Treu­ge­ber­haf­tung bei einer Immo­bi­li­en­fonds-GbR

Die Ver­ein­ba­rung eines Treu­hand­ver­hält­nis­ses, das dar­auf beschränkt ist, die gesell­schafts­recht­li­chen Rech­te des „Treu­ge­bers“ gegen­über dem Grund­buch­amt durch einen Treu­hän­der hal­ten zu las­sen, steht der Außen­haf­tung des „Treu­ge­bers“ ana­log § 128 HGB nicht ent­ge­gen, wenn die Aus­le­gung des Gesell­schafts­ver­trags und des Treu­hand­ver­trags ergibt, dass nicht der „Grund­buch­treu­hän­der“, son­dern der „Treu­ge­berGesell­schaf­ter der Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts gewor­den ist.

Treu­ge­ber­haf­tung bei einer Immo­bi­li­en­fonds-GbR

Der Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes steht der Haf­tung der Gesell­schaf­ter eines Immo­bi­li­en­fonds in der Rechts­form einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts, die vor der Ände­rung der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung bei­getre­ten sind, für die vor ihrem Bei­tritt zur Objekt­fi­nan­zie­rung begrün­de­ten Dar­le­hens­ver-bind­lich­kei­ten der Gesell­schaft ana­log §§ 128, 130 HGB nicht ent­ge­gen, wenn sie auch bei nur gerin­ger Auf­merk­sam­keit erken­nen konn­ten, dass für die Objekt­fi­nan­zie­rung Fremd­mit­tel benö­tigt wur­den, für deren Rück­zah­lung sie nach dem Gesell­schafts­ver­trag haf­ten soll­ten.

Zahlt der Gesell­schaf­ter einer Publi­kums­per­so­nen­ge­sell­schaft gemäß § 128 HGB auf eine durch die Gesell­schaft besi­cher­te Gesell­schafts­schuld, hat er jeden­falls bei nicht akzes­so­ri­schen Sicher­hei­ten kei­nen gesetz­li­chen Anspruch auf antei­li­ge Über­tra­gung der Sicher­heit, den er dem Gläu­bi­ger als Ein­re­de ent­ge­gen­hal­ten kann.

Für die Ver­bind­lich­kei­ten einer BGB-Gesell­schaft haf­ten neben dem Gesell­schafts­ver­mö­gen die Gesell­schaf­ter ana­log § 128 HGB grund­sätz­lich akzes­so­risch, per­sön­lich, pri­mär und unbe­schränkt. Mit der Aner­ken­nung der Rechts­fä­hig­keit der Außen­ge­sell­schaft bür­ger­li­chen Rechts in der neue­ren Recht­spre­chung des erken­nen­den Bun­des­ge­richts­hofs 1 hat sich an der Haf­tung der Gesell­schaf­ter für rechts­ge­schäft­lich begrün­de­te Ver­bind­lich­kei­ten im Ergeb­nis nichts geän­dert; sie wur­de ledig­lich auf eine ande­re dog­ma­ti­sche Grund­la­ge gestellt. Wäh­rend nach der frü­her ver­tre­te­nen Dop­pel­ver­pflich­tungs­leh­re die Haf­tung der Gesell­schaf­ter mit ihrem Pri­vat­ver­mö­gen dadurch begrün­det wur­de, dass der namens der Gesell­schaft han­deln­de Geschäfts­füh­rer regel­mä­ßig zugleich die Gesell­schaft und die Gesell­schaf­ter ver­pflich­te­te, sein Ver­tre­ter­han­deln somit auch den Gesell­schaf­tern zuge­rech­net wur­de, wird sie nun­mehr in Kon­se­quenz der Aner­ken­nung der beschränk­ten Rechts­fä­hig­keit der Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts in Anleh­nung an die OHG als akzes­so­ri­sche Haf­tung der Gesell­schaf­ter für die Ver­bind­lich­kei­ten der Gesell­schaft aus § 128 HGB her­ge­lei­tet 2.

Dass ein­zel­ne Klä­ger der GbR im Wege eines „Grund­buch­treu­hand­ver­hält­nis­ses“ bei­getre­ten sind, steht ihrer Haf­tung nicht ent­ge­gen.

Zwar setzt eine unmit­tel­ba­re Außen­haf­tung der Klä­ger ana­log §§ 128, 130 HGB vor­aus, dass sie selbst Gesell­schaf­ter gewor­den sind; der­je­ni­ge, der bloß als Treu­ge­ber betei­ligt ist und des­sen Gesell­schafts­an­teil von einem Treu­hän­der gehal­ten wird, haf­tet für Gesell­schafts­schul­den nicht ana­log §§ 128, 130 HGB per­sön­lich 3.

So liegt der Fall hier aber nicht. Eine Aus­le­gung des Gesell­schafts­ver­trags eben­so wie der in die Treu­hand­ver­trä­ge über­nom­me­nen Treu­hand­be­din­gun­gen ergibt, dass die Klä­ger und nicht die „Grund­buch­treu­hän­de­rin“ Gesell­schaf­ter der GbR gewor­den sind. Der Gesell­schafts­ver­trag (§ 4 Nr. 3 Satz 1) sieht schon aus­schließ­lich die Mög­lich­keit vor, sich an der Gesell­schaft als „Direkt­ge­sell­schaf­ter“ zu betei­li­gen; dem­entspre­chend sind sämt­li­che Klä­ger der GbR als unmit­tel­ba­re Gesell­schaf­ter bei­getre­ten. Die mög­li­che Treu­hand­va­ri­an­te ist dar­auf beschränkt, die gesell­schafts­recht­li­chen Rech­te gegen­über dem Grund­buch­amt durch einen Treu­hän­der hal­ten zu las­sen (§ 4 Nr. 3 Satz 2). Die Rechts­stel­lung als unmit­tel­ba­rer Gesell­schaf­ter wird hier­durch nicht berührt. Nach § 4 Nr. 6 Abs. 2 des Gesell­schafts­ver­tra­ges üben alle Gesell­schaf­ter, auch die soge­nann­ten Treu­hand­ge­sell­schaf­ter, ihre Gesell­schaf­ter­rech­te im eige­nen Namen aus; dem ent­spricht § 2 der Treu­hand­be­din­gun­gen, der bestimmt, dass alle mit der Betei­li­gung ver­bun­de­nen Rech­te und Pflich­ten, wie die Rech­te an der Betei­li­gung am Ergeb­nis der Gesell­schaft, Stimm- und sons­ti­ge Mit­wir­kungs­rech­te, bei dem „Treu­hand­ge­sell­schaf­ter“ ver­blei­ben. Nach § 4 Nr. 6 Abs. 2, § 8 des Gesell­schafts­ver­trags haf­ten die „Treu­hand­ge­sell­schaf­ter“ den Gläu­bi­gern der Gesell­schaft mit ihrem sons­ti­gen Ver­mö­gen der Höhe nach unbe­grenzt, wenn auch nur quo­tal ent­spre­chend ihrer kapi­tal­mä­ßi­gen Betei­li­gung an der Gesell­schaft. In Über­ein­stim­mung hier­mit wird nach § 3 der Treu­hand­be­din­gun­gen der „Treu­hand­ge­sell­schaf­ter“ für die Ver­bind­lich­kei­ten der Gesell­schaft, die im Rah­men des Gesell­schafts­zwecks ein­ge­gan­gen wer­den, direkt und per­sön­lich, jedoch nur quo­tal ent­spre­chend sei­ner Betei­li­gung am Ver­mö­gen der Gesell­schaft ver­pflich­tet. Die Ver­ein­ba­rung einer so aus­ge­stal­te­ten blo­ßen „Grund­buch­Treu­hand“, die vor Aner­ken­nung der Grund­buch­fä­hig­keit der Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts 4 den Ver­kehr mit dem Grund­buch­amt bei einem Wech­sel im Gesell­schaf­ter­be­stand ver­ein­fa­chen soll­te (so auch hier gemäß § 1 Abs. 2 der Treu­hand­be­din­gun­gen), ist einem umfas­sen­den Treu­hand­ver­hält­nis, bei dem der Treu­ge­ber nicht Gesell­schaf­ter wird, son­dern ein ande­rer Gesell­schaf­ter für ihn den Gesell­schafts­an­teil hält und nur die­ser nach außen in Erschei­nung tritt, nicht ver­gleich­bar.

Ob ein Treu­hand­ver­hält­nis in der hier gewähl­ten Form wirk­sam ist, was die Klä­ger in Zwei­fel zie­hen, kann offen blei­ben. Denn die Unwirk­sam­keit hät­te ledig­lich die Unrich­tig­keit des Grund­buchs zur Fol­ge (§ 899a BGB, Art. 229 § 21 EGBGB), änder­te aber nichts dar­an, dass nach dem für die Gesell­schaf­ter­stel­lung allein maß­geb­li­chen Gesell­schafts­ver­trag alle Klä­ger, auch die soge­nann­ten Treu­hand­ge­sell­schaf­ter, Gesell­schaf­ter der GbR gewor­den sind und dem­entspre­chend für die Ver­bind­lich­kei­ten der Gesell­schaft ana­log §§ 128, 130 HGB haf­ten 5. Dass auch die Treu­hand­ge­sell­schaf­ter „ech­te“ Gesell­schaf­ter der GbR sind, ent­spricht zudem dem eige­nen Ver­ständ­nis der­je­ni­gen Klä­ger, die sich dafür ent­schie­den haben, ihre Rech­te im Grund­buch von einem „Grund­buch­Treu­hän­der“ hal­ten zu las­sen. Die Revi­si­on der Beklag­ten ver­weist zu Recht dar­auf, dass sämt­li­che Klä­ger im Rah­men ihrer Kla­ge­an­trä­ge die Abtre­tung ihrer Gesell­schafts­an­tei­le und nicht nur die Über­tra­gung der Rech­te aus dem Treu­hand­ver­hält­nis ange­bo­ten haben.

Die Klä­ger, die noch unter der Gel­tung der Dop­pel­ver­pflich­tungs­theo­rie der Fonds­ge­sell­schaft bei­getre­ten sind, haf­ten mit ihrem Pri­vat­ver­mö­gen für die Ver­bind­lich­kei­ten der Gesell­schaft beschränkt auf den ihrer Betei­li­gung am Gesell­schafts­ver­mö­gen ent­spre­chen­den Teil­be­trag der Ver­bind­lich­kei­ten. Nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts ist die­se Haf­tungs­be­schrän­kung – über die Kennt­nis des Gesell­schafts­ver­trags und der Gesamt­kon­zep­ti­on – mit der Beklag­ten ver­ein­bart wor­den. Unab­hän­gig davon kön­nen sich Gesell­schaf­ter geschlos­se­ner Immo­bi­li­en­fonds in der Rechts­form der Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts, die – wie die Klä­ger – der Gesell­schaft zu einer Zeit bei­getre­ten sind, als nach der Leh­re von der Dop­pel­ver­pflich­tung die Haf­tung der Gesell­schaf­ter rechts­ge­schäft­lich ver­ein­bart wer­den muss­te, auch nach der Ände­rung der Recht­spre­chung zur Haf­tungs­ver­fas­sung der Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts 6 aus Grün­den des Ver­trau­ens­schut­zes für die davor geschlos­se­nen Ver­trä­ge wei­ter­hin auf eine im Gesell­schafts­ver­trag vor­ge­se­he­ne Haf­tungs­be­schrän­kung unter der Vor­aus­set­zung beru­fen, dass die Haf­tungs­be­schrän­kung dem Ver­trags­part­ner min­des­tens erkenn­bar war 7. Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen hier vor. Pro­spekt und Gesell­schafts­ver­trag wei­sen deut­lich auf die nur quo­ta­le Haf­tung der künf­tig bei­tre­ten­den Gesell­schaf­ter hin. Dass die Klä­ger nur quo­tal ent­spre­chend ihrer Betei­li­gung an der GbR haf­ten, wird von der Beklag­ten nicht in Abre­de gestellt.

Eine Haf­tung der Klä­ger für die Dar­le­hens­ver­bind­lich­kei­ten der GbR ist nicht des­halb aus­ge­schlos­sen, weil die Ver­bind­lich­kei­ten schon bei ihrem Bei­tritt zur GbR bestan­den haben. Nach der Auf­ga­be der Theo­rie der Dop­pel­ver­pflich­tung in der neue­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs haben die Gesell­schaf­ter eines geschlos­se­nen Immo­bi­li­en­fonds in der Rechts­form einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts ana­log §§ 128, 130 HGB grund­sätz­lich auch für die vor ihrem Bei­tritt begrün­de­ten Ver­bind­lich­kei­ten der Gesell­schaft per­sön­lich ein­zu­ste­hen 8. Dies gilt auch für Gesell­schaf­ter, die noch vor der Ver­öf­fent­li­chung des Urteils des erken­nen­den Bun­des­ge­richts­hofs vom 07.04.2003 9 einer sol­chen Gesell­schaft bei­getre­ten sind, weil die mit die­sem Urteil vor­ge­nom­me­ne Ände­rung der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung nicht nur Wir­kung für die Zukunft, son­dern auch für frü­her begrün­de­te, noch nicht abge­schlos­se­ne Rechts­be­zie­hun­gen ent­fal­tet 10. Die­se soge­nann­te unech­te Rück­wir­kung der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung ist grund­sätz­lich recht­lich unbe­denk­lich 11; Gerich­te sind nicht an eine fest­ste­hen­de Recht­spre­chung gebun­den, die sich im Lich­te bes­se­rer Erkennt­nis als nicht mehr zutref­fend erweist 12. Aller­dings gebie­ten das Rechts­staats­ge­bot und der dar­aus fol­gen­de Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes, in jedem ein­zel­nen Fall einer mit Rück­wir­kung ver­bun­de­nen Recht­spre­chungs­än­de­rung an den Kri­te­ri­en der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit und Zumut­bar­keit zu prü­fen, ob den Inter­es­sen des auf die Fort­gel­tung der bis­he­ri­gen Rechts­la­ge Ver­trau­en­den Vor­rang gegen­über der mate­ri­el­len Gerech­tig­keit ein­zu­räu­men ist 13.

Nach den hier gege­be­nen Umstän­den des Fal­les kön­nen sich die Klä­ger nicht mit Erfolg dar­auf beru­fen, dass sie vor der Ent­schei­dung des erken­nen­den Bun­des­ge­richts­hofs vom 07.04.2003 14 und in Unkennt­nis der 1991 und 1992 geschlos­se­nen Dar­le­hens­ver­trä­ge in die Gesell­schaft ein­ge­tre­ten sind. Die Klä­ger hät­ten bei auch nur gerin­ger Auf­merk­sam­keit erken­nen kön­nen, dass für die Objekt­fi­nan­zie­rung erheb­li­che Fremd­mit­tel benö­tigt wur­den, für deren Rück­zah­lung sie nach den Bestim­mun­gen des Gesell­schafts­ver­trags haf­ten soll­ten. Bei einem Immo­bi­li­en­fonds wer­den typi­scher­wei­se Fremd­mit­tel auf­ge­nom­men. So war es auch hier. Aus dem Pro­spekt ergab sich, dass erheb­li­che Kre­di­te benö­tigt wur­den. Im Inves­ti­ti­ons- und Finan­zie­rungs­plan auf der Sei­te 11 des Pro­spekts und erneut auf Sei­te 4 der Doku­men­ta­ti­on zum Pro­spekt wird aus­drück­lich das benö­tig­te Fremd­ka­pi­tal in Höhe von 23.125.000 DM auf­ge­führt. Zudem wird auf Sei­te 10 des Pro­spekts auf die für die fonds­fi­nan­zie­ren­de Bank bereits ein­ge­tra­ge­ne Grund­schuld in Höhe von 23.125.000 DM hin­ge­wie­sen. Ein Anle­ger, der in eine Publi­kums­ge­sell­schaft ein­tritt, muss auch ohne ent­spre­chen­de gesell­schafts­ver­trag­li­che Rege­lun­gen oder Pro­spekt­an­ga­ben damit rech­nen, dass die zur Finan­zie­rung des Objekts benö­tig­ten Kre­di­te bereits ganz oder teil­wei­se auf­ge­nom­men wor­den sind 15.

Zwar ent­hal­ten weder der Gesell­schafts­ver­trag noch der Pro­spekt einen aus­drück­li­chen Hin­weis dar­auf, dass sich die dort vor­ge­se­he­ne quo­ta­le Haf­tung auch auf sol­che Gesell­schafts­ver­bind­lich­kei­ten bezieht, die schon vor dem Bei­tritt der Gesell­schaf­ter ent­stan­den sind. Ande­rer­seits lässt sich ihnen auch nicht ent­neh­men, dass die Gesell­schaf­ter den Gläu­bi­gern aus­schließ­lich für die nach ihrem Bei­tritt ein­ge­gan­ge­nen Ver­bind­lich­kei­ten haf­ten soll­ten. § 8 Nr. 2 des Gesell­schafts­ver­tra­ges regelt, dass die Gesell­schaf­ter mit ihrem sons­ti­gen Ver­mö­gen für „die Ver­bind­lich­kei­ten der Gesell­schaft“ zwar nur quo­tal ent­spre­chend ihrer kapi­tal­mä­ßi­gen Betei­li­gung, in der Höhe aber unbe­grenzt haf­ten, ohne dass zwi­schen Ver­bind­lich­kei­ten, die beim Bei­tritt zur GbR schon bestan­den haben, und sol­chen, die erst nach die­sem Zeit­punkt begrün­det wor­den sind, unter­schie­den wird. Dem­entspre­chend haben alle Gesell­schaf­ter nach den Vor­ga­ben des Gesell­schafts­ver­trags der von der GbR beauf­trag­ten Geschäfts­be­sor­ge­rin unter ande­rem Voll­macht erteilt, für die schon bestehen­den Kre­di­te antei­lig per­sön­li­che Haf­tungs­er­klä­run­gen abzu­ge­ben; ob die von die­ser namens der Klä­ger erklär­ten per­sön­li­chen Haf­tungs­über­nah­men wirk­sam sind, ist für die hier zu beur­tei­len­de Fra­ge, ob ein über­wie­gen­des schüt­zens­wer­tes Inter­es­se der Klä­ger anzu­er­ken­nen ist, ent­spre­chend der frü­he­ren Rechts­la­ge für die „Alt­ver­bind­lich­kei­ten“ der GbR nicht ana­log § 130 HGB haf­ten zu müs­sen, nicht von Bedeu­tung. Im Übri­gen ist in die­sem Zusam­men­hang auch zu berück­sich­ti­gen, dass die Klä­ger mit ihren Betei­li­gun­gen wirt­schaft­lich an den der Gesell­schaft gewähr­ten Kre­di­ten unab­hän­gig davon teil­ha­ben, ob die Fremd­mit­tel vor oder nach ihrem Bei­tritt auf­ge­nom­men wur­den. Die schon vor ihrem Bei­tritt zur Objekt­fi­nan­zie­rung auf­ge­nom­me­nen Fremd­mit­tel kom­men der Gesell­schaft und mit­hin den Klä­gern als Gesell­schaf­tern glei­cher­ma­ßen zugu­te, wie wenn sie erst nach ihrem Bei­tritt auf­ge­nom­men wor­den wären.

Auch ver­rin­gern die aus der Zwangs­ver­wal­tung des Grund­stücks erziel­ten Erlö­se die per­sön­li­che Haf­tung der Klä­ger nicht. Ihre quo­ta­le Haf­tung als Gesell­schaf­ter bemisst sich nicht nach der im Zeit­punkt der Inan­spruch­nah­me noch offe­nen Rest­dar­le­hens­schuld, son­dern nach dem Nomi­nal­be­trag des aus­ge­reich­ten Dar­le­hens nebst Zin­sen und Kos­ten. Die nach der Ver­wer­tung des Gesell­schafts­ver­mö­gens ver­blei­ben­de Dar­le­hens­rest­schuld bil­det ledig­lich die Ober­gren­ze ihrer Haf­tung.

Wie der Bun­des­ge­richts­hof nach Erlass des Beru­fungs­ur­teils ent­schie­den hat 16, sind Zah­lun­gen und sons­ti­ge Erlö­se aus dem Gesell­schafts­ver­mö­gen nicht kraft Geset­zes auf die Haf­tungs­an­tei­le anzu­rech­nen. Aus der recht­li­chen Ein­ord­nung der Gesell­schaf­ter­haf­tung als akzes­so­ri­sche Haf­tung der Gesell­schaf­ter für die Ver­bind­lich­kei­ten der Gesell­schaft 17 ergibt sich nichts Gegen­tei­li­ges. Der Grund­satz der Akzess­orie­tät von Gesell­schafts­schuld und Gesell­schaf­ter­haf­tung besagt ledig­lich, dass der Bestand der Gesell­schafts­schuld die Ober­gren­ze für die jewei­li­ge per­sön­li­che Haf­tung der Gesell­schaf­ter bil­det. Ob und in wel­chem Umfang Leis­tun­gen aus dem Gesell­schafts­ver­mö­gen oder Erlö­se aus des­sen Ver­wer­tung nicht nur die Schuld der Gesell­schaft, son­dern den Haf­tungs­be­trag jedes ein­zel­nen Gesell­schaf­ters ver­rin­gern, beur­teilt sich aus­schließ­lich nach dem Inhalt der die Gesell­schafts­schuld begrün­den­den Ver­ein­ba­rung.

Den zwi­schen der GbR und der Beklag­ten geschlos­se­nen Ver­ein­ba­run­gen lässt sich indes ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts eine sol­che Beschrän­kung der Haf­tung dahin­ge­hend, dass Leis­tun­gen aus dem Gesell­schafts­ver­mö­gen oder Erlö­se aus des­sen Ver­wer­tung den Haf­tungs­be­trag des quo­tal haf­ten­den Gesell­schaf­ters unmit­tel­bar ver­rin­gern, nicht ent­neh­men. Soweit das Beru­fungs­ge­richt in die­sem Zusam­men­hang auch den Gesell­schafts­ver­trag der GbR her­an­zieht, kann der Bun­des­ge­richts­hof die Aus­le­gung selb­stän­dig vor­neh­men, da der Gesell­schafts­ver­trag einer Publi­kums­ge­sell­schaft objek­tiv aus­zu­le­gen ist 18. Glei­ches gilt für den Fonds­pro­spekt, da die­ser über den Bezirk des Beru­fungs­ge­richts hin­aus ver­wen­det wur­de und daher ein Bedürf­nis nach einer ein­heit­li­chen Aus­le­gung besteht 19. Hin­ge­gen ist die Aus­le­gung des Dar­le­hens­ver­trags als Indi­vi­du­al­ver­ein­ba­rung zwar grund­sätz­lich Sache des Tatrich­ters und revi­si­ons­recht­lich nur dar­auf über­prüf­bar, ob der Tatrich­ter gesetz­li­che oder all­ge­mein aner­kann­te Aus­le­gungs­re­geln, Denk­ge­set­ze oder Erfah­rungs­sät­ze ver­letzt oder wesent­li­chen Aus­le­gungs­stoff außer Acht gelas­sen hat 20. Sol­che Rechts­feh­ler sind hier aber gege­ben. Die Aus­le­gung des Beru­fungs­ge­richts fin­det im Wort­laut der Ver­ein­ba­run­gen kei­ne hin­rei­chen­de Stüt­ze und ver­stößt gegen den Grund­satz der bei­der­sei­ti­gen inter­es­sen­ge­rech­ten Aus­le­gung.

Zwar haf­ten die Klä­ger nach der gesell­schafts­ver­trag­li­chen Rege­lung nur quo­tal. Allein aus dem Begriff „quo­tal“ lässt sich aber regel­mä­ßig nicht her­lei­ten, dass mit der Über­nah­me die­ser Beschrän­kung in den mit einem Kre­dit­ge­ber der Gesell­schaft geschlos­se­nen Dar­le­hens­ver­trag die Haf­tung stets auf den offe­nen Rest­be­trag des Dar­le­hens bezo­gen sein soll 21. Ist ver­ein­bart, dass die Gesell­schaf­ter für das von der Gesell­schaft auf­ge­nom­me­ne Dar­le­hen nur quo­tal haf­ten, bedeu­tet dies ledig­lich, dass ihre Haf­tung auf den jewei­li­gen Anteil ihrer Betei­li­gung beschränkt ist. Damit ist nicht fest­ge­legt, von wel­chem Betrag sich ihre Quo­te berech­net. Begnügt sich der Kre­dit­ge­ber abwei­chend von der nach dem Gesetz (§ 128 HGB ana­log) ein­tre­ten­den gesamt­schuld­ne­ri­schen Haf­tung der Gesell­schaf­ter mit einer teil­schuld­ne­ri­schen Haf­tung bezo­gen auf den Dar­le­hens­be­trag, recht­fer­tigt dies nicht ohne wei­te­res den Schluss, dass die in die­sem Sinn beschränk­te Haf­tung der Gesell­schaf­ter mit jeder Ver­rin­ge­rung des Dar­le­hens­sal­dos, hier durch den Erlös aus der Zwangs­ver­wal­tung des Grund­stücks, gerin­ger wer­den und der Kre­dit­ge­ber damit über die aus­drück­lich ver­ein­bar­te (quo­ta­le) Haf­tungs­be­schrän­kung hin­aus wei­ter­ge­hend das Risi­ko der Insol­venz der Gesell­schaf­ter tra­gen soll.

Für einen Wil­len der ver­trags­schlie­ßen­den Par­tei­en, dass jede Ver­rin­ge­rung des Dar­le­hens­sal­dos unmit­tel­bar auch die quo­ta­len Haf­tungs­bei­trä­ge der Gesell­schaf­ter ver­min­dern soll, erge­ben sich im hier ent­schie­de­nen Fall aus den dar­le­hens­ver­trag­li­chen Rege­lun­gen kei­ne hin­rei­chen­den Anhalts­punk­te.

Die­ses Aus­le­gungs­er­geb­nis ist inter­es­sen­ge­recht. Die per­sön­li­che gesamt­schuld­ne­ri­sche Haf­tung der Gesell­schaf­ter ent­spricht dem Wesen der Per­so­nen­ge­sell­schaft und ihren Haf­tungs­ver­hält­nis­sen, weil die Gesell­schaft kein eige­nes, zu Guns­ten ihrer Gläu­bi­ger gebun­de­nes garan­tier­tes Haft­ka­pi­tal besitzt 22. Begnügt sich der Kre­dit­ge­ber abwei­chend von der nach dem Gesetz regel­mä­ßig ein­tre­ten­den gesamt­schuld­ne­ri­schen Haf­tung der Gesell­schaf­ter mit deren teil­schuld­ne­ri­schen Haf­tung ent­spre­chend ihrer Betei­li­gung am Gesell­schafts­ver­mö­gen, sol­len jedoch dar­über hin­aus Zah­lun­gen und Erlö­se aus dem Gesell­schafts­ver­mö­gen die vom ursprüng­li­chen Dar­le­hens­be­trag berech­ne­ten Haf­tungs­be­trä­ge der Gesell­schaf­ter ver­min­dern, bedarf dies, nimmt man § 128 HGB in den Blick, einer – hier nicht gege­be­nen – ein­deu­ti­gen Ver­ein­ba­rung.

Dadurch, dass Zah­lun­gen und Erlö­se aus dem Gesell­schafts­ver­mö­gen auf die Haf­tungs­be­trä­ge der Gesell­schaf­ter nicht ange­rech­net wer­den, ent­steht nicht die Gefahr, dass die Gesell­schaf­ter für eine Ver­bind­lich­keit haf­ten, obwohl die Gesell­schafts­schuld erlo­schen ist. Viel­mehr schei­det eine dop­pel­te Befrie­di­gung der Gläu­bi­ge­rin wegen der Akzess­orie­tät der Gesell­schaf­ter­haf­tung von vorn­her­ein aus. Erlangt die Beklag­te Zah­lung in Höhe der noch offe­nen Dar­le­hens­schuld und erlischt die­se, schul­den auch die Gesell­schaf­ter nichts mehr (§ 129 HGB).

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil und Teil-Ver­säum­nis­ur­teil vom 19. Juli 2011 – II ZR 300/​08

  1. BGH, Urteil vom 29.01.2001 – II ZR 331/​00, BGHZ 146, 341[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 27.09.1999 – II ZR 371/​98, BGHZ 142, 315; Urteil vom 29.01.2001 – II ZR 331/​00, BGHZ 146, 341; Urteil vom 21.01.2002 – II ZR 2/​00, BGHZ 150, 1; Urteil vom 24.02.2003 – II ZR 385/​99, BGHZ 154, 88; Urteil vom 07.04.2003 – II ZR 56/​02, BGHZ 154, 370; Urteil vom 08.02.2011 – II ZR 263/​09, ZIP 2011, 909 Rn. 23; Urteil vom 08.02.2011 – II ZR 243/​09, ZIP 2011, 914 Rn. 14[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 11.11.2008 – XI ZR 468/​07, BGHZ 178, 271 Rn. 21; Urteil vom 12.02.2009 – III ZR 90/​08, NZG 2009, 380 Rn. 35; Urteil vom 20.07.2010 – XI ZR 465/​07, ZIP 2010, 1590 Rn. 25; Urteil vom 22.03.2011 – II ZR 271/​08, ZIP 2011, 906 Rn. 10[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 04.12.2008 – V ZB 74/​08, BGHZ 179, 102[]
  5. vgl. schon BGH, Urteil vom 25.10.2005 – XI ZR 402/​03, ZIP 2006, 121 Rn. 2, 17[]
  6. BGH, Urteil vom 27.09.1999 – II ZR 371/​98, BGHZ 142, 315; Urteil vom 29.01.2001 – II ZR 331/​00, BGHZ 146, 341[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 21.01.2002 – II ZR 2/​00, BGHZ 150, 1, 5[]
  8. BGH, Urteil vom 07.04.2003 – II ZR 56/​02, BGHZ 154, 370, 373 ff.; Urteil vom 18.07.2006 – XI ZR 143/​05, ZIP 2006, 1622 Rn. 34 ff.; Urteil vom 17.10.2006 – XI ZR 185/​05, ZIP 2007, 169 Rn. 18 ff.[]
  9. II ZR 56/​02, BGHZ 154, 370[]
  10. BGH, Urteil vom 29.02.1996 – IX ZR 153/​95, BGHZ 132, 119, 129 f.[]
  11. vgl. BVerfGE 74, 129, 155; BGH, Urteil vom 29.02.1996 – IX ZR 153/​95, BGHZ 132, 119, 129[]
  12. BVerfGE 59, 128, 165[]
  13. BVerfGE 59, 128, 165; BGH, Urteil vom 29.02.1996 – IX ZR 153/​95, BGHZ 132, 119, 130 f.; Urteil vom 12.12.2005 – II ZR 283/​03, ZIP 2006, 82 Rn. 16[]
  14. II ZR 56/​02, BGHZ 154, 370, 373 ff.[]
  15. BGH, Urteil vom 17.10.2006 – XI ZR 185/​05, ZIP 2007, 169 Rn.19[]
  16. BGH, Urteil vom 08.02.2011 – II ZR 263/​09, ZIP 2011, 909 Rn. 26 ff.; Urteil vom 08.02.2011 – II ZR 243/​09, ZIP 2011, 914 Rn. 17 ff.[]
  17. BGH, Urteil vom 29.01.2001 – II ZR 331/​00, BGHZ 146, 341, 358[]
  18. st.Rspr., vgl. nur BGH, Urteil vom 19.03.2007 – II ZR 73/​06, ZIP 2007, 812 Rn. 18; Urteil vom 11.01.2011 – II ZR 187/​09, ZIP 2011, 322 Rn. 12 m.w.N.; Urteil vom 01.03.2011 – II ZR 16/​10, ZIP 2011, 957 Rn. 8[]
  19. BGH, Urteil vom 22.03.2007 – III ZR 218/​06, ZIP 2007, 871 Rn. 6[]
  20. st.Rspr., sie­he nur BGH, Urteil vom 08.11.2004 – II ZR 300/​02, ZIP 2005, 82, 83; Urteil vom 07.03.2005 – II ZR 194/​03, ZIP 2005, 1068, 1069; Urteil vom 16.03.2009 – II ZR 68/​08, ZIP 2009, 880 Rn. 12; Beschluss vom 14.06.2010 – II ZR 135/​09, ZIP 2010, 1442 Rn. 7[]
  21. BGH, Urteil vom 08.02.2011 – II ZR 263/​09, ZIP 2011, 909 Rn. 32; Urteil vom 08.02.2011 – II ZR 243/​09, ZIP 2011, 914 Rn. 25[]
  22. BGH, Urteil vom 07.04.2003 – II ZR 56/​02, BGHZ 154, 370, 373[]