SEPA – der Ein­heit­li­che Euro-Zah­lungs­raum und die deut­schen Kon­to­num­mern

Der Ein­heit­li­che Euro­päi­sche Zah­lungs­ver­kehrs­raum (Sin­gle Euro Pay­ments Area – SEPA) rückt lang­sam aber sicher auch unse­ren deut­schen Giro­kon­to­num­mern an den Kra­gen, die der inter­na­tio­na­len IBAN (Inter­na­tio­nal Bank Account Num­ber) wei­chen müs­sen. Wenn es nach dem jetzt vor­lie­gen­den Ent­wurf eines SEPA-Begleit­ge­set­zes – Gesetz zur Beglei­tung der Ver­ord­nung (EU) Nr. 260/​2012 zur Fest­le­gung der tech­ni­schen Vor­schrif­ten und der Geschäfts­an­for­de­run­gen für Über­wei­sun­gen und Last­schrif­ten in Euro und zur Ände­rung der Ver­ord­nung (EG) Nr. 924/​2009 (SEPA-Begleit­ge­setz) – geht, frei­lich noch nicht so schnell, wie es nach den EU-Vor­ga­ben gehen müss­te: So sol­len Bank­kun­den in Deutsch­land für eine Über­gangs­zeit wei­ter­hin ihre ver­trau­ten Kon­to­num­mern und Bank­leit­zah­len für den Zah­lungs­ver­kehr nut­zen kön­nen, obwohl die Euro­päi­sche Uni­on dies eigent­lich nicht mehr zulässt. Auch das Elek­tro­ni­sche Last­schrift­ver­fah­ren (ELV), mit dem Kun­den oft im Ein­zel­han­del bezah­len, soll für eine Über­gangs­zeit wei­ter genutzt wer­den dür­fen. Dies sieht zumin­dest der von der Bun­des­re­gie­rung vor­ge­leg­te Ent­wurf eines SEPA vor.

SEPA – der Ein­heit­li­che Euro-Zah­lungs­raum und die deut­schen Kon­to­num­mern

Die Ban­ken sol­len danach den Ver­brau­chern eine Kon­ver­tie­rungs­mög­lich­keit anbie­ten dür­fen, damit sie wei­ter­hin die inlän­di­schen Kon­to­num­mern und Bank­leit­zah­len ver­wen­den kön­nen und noch nicht die inter­na­tio­na­le Zah­lungs­kon­to­num­mer IBAN gebrau­chen müs­sen. Bis zum 1. Febru­ar 2016 soll den Ver­brau­chern in Deutsch­land ohne zusätz­li­che Gebüh­ren erlaubt sein, „inlän­di­sche Zah­lun­gen wei­ter­hin nach dem ver­trau­ten Mus­ter unter Ver­wen­dung der bis­he­ri­gen Kon­to­ken­nung vor­zu­neh­men“, heißt es in dem Ent­wurf. Dar­in wird aber auch dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es sich bei der Kon­ver­tie­rung um frei­wil­li­ge Ange­bo­te der Ban­ken han­delt.

Auch das Elek­tro­ni­sche Last­schrift­ver­fah­ren (ELV) soll bis zum 1. Febru­ar 2016 wei­ter mög­lich sein. Ohne SEPA-Begleit­ge­setz müss­te das ELV zum 1. April 2014 wegen nicht mehr vor­han­de­ner EU-Kom­pa­ti­bi­li­tät weg­fal­len. Beim ELV gibt der Kun­de der Ver­kaufs­stel­le eine Zah­lungs­kar­te, etwa sei­ne Bank­Card. Der Ver­käu­fer nutzt die auf der Kar­te vor­han­de­nen Kon­to­da­ten nur zum Erstel­len einer Ein­zugs­er­mäch­ti­gung. Die Ein­ga­be einer PIN-Num­mer erfolgt nicht. Die Kar­te dient nicht als Zah­lungs­au­then­ti­fi­zie­rungs­in­stru­ment. Die Über­gangs­be­stim­mung soll auch dazu die­nen, den betrof­fe­nen Wirt­schafts­be­rei­chen Zeit für die Ent­wick­lung eines Nach­fol­ge­instru­ments auf Basis des neu­en SEPA-Last­schrift­ver­fah­rens zu geben.

Anpas­sungs­be­darf in Deutsch­land auf­grund der SEPA-Ver­ord­nung

Am 31. März 2012 ist die Ver­ord­nung (EU) Nr. 260/​2012 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 14. März 2012 zur Fest­le­gung der tech­ni­schen Vor­schrif­ten und der Geschäfts­an­for­de­run­gen für Über­wei­sun­gen und Last­schrif­ten in Euro und zur Ände­rung der Ver­ord­nung (EG) Nr. 924/​2009 1 in Kraft getre­ten. Ziel die­ser Ver­ord­nung (EU) Nr. 260/​2012 ist die wei­te­re Ver­wirk­li­chung eines ein­heit­li­chen Euro-Zah­lungs­ver­kehrs­raums (Sin­gle Euro Pay­ments Area – SEPA). SEPA ist ein grund­le­gen­des Ele­ment für einen har­mo­ni­sier­ten Zah­lungs­ver­kehrs­bin­nen­markt, des­sen Rechts­rah­men die Richt­li­nie 2007/​64/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 13. Novem­ber 2007 über Zah­lungs­diens­te im Bin­nen­markt 2 und die Ver­ord­nung (EG) Nr. 924/​2009 über grenz­über­schrei­ten­de Zah­lun­gen in der EU 3 bil­den. Der ein­heit­li­che Euro-Zah­lungs­ver­kehrs­raum soll vor allem dadurch erreicht wer­den, dass inlän­di­sche Zahl­ver­fah­ren nur bis zu einem bestimm­ten End­da­tum genutzt und anschlie­ßend voll­stän­dig durch uni­ons­wei­te Zahl­ver­fah­ren ersetzt wer­den.

Die Ver­ord­nung (EU) Nr. 260/​2012 sieht daher vor, dass Über­wei­sun­gen und Last­schrif­ten ab dem 1. Febru­ar 2014 bestimm­ten recht­li­chen und tech­ni­schen Anfor­de­run­gen genü­gen müs­sen, mit dem Ergeb­nis, dass die jeweils inlän­di­schen Über­wei­sungs- und Last­schrift­ver­fah­ren ab dem 1. Febru­ar 2014 grund­sätz­lich abzu­schal­ten sind (Arti­kel 6 der Ver­ord­nung (EU) Nr. 260/​2012). Ab die­sem Zeit­punkt wären ent­spre­chen­de bar­geld­lo­se Zah­lun­gen grund­sätz­lich nur noch im Wege der SEPA-Ver­fah­ren (SEPA-Über­wei­sungs­ver­fah­ren und SEPA-Last­schrift­ver­fah­ren) unter Ver­wen­dung der inter­na­tio­na­len Kon­to­ken­nung IBAN (Inter­na­tio­nal Bank Account Num­ber) mög­lich.

Die Ver­ord­nung (EU) Nr. 260/​2012 ent­hält eine Rei­he von Vor­schrif­ten, die erst durch beglei­ten­de Rege­lun­gen auf natio­na­ler Ebe­ne wirk­sam wer­den kön­nen. So haben die Mit­glied­staa­ten die zustän­di­gen Behör­den zu benen­nen, die für die Gewähr­leis­tung der Ein­hal­tung der Ver­ord­nung (EU) Nr. 260/​2012 ver­ant­wort­lich sind (Arti­kel 10 der Ver­ord­nung (EU) Nr. 260/​2012) und Sank­tio­nen für die Fäl­le eines Ver­sto­ßes gegen die Ver­ord­nung (EU) Nr. 260/​2012 fest­zu­le­gen (Arti­kel 11 der Ver­ord­nung (EU) Nr. 260/​2012). Zudem sol­len die Mit­glied­staa­ten ange­mes­se­ne und wirk­sa­me außer­ge­richt­li­che Beschwer­de- und Rechts­be­helfs­ver­fah­ren schaf­fen (Arti­kel 12 der Ver­ord­nung (EU) Nr. 260/​2012).

Dar­über hin­aus ermög­licht die Ver­ord­nung (EU) Nr. 260/​2012 den Mit­glied­staa­ten, optio­nal bis zum 1. Febru­ar 2016 von Über­gangs­be­stim­mun­gen Gebrauch zu machen. So kön­nen Mit­glied­staa­ten den zustän­di­gen Behör­den gestat­ten, alle oder einen Teil der in Arti­kel 6 Absatz 1 und 2 der Ver­ord­nung (EU) Nr. 260/​2012 genann­ten Anfor­de­run­gen für Zah­lungs­vor­gän­ge aus­zu­set­zen, die an der Ver­kaufs­stel­le mit Hil­fe einer Zah­lungs­kar­te gene­riert wer­den und zu einer Last­schrift von einem durch eine inlän­di­sche Kon­to­ken­nung BBAN (Basic Bank Account Num­ber) – in Deutsch­land bis­her Kon­to­num­mer und Bank­leit­zahl- oder inter­na­tio­na­le Kon­to­ken­nung IBAN iden­ti­fi­zier­ten Zah­lungs­kon­to füh­ren (Arti­kel 16 Absatz 4 der Ver­ord­nung (EU) Nr. 260/​2012). Die­se Vor­schrift ermög­licht die Wei­ter­nut­zung des in Deutsch­land weit ver­brei­te­ten Elek­tro­ni­schen Last­schrift­ver­fah­rens (ELV). Auch kön­nen Mit­glied­staa­ten Zah­lungs­dienst­leis­tern gestat­ten, Zah­lungs­dienst­nut­zern, soweit die­se Ver­brau­cher sind, für Inlands­zah­lun­gen Kon­ver­tie­rungs­dienst­leis­tun­gen zur Ver­fü­gung zu stel­len, die es den Zah­lungs­dienst­nut­zern ermög­li­chen, die bis­he­ri­gen inlän­di­schen Kon­to­ken­nun­gen wei­ter zu nut­zen (Arti­kel 16 Absatz 1 der
Ver­ord­nung (EU) Nr. 260/​2012).

Zudem ist es nach der Ver­ord­nung (EU) Nr. 260/​2012 Zah­lern, die Über­wei­sun­gen ver­wen­den, nicht gestat­tet, Über­wei­sun­gen auf ein Zah­lungs­kon­to eines Zah­lungs­dienst­nut­zers bei einem in einem ande­ren Mit­glied­staat ansäs­si­gen Zah­lungs­dienst­leis­ter zu ver­wei­gern bzw. Zah­lungs­emp­fän­gern nicht gestat­tet, Über­wei­sun­gen und Last­schrif­ten von einem Zah­lungs­kon­to eines Zah­lungs­dienst­nut­zers bei einem in einem ande­ren Mit­glied­staat ansäs­si­gen Zah­lungs­dienst­leis­ter abzu­leh­nen (Arti­kel 9 der Ver­ord­nung (EU) Nr. 260/​2012). Inlän­di­sche Vor­schrif­ten haben inso­weit den uni­ons­wei­ten Zugang zu Zah­lungs­kon­ten zu ermög­li­chen.

Auf­grund die­ser zu ergän­zen­den Vor­schrif­ten der Ver­ord­nung (EU) Nr. 260/​2012 ist es erfor­der­lich, die Ver­ord­nung durch ein ent­spre­chen­des Bun­des­ge­setz zu flan­kie­ren. Zudem ändert die Ver­ord­nung (EU) Nr. 260/​2012 die Ver­ord­nung (EG) Nr. 924/​2009 über grenz­über­schrei­ten­de Zah­lun­gen in der Euro­päi­schen Uni­on, was ent­spre­chen­de Anpas­sun­gen natio­na­ler Vor­schrif­ten erfor­der­lich macht.

Ziel des Begleit­ge­set­zes ist es, die durch eine natio­na­le Rege­lung aus­fül­lungs­be­dürf­ti­gen Nor­men der Ver­ord­nung zu ergän­zen. Zudem soll von ein­zel­nen optio­na­len Über­gangs­be­stim­mun­gen in der Ver­ord­nung Gebrauch gemacht wer­den, um eine für Ver­brau­cher und End­nut­zer inter­es­sen­ge­rech­te Umstel­lung der bis­he­ri­gen natio­na­len Zahl­ver­fah­ren auf die neu­en SEPA-Zahl­ver­fah­ren sicher zu stel­len.

Eben­falls müs­sen ein­schlä­gi­ge Bun­des­ge­set­ze ange­passt wer­den, damit sie zukünf­tig die uni­ons­wei­te Zugäng­lich­keit von Zah­lungs­kon­ten ermög­li­chen. Auch die Ände­run­gen der Ver­ord­nung (EG) Nr. 924/​2009 sol­len mit dem Begleit­ge­setz nach­voll­zo­gen wer­den.

Die Rege­lun­gen des SEPA-Begleit­ge­set­zes

Das SEPA-Begleit­ge­setz ergänzt die nicht abschlie­ßen­den Vor­schrif­ten der Ver­ord­nung (EU) Nr. 260/​2012.

GLeich­zei­tig macht sie von den in der SEPA-Ver­ord­nung ein­ge­räum­ten Rege­lungs­op­tio­nen für die Über­gangs­zeit Gebrauch.

Dazu wer­den

  • das Kre­dit­we­sen­ge­setz (KWG),
  • das Gesetz über die Beauf­sich­ti­gung von Zah­lungs­diens­ten (ZAG),
  • das Unter­las­sungs­kla­gen­ge­setz (UKlaG),
  • die Ver­ord­nung über die Prü­fung der Jah­res­ab­schlüs­se der Kre­dit­in­sti­tu­te und Finanz­dienst­leis­tungs­in­sti­tu­te sowie die dar­über zu erstel­len­den Berich­te (PrüfbV) und
  • die Ver­ord­nung über die Prü­fung der Jah­res­ab­schlüs­se der Zah­lungs­in­sti­tu­te sowie die dar­über zu erstel­len­den Berich­te (Zahl­PrüfbV)

ent­spre­chend geän­dert.

Zudem wer­den mit dem SEPA-Begleit­ge­setz die ein­schlä­gi­gen bun­des­ge­setz­li­chen Rege­lun­gen inso­weit ange­passt, als dass sie zukünf­tig die uni­ons­wei­te Erreich­bar­keit von Zah­lungs­kon­ten ermög­li­chen. Auch wer­den die Ände­run­gen der Ver­ord­nung (EG) Nr. 924/​2009 mit dem Begleit­ge­setz nach­voll­zo­gen.

Vor die­sem Hin­ter­grund sieht das SEPA-Begleit­ge­setz fol­gen­de Maß­nah­men vor:

  • die Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht (BaFin) wird im KWG und ZAG als natio­nal zustän­di­ge Behör­de für die Über­wa­chung der Ein­hal­tung der in der Ver­ord­nung (EG) Nr. 924/​2009 und in der Ver­ord­nung (EU) Nr. 260/​2012 ent­hal­te­nen Pflich­ten durch die Zah­lungs­dienst­leis­ter bestimmt; die Anfor­de­run­gen an die Jah­res­ab­schluss­prü­fung wer­den ent­spre­chend ange­passt;
  • die Buß­geld­tat­be­stän­de des KWG wer­den um Tat­be­stän­de der Ver­ord­nung (EG) Nr. 924/​2009 und der Ver­ord­nung (EU) Nr. 260/​2012 erwei­tert;
  • das Schlich­tungs­ver­fah­ren nach § 14 UKlaG wird um aus der Ver­ord­nung (EU) Nr. 260/​2012 erwach­sen­de Strei­tig­kei­ten zwi­schen Zah­lungs­dienst­nut­zern und ihren Zah­lungs­dienst­leis­tern ergänzt;
  • auf­grund des in Deutsch­land weit ver­brei­te­ten kar­ten­ba­sier­ten Elek­tro­ni­schen Last­schrift­ver­fah­rens (ELV) soll die wei­te­re Nutz­bar­keit des ELV über­gangs­wei­se (bis zum 1. Febru­ar 2016) durch befris­te­te Rege­lun­gen im ZAG sicher­ge­stellt wer­den;
  • den Zah­lungs­dienst­leis­tern wird für eine Inte­rims­zeit bis zum 1. Febru­ar 2016 durch befris­te­te Rege­lun­gen im ZAG gestat­tet, Ver­brau­chern kos­ten­los Kon­ver­tie­rungs­dienst­leis­tun­gen für Kon­to­ken­nun­gen zur Ver­fü­gung zu stel­len, die es ihnen ermög­li­chen, ihre bis­he­ri­ge Kon­to­ken­nung für Inlands­zah­lun­gen wei­ter zu nut­zen, und
  • bun­des­ge­setz­li­che Rege­lun­gen, die bis­lang Über­wei­sun­gen auf ein inlän­di­sches Kon­to bezie­hungs­wei­se auf ein Kon­to bei einem Zah­lungs­dienst­leis­ter im Inland vor­schrei­ben, wer­den dahin­ge­hend geän­dert, dass nun­mehr auch Über­wei­sun­gen auf ein Zah­lungs­kon­to in einem ande­ren Mit­glied­staat bezie­hungs­wei­se auf ein Kon­to bei einem Zah­lungs­dienst­leis­ter in einem ande­ren Mit­glied­staat zuge­las­sen wer­den.

Die Bun­des­re­gie­rung rech­net übri­gens damit, dass die für die­se ver­län­ger­te Benut­zungs­mög­lich­keit der deut­schen Kon­to­num­mer um zwei Jah­re erfor­der­li­chen Kon­ver­tie­rungs­dienst­leis­tun­gen bei den deut­schen Ban­ken einen Erfül­lungs­auf­wand in Höhe von 12 Mio. € ver­ur­sa­chen.

  1. ABl.EU L 94 vom 30.03.2012, S. 22[]
  2. ABl. L 319 vom 5.12.2007, S. 1[]
  3. ABl. L 266 vom 9.10.2009, S. 11[]