Umbu­chung per Last­schrift

Bei Per­so­nen­iden­ti­tät zwi­schen Zah­lungs­pflich­ti­gem und Zah­lungs­emp­fän­ger im Ein­zugs­er­mäch­ti­gungs­ver­fah­ren greift die Zahl­stel­le auf­grund eines von dem zah­lungs­pflich­ti­gen Kon­to­in­ha­ber der ers­ten Inkasso­stel­le erteil­ten Auf­trags auf des­sen Kon­to zu, sodass der Zah­lungs­vor­gang mit vor­he­ri­ger Zustim­mung des Kon­to­in­ha­bers erfolgt und des­we­gen von vorn­her­ein wirk­sam ist. Einer Geneh­mi­gung der Last­schrift bedarf es in die­sem Fall nicht.

Umbu­chung per Last­schrift

Ein Insol­venz­ver­wal­ter ist in der Lage, die Geneh­mi­gung von Last­schrif­ten durch den Schuld­ner und den Ein­tritt einer Geneh­mi­gungs­fik­ti­on zu ver­hin­dern, indem er sol­chen Belas­tungs­bu­chun­gen wider­spricht 1. Ein Wider­ruf des Insol­venz­ver­wal­ters bleibt hin­ge­gen wir­kungs­los, soweit zuvor Last­schrift­bu­chun­gen von dem Last­schrift­schuld­ner geneh­migt wor­den sind 2.

Eine kon­klu­den­te Geneh­mi­gung der Last­schrif­ten kann nicht bereits dar­in gese­hen wer­den, dass der Schuld­ner in Kennt­nis der Belas­tungs­bu­chun­gen sein Kon­to bis zur Erklä­rung des Wider­spruchs durch den Insol­venz­ver­wal­ter wei­ter­ge­nutzt hat. Die kon­to­füh­ren­de Bank kann allein aus wei­te­ren Kon­to­dis­po­si­tio­nen näm­lich nicht ent­neh­men, der Kon­to­in­ha­ber bil­li­ge den um die frü­he­ren Last­schrift­bu­chun­gen gemin­der­ten Kon­to­stand 3.

Auch die Rege­lung in den AGB der Ban­ken zur Fik­ti­on einer Geneh­mi­gung mit Ablauf von sechs Wochen nach Zugang des Rech­nungs­ab­schlus­ses ste­he einer kon­klu­den­ten Geneh­mi­gung vor Ablauf die­ser Frist nicht ent­ge­gen. Wie der Bun­des­ge­richts­hof nach Erlass des Beru­fungs­ur­teils ent­schie­den hat, kann eine kon­klu­den­te eben­so wie eine aus­drück­li­che Geneh­mi­gung bereits vor Ablauf der in den Geschäfts­be­din­gun­gen gere­gel­ten Wider­rufs­frist in Betracht kom­men, da Rege­lungs­zweck die­ser Klau­sel gera­de die mög­lichst früh­zei­ti­ge Klä­rung des Bestands von Last­schrift­bu­chun­gen ist 4.

Die Annah­me aller­dings, der Umstand, dass die streit­ge­gen­ständ­li­chen Last­schrif­ten zuguns­ten eines auf den Namen des Schuld­ners lau­ten­den Kon­tos ein­ge­zo­gen wor­den sind, spre­che nicht für deren Geneh­mi­gung, da sol­che Buchun­gen wie jede ande­re Zah­lung des Schuld­ners auf die For­de­rung eines Drit­ten zu behan­deln sei­en,. über­sieht, dass es zur Wirk­sam­keit einer sol­chen Buchung kei­ner Geneh­mi­gung bedarf, da die Last­schrift mit Ein­wil­li­gung des Kon­to­in­ha­bers erfolgt ist. Ver­an­lasst näm­lich die­ser – wie hier der Schuld­ner – im Wege des Ein­zugs­er­mäch­ti­gungs­ver­fah­rens eine Zah­lung von sei­nem bei der Zahl­stel­le geführ­ten Giro­kon­to auf ein eige­nes Kon­to bei der ers­ten Inkasso­stel­le, so hat er mit dem Auf­trag zum Last­schrift­ein­zug an die ers­te Inkasso­stel­le regel­mä­ßig zugleich sei­ne Ein­wil­li­gung mit der Belas­tung des Kon­tos bei der Zahl­stel­le erteilt 5.

Zwar erfolgt nach der für die strei­ti­gen Last­schrif­ten gel­ten­den Geneh­mi­gungs­theo­rie, an der der Bun­des­ge­richts­hof für das her­kömm­li­che Ein­zugs­er­mäch­ti­gungs­ver­fah­ren fest­hält 6, bei Per­so­nen­ver­schie­den­heit von Zah­lungs­pflich­ti­gem und Zah­lungs­emp­fän­ger der Zugriff auf das Kon­to des zah­lungs­pflich­ti­gen Kon­to­in­ha­bers unbe­rech­tigt, sodass die Belas­tungs­bu­chung erst mit des­sen Geneh­mi­gung wirk­sam wird 7. Bei Per­so­nen­iden­ti­tät zwi­schen Zah­lungs­pflich­ti­gem und Zah­lungs­emp­fän­ger greift die Zahl­stel­le jedoch auf­grund eines von dem Zah­lungs­pflich­ti­gen der ers­ten Inkasso­stel­le erteil­ten Auf­trags und damit berech­tigt auf des­sen Kon­to zu. Ein sol­cher vom Kon­to­in­ha­ber aus­ge­lös­ter kon­kre­ter Zah­lungs­vor­gang erfolgt auch im Ein­zugs­er­mäch­ti­gungs­ver­fah­ren mit des­sen Ein­wil­li­gung und ist des­we­gen von vorn­her­ein wirk­sam. Die Fra­ge einer Geneh­mi­gung der Last­schrift stellt sich in die­sem Fall nicht.

Damit ist ent­schei­dend, dass vor­lie­gend die ers­te Inkasso­stel­le auf Wei­sung des zah­lungs­pflich­ti­gen Kon­to­in­ha­bers und nicht auf Wei­sung eines außen­ste­hen­den Gläu­bi­gers die Ein­zie­hung von dem bei der Beklag­ten als Zahl­stel­le geführ­ten Kon­to ver­an­lasst hat. Der wei­sungs­ge­mä­ße Zugriff auf die­ses Kon­to war folg­lich von Beginn an von der Zustim­mung des Schuld­ners als Kon­to­in­ha­ber gedeckt, ohne dass es dar­auf ankommt, wel­chen wirt­schaft­li­chen Zweck der Schuld­ner damit ver­folgt hat.

Auch aus der maß­geb­li­chen Sicht der Zahl­stel­le besitzt die Tat­sa­che, dass der Kon­to­in­ha­ber die Last­schrift zuguns­ten eines auf ihn lau­ten­den Kon­tos ein­ge­zo­gen hat, den objek­ti­ven Erklä­rungs­wert 8, dass die­ser in die Belas­tungs­bu­chung ein­wil­ligt. Die nach Abschnitt I Nr. 3 Last­schrift­ab­kom­men 9 bei der ers­ten Inkasso­stel­le erfass­ten, an die Zahl­stel­le über­mit­tel­ten und von die­ser dem Zah­lungs­pflich­ti­gen mit­ge­teil­ten Daten der Buchung ent­hal­ten den Namen von Schuld­ner und Emp­fän­ger der Ein­zie­hungs­last­schrift. Ist dar­in die­sel­be Per­son – hier der Schuld­ner – als Zah­len­der und Zah­lungs­emp­fän­ger genannt, hat aus Sicht der Zahl­stel­le der Kon­to­in­ha­ber die Ein­zie­hung von sei­nem Kon­to in Auf­trag gege­ben und damit zugleich die vor­he­ri­ge Zustim­mung zu der Last­schrift­bu­chung erklärt. Wei­ter­ge­hen­de Kennt­nis­se zu der vom Kon­to­in­ha­ber beab­sich­tig­ten Ver­wen­dung der Zah­lungs­be­trä­ge besitzt die Zahl­stel­le regel­mä­ßig nicht. Auf die vom Beru­fungs­ge­richt ange­schnit­te­ne Fra­ge, ob der Schuld­ner mit den Last­schrift­be­trä­gen For­de­run­gen der Inkasso­stel­le aus Dar­le­hens­ver­trä­gen erfüllt hat, kommt es auch aus die­sem Grund nicht an.

Einer Umbu­chung im Wege der Ein­zie­hungs­er­mäch­ti­gung zwi­schen ver­schie­de­nen Kon­ten des­sel­ben Inha­bers steht das Last­schrift­ab­kom­men nicht ent­ge­gen. Danach hängt die Wirk­sam­keit einer im Ver­fah­ren der Ein­zie­hungs­er­mäch­ti­gung bewirk­ten Zah­lung nicht davon ab, ob ihr ein schuld­recht­li­cher Zah­lungs­an­spruch zwi­schen Kon­to­in­ha­ber und Zah­lungs­emp­fän­ger zugrun­de liegt. Eine Rück­ab­wick­lung ein­ge­lös­ter Last­schrif­ten ist zwar vor­ge­se­hen, wenn eine Ein­zie­hungs­er­mäch­ti­gung nicht erteilt wor­den ist (vgl. Abschnitt I Nr. 5 Last­schrift­ab­kom­men) oder der Zah­lungs­pflich­ti­ge der Belas­tungs­bu­chung bin­nen sechs Wochen wider­spro­chen hat (vgl. Abschnitt III Nr. 1 und 2 Last­schrift­ab­kom­men). Hat hin­ge­gen der Kon­to­in­ha­ber aus­drück­lich oder kon­klu­dent der kon­kre­ten Abbu­chung zuge­stimmt, ist die­ser Zah­lungs­vor­gang – eben­so wie bei einer Über­wei­sung – unab­hän­gig davon wirk­sam, ob den Buchungs­vor­gän­gen ein Valu­t­aver­hält­nis zwi­schen einem Zah­lungs­schuld­ner und gläu­bi­ger zugrun­de liegt 10. Auf­grund des­sen besteht auch nicht die Besorg­nis, der Kon­to­in­ha­ber kön­ne sich durch den in sei­nem Belie­ben ste­hen­den Wider­ruf einer von ihm selbst aus­ge­lös­ten Last­schrift – anders als bei einer Über­wei­sung – ohne Wei­te­res miss­bräuch­lich Liqui­di­tät ver­schaf­fen 11. Viel­mehr ist wegen der für die Zahl­stel­le von Beginn an erkenn­ba­ren vor­he­ri­gen Zustim­mung des Kon­to­in­ha­bers zur Last­schrift deren Wider­ruf grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Mai 2011 – XI ZR 391/​0

  1. sie­he BGH, Urtei­le vom 20.07.2010 – XI ZR 236/​07, BGHZ 186, 269 Rn. 11, vom 23.11.2010 – XI ZR 370/​08, WM 2011, 63 Rn. 13 und vom 25.01.2011 – XI ZR 171/​09, WM 2011, 454 Rn. 11, jeweils mwN[]
  2. BGH, Urtei­le vom 20.07.2010 – XI ZR 236/​07, BGHZ 186, 269 Rn. 41 und vom 22.02.2011 – XI ZR 261/​09, WM 2011, 688 Rn. 11[]
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 20.07.2010 – XI ZR 236/​07, BGHZ 186, 269 Rn. 45, 47, vom 26.10.2010 – XI ZR 562/​07, WM 2010, 2307 Rn. 19 und vom 23.11.2010 – XI ZR 370/​08, WM 2011, 63 Rn. 17[]
  4. BGH, Urtei­le vom 20.07.2010 – XI ZR 236/​07, BGHZ 186, 269 Rn. 43, vom 26.10.2010 – XI ZR 562/​07, WM 2010, 2307 Rn. 14 ff., vom 23.11.2010 – XI ZR 370/​08, WM 2011, 63 Rn. 15 und vom 25.01.2011 – XI ZR 171/​09, WM 2011, 454 Rn. 12 ff.[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 16.12.2008 – XI ZR 574/​07, juris[]
  6. BGH, Urteil vom 20.07.2010 – XI ZR 236/​07, BGHZ 186, 269 Rn. 10 f.; grund­le­gend BGH, Urtei­le vom 14.02.1989 – XI ZR 141/​88, WM 1989, 520, 521 und vom 11.04.2006 – XI ZR 220/​05, BGHZ 167, 171 Rn. 12 ff.[]
  7. vgl. BGH, Urtei­le vom 14.02.1989 – XI ZR 141/​88, WM 1989, 520, 521 und vom 11.04.2006 – XI ZR 220/​05, BGHZ 167, 171 Rn. 13[]
  8. vgl. dazu BGH, Urteil vom 01.03.2011 – XI ZR 320/​09, WM 2011, 743 Rn. 14[]
  9. i.d.F. vom 01.02.2002[]
  10. vgl. OLG Mün­chen, WM 1996, 1038, 1039; Münch­Komm-HGB/H­ad­din­g/Häu­ser, 2. Aufl., Band 5, Recht des Zah­lungs­ver­kehrs Rn. C6[]
  11. so aber Schimansky/​Bunte/​Lwowski/​van Gel­der, Bank­rechts-Hand­buch, 3. Aufl., § 56 Rn. 39a[]

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