Swap-Ver­trä­ge – und die Auf­klä­rungs­pflicht der Bank

Eine Bank hat gegen­über ihren Kun­den im Fall eines Zins­satz-Swap-Ver­trags eine bera­tungs­ver­trag­li­che Pflicht zur Auf­klä­rung über einen anfäng­li­chen nega­ti­ven Markt­wert, der aus der ein­ge­preis­ten Gewinn­mar­ge der Bank resul­tiert.

Swap-Ver­trä­ge – und die Auf­klä­rungs­pflicht der Bank

Auch wenn das Ein­prei­sen einer Brut­to­mar­ge in ein Swap-Geschäft kein Umstand ist, über den die bera­ten­de Bank im Rah­men der objekt­ge­rech­ten Bera­tung infor­mie­ren müss­te 1, hat sie unter dem Gesichts­punkt eines schwer­wie­gen­den Inter­es­sen­kon­flikts bei Swap-Ver­trä­gen im Zwei­per­so­nen­ver­hält­nis und damit unab­hän­gig von deren kon­kre­ten Bedin­gun­gen die Pflicht, über die Ein­prei­sung eines anfäng­li­chen nega­ti­ven Markt­werts, d.h. der den Net­to­ge­winn und die Kos­ten der Bank umfas­sen­den Brut­to­mar­ge, sowie über des­sen Höhe auf­zu­klä­ren, es sei denn der Swap-Ver­trag dient nur dazu, die Kon­di­tio­nen eines kon­ne­xen Kre­dit­ver­hält­nis­ses abzu­än­dern 2.

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall Hier war die Ver­pflich­tung der Bank zur Auf­klä­rung über das Ein­prei­sen eines anfäng­li­chen nega­ti­ven Markt­werts nicht wegen des Bestehens eines kon­ne­xen Gegen­ge­schäfts ent­fal­len. Gemäß den Grund­sät­zen, die der Bun­des­ge­richts­hof mit Urtei­len vom 22.03.2016 3; und vom 12.07.2016 4 auf­ge­stellt hat, ist der vor­lie­gend beur­teil­te Swap-Ver­trag nicht kon­nex mit den von der Bank gewähr­ten Dar­le­hen ver­knüpft gewe­sen, da der Bezugs­be­trag des Swap-Ver­trags von 2 Mio. € die an die Bank zurück­zu­zah­len­de Dar­le­hens­va­lu­ta von 500.000 € deut­lich über­stieg.

Vor­lie­gend hat die Bank auch ihre Gewinn­mar­ge in den streit­ge­gen­ständ­li­chen Swap-Ver­trag ein­ge­preist und die Bank­kun­de­n­in nicht dar­auf hin­ge­wie­sen.

Der schlüs­si­ge Vor­trag des Kun­den zur unzu­rei­chen­den Auf­klä­rung über den anfäng­li­chen nega­ti­ven Markt­wert eines Swap-Ver­trags setzt nur vor­aus, dass der Kun­de die Ein­prei­sung eines anfäng­li­chen nega­ti­ven Markt­werts als sol­ches und das Ver­schwei­gen die­ser Tat­sa­che vor­trägt. Dage­gen muss der Kun­de den Umfang des anfäng­li­chen nega­ti­ven Markt­werts nicht bezif­fern, auch nicht im Sin­ne der Anga­be einer Grö­ßen­ord­nung 5.

Zudem hat die Bank im vor­lie­gen­den Fall in bei­den Vor­in­stan­zen ein­ge­räumt, ihre Gewinn­mar­ge in den streit­ge­gen­ständ­li­chen Swap-Ver­trag ein­ge­preist zu haben, und nicht in Abre­de gestellt, die Bank­kun­de­n­in nicht dar­über auf­ge­klärt zu haben. Denn die Bank hat sich nur dar­auf beru­fen, dass über einen anfäng­li­chen nega­ti­ven Markt­wert, der aus­schließ­lich aus der Gewinn­mar­ge resul­tie­re, nicht auf­zu­klä­ren sei, und ins­be­son­de­re nicht behaup­tet, der Bank­kundein die Höhe des anfäng­li­chen nega­ti­ven Markt­werts mit­ge­teilt zu haben.

Schließ­lich kommt ein das Ver­schul­den der Bank aus­schlie­ßen­der unver­meid­ba­rer Rechts­irr­tum nicht in Betracht 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 25. Okto­ber 2016 – XI ZR 292/​14

  1. BGH, Urtei­le vom 20.01.2015 – XI ZR 316/​13, WM 2015, 575 Rn. 33 ff.; vom 28.04.2015 – XI ZR 378/​13, BGHZ 205, 117 Rn. 31 f.; und vom 22.03.2016 – XI ZR 425/​14, WM 2016, 821 Rn. 23[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 28.04.2015 – XI ZR 378/​13, BGHZ 205, 117 Rn. 39 ff.; und vom 22.03.2016 – XI ZR 425/​14, WM 2016, 821 Rn. 24, 27; BGH, Beschluss vom 15.03.2016 – XI ZR 208/​15 10[]
  3. BGH, Urteil vom 22.03.2016 – XI ZR 425/​14, WM 2016, 821 Rn. 26 ff.[]
  4. BGH, Urteil vom 12.07.2016 – XI ZR 150/​15 25[]
  5. BGH, Beschlüs­se vom 20.10.2015 – XI ZR 532/​14, WM 2015, 2279 Rn. 16 f.; und vom 15.03.2016 – XI ZR 208/​15 16 f. sowie BGH, Urteil vom 22.03.2016 – XI ZR 93/​15, WM 2016, 827 Rn. 17[]
  6. BGH, Urtei­le vom 22.03.2011 – XI ZR 33/​10, BGHZ 189, 13 Rn. 39; vom 28.04.2015 – XI ZR 378/​13, BGHZ 205, 117 Rn. 73; und vom 12.07.2016 – XI ZR 150/​1519[]