Sit­ten­wid­ri­ge Falsch­be­ra­tung beim Wert­pa­pie­rer­werb

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist ein Anla­ge­be­ra­ter, der vor­sätz­lich eine anle­ger- und objekt­wid­ri­ge Emp­feh­lung abgibt und die Schä­di­gung des um Rat fra­gen­den Anle­gers zumin­dest bil­li­gend in Kauf nimmt, dem Anle­ger wegen vor­sätz­li­cher sit­ten­wid­ri­ger Schä­di­gung zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet 1.

Sit­ten­wid­ri­ge Falsch­be­ra­tung beim Wert­pa­pie­rer­werb

Dem­entspre­chend han­delt auch sit­ten­wid­rig, wer – wie von den Klä­gern in Bezug auf die Beklag­ten behaup­tet – als Lei­ter eines mit Anla­ge­be­ra­tung befass­ten Unter­neh­mens ein Sys­tem eta­bliert, das dar­auf gerich­tet ist, den Kun­den unter plan­mä­ßi­ger Falsch­be­ra­tung ihren Inter­es­sen und ihrer Risi­ko­be­reit­schaft nicht ent­spre­chen­de risi­ko­be­haf­te­te Anla­gen zu emp­feh­len 2.

Ergibt eine von der BAFin ver­an­lass­te stich­pro­ben­ar­ti­ge Über­prü­fung der Depots von 1.111 Anle­gern, dass sich in sämt­li­chen Depots Genuss­schei­ne der Risi­ko­klas­sen 3 und 4 befan­den, obwohl die Anle­ger den Risi­ko­klas­sen 1 und 2 zuzu­ord­nen waren, kann das Gericht hier­aus auf eine flä­chen­de­cken­de nicht anle­ger­ge­rech­te Bera­tung und ein sit­ten­wid­ri­ges Han­deln der Anla­ge­be­ra­te­rin – sowie ihres Vor­stan­des per­sön­lich – schlie­ßen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. April 2016 – VI ZR 451/​14

  1. BGH, Urteil vom 19.02.2008 – XI ZR 170/​07, BGHZ 175, 276 Rn. 29[]
  2. BGH, Beschluss vom 18.08.2015 – VI ZR 302/​14 13; vgl. auch BGH, Urteil vom 14.07.2015 – VI ZR 463/​14, VersR 2015, 1574 Rn. 24[]