­la­ge­si­che­rung – und die Bei­trags­pflicht zur Ent­schä­di­gungs­ein­rich­tung der Wert­pa­pier­han­dels­un­ter­neh­men

In der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts [1] ist geklärt, dass der Gesetz­ge­ber befugt war, im Jah­re 1998 im Hin­blick auf die zu nor­mie­ren­de Anla­gen­si­che­rungs- und Ent­schä­di­gungs­re­ge­lung die Ein­la­gen­kre­dit­in­sti­tu­te einer­seits und die Wert­pa­pier­han­dels­un­ter­neh­men ande­rer­seits unter­schied­li­chen Insti­tuts­grup­pen zuzu­ord­nen.

Seg­men­tie­run­gen bei der Ein­la­ge­si­che­rung – und die Bei­trags­pflicht zur Ent­schä­di­gungs­ein­rich­tung der Wert­pa­pier­han­dels­un­ter­neh­men

Vor dem Hin­ter­grund der his­to­ri­schen Ent­wick­lung der Ein­la­gen­si­che­rung in Deutsch­land wie auch der gemein­schafts­recht­li­chen Regu­lie­rung der Finanz­märk­te stell­te sich, so das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, die Auf­tei­lung der Aus­fall­ri­si­ken auf die unter­schied­li­chen Insti­tuts­grup­pen im Ansatz als eine sach- und zweck­ge­rech­te Lösung dar.

Vor dem Hin­ter­grund der spe­zi­fisch unter­schied­li­chen Aus­gangs­si­tua­ti­on der Ein­la­gen­kre­dit­in­sti­tu­te auf der einen Sei­te und der "ande­ren" Insti­tu­te auf der ande­ren Sei­te war, wie das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bereits ent­schie­den hat, die Anknüp­fung an erprob­te orga­ni­sa­to­ri­sche Struk­tu­ren bereits vor­han­de­ner Ent­schä­di­gungs­ein­rich­tun­gen mit der kor­re­spon­die­ren­den Bil­dung unter­schied­li­cher Insti­tuts­grup­pen in die­ser Situa­ti­on dem Grun­de nach gut ver­tret­bar.

Der Gesetz­ge­ber konn­te im Hin­blick auf die Eig­nung der Bil­dung unter­schied­li­cher Insti­tuts­grup­pen nach all­ge­mei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­sät­zen einen gewis­sen Ein­schät­zungs- und Pro­gno­se­spiel­raum für sich in Anspruch neh­men.

Aller­dings ist, wie das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt des Wei­te­ren bereits ent­schie­den hat, die Sach­ge­rech­tig­keit des Kon­zepts der Auf­tei­lung der Aus­fall­ri­si­ken auf die unter­schied­li­chen Insti­tuts­grup­pen ohne Wei­te­res nur "im Ansatz" begrün­det.

Ange­sichts des grup­pen­über­grei­fen­den Inter­es­ses am markt­sta­bi­li­sie­ren­den Ver­trau­en von Anle­gern und ange­sichts der insti­tu­tio­nel­len und sach­li­chen gegen­sei­ti­gen Ver­flech­tun­gen zwi­schen dem Wert­pa­pier­han­del und dem Ein­la­gen­kre­dit­ge­schäft kann es aller­dings pro­ble­ma­tisch sein, wenn das Maß der Inpflicht­nah­me der ver­schie­de­nen Unter­neh­mens­grup­pen durch eine Aus­fall­haf­tung jeweils für ihre eige­nen Grup­pen­an­ge­hö­ri­gen mit­tel- und lang­fris­tig gra­vie­ren­de Niveau­un­ter­schie­de auf­weist.

Es kann dann frag­lich sein, ob nicht gewähr­leis­tet sein muss, dass die Kos­ten­be­las­tung für die Vor­sor­ge­maß­nah­men zur Erhal­tung des Ver­trau­ens in den Finanz­markt ins­ge­samt fair und ver­hält­nis­mä­ßig gleich ver­teilt ist, und nicht eine Grup­pe mit sehr hohen Kos­ten belas­tet wird, wäh­rend eine ande­re Grup­pe weit­ge­hend ver­schont bleibt, trotz­dem aber zumin­dest mit­tel­bar Nut­zen aus sta­bi­li­sie­ren­den Effek­ten der Haf­tungs­leis­tun­gen ande­rer zie­hen kann. Dar­aus kann sich, so das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, eine ver­fas­sungs­recht­li­che Pflicht des Gesetz­ge­bers zur Nach­bes­se­rung der Rege­lun­gen erge­ben.

Die zuläs­si­ge Seg­men­tie­rung erlaubt zwar grund­sätz­lich eine Anknüp­fung der Bei­trags­be­mes­sung an seg­ment­spe­zi­fi­sche Bei­trags­grö­ßen, die kon­kre­te Aus­ge­stal­tung der Bei­trags­re­ge­lun­gen muss aber den Anfor­de­run­gen des Art. 12 Abs. 1 GG in Ver­bin­dung mit den finanz­ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen an Son­der­ab­ga­ben mit Finan­zie­rungs­funk­ti­on sowie der ver­fas­sungs­recht­li­chen Gewähr­leis­tung des Ver­trau­ens­schut­zes, dem Ver­bot "erdros­seln­der Wir­kung" und der ver­fas­sungs­recht­li­chen Pflicht [2] zur Über­prü­fung der Rege­lun­gen im Lich­te neu­er Erkennt­nis­se genü­gen.

Im Übri­gen ist in der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung hin­sicht­lich der ver­fas­sungs­recht­li­chen Über­prü­fungs­pflicht des Gesetz­ge­bers bei Son­der­ab­ga­ben mit Finan­zie­rungs­funk­ti­on geklärt, dass der Gesetz­ge­ber deren fort­be­stehen­de sach­li­che Recht­fer­ti­gung in ange­mes­se­nen Zeit­ab­stän­den zu über­prü­fen hat [3]; er hat ins­be­son­de­re zu kon­trol­lie­ren, ob sei­ne ursprüng­li­che Ent­schei­dung für den Ein­satz des gesetz­ge­be­ri­schen Mit­tels "Son­der­ab­ga­be" auf­recht­zu­er­hal­ten oder ob sie wegen Weg­falls des Finan­zie­rungs­zwecks oder Ziel­er­rei­chung zu ändern oder auf­zu­he­ben ist. In wel­chen Zeit­ab­stän­den die Fort­dau­er der sach­li­chen Recht­fer­ti­gung einer Son­der­ab­ga­be vom Gesetz­ge­ber zu über­prü­fen ist, lässt sich, wie das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt eben­falls bereits ent­schie­den hat, "nicht gene­rell und abs­trakt, son­dern nur nach den beson­de­ren Umstän­den der kon­kre­ten Son­der­ab­ga­be und den ihr zu Grun­de lie­gen­den Ver­hält­nis­sen bemes­sen" [4]. Eine Ver­let­zung des Gleich­heits­sat­zes kommt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nicht in Betracht, weil dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz gegen­über den Recht­fer­ti­gungs­an­for­de­run­gen an die Jah­res­bei­trä­ge als Son­der­ab­ga­ben mit Finan­zie­rungs­funk­ti­on kei­ne stren­ge­ren Maß­stä­be zu ent­neh­men sind [5].

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 26. Novem­ber 2014 – 10 B 49.2014 -

  1. BVerwG, Urteil vom 21.04.2004 – 6 C 20.03, BVerw­GE 120, 311, 319 ff. und des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ((BVerwG, Beschluss vom 24.11.2009 – 2 BvR 1387/​04, BVerfGE 124, 348, 367 ff. 61 ff.[]
  2. vgl. dazu BVerfG, Beschluss vom 24.11.2009 a.a.O. S. 377 f.[]
  3. vgl. u.a. BVerfG, Beschluss vom 24.11.2009 a.a.O. S. 366 57 m.w.N.[]
  4. BVerfG, Beschluss vom 17.07.2003 – 2 BvL 1, 4, 6, 16, 18/​99, 1/​01, BVerfGE 108, 186, 231[]
  5. BVerwG, Beschluss vom 24.11.2009 a.a.O. S. 383 98[]