Ver­brau­cher­dar­le­hen – und die Ver­wir­kung des Wider­rufs­rechts

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 1 steht einer Berück­sich­ti­gung der Frei­ga­be von Sicher­hei­ten bei der Prü­fung des Umstands­mo­ments der Ver­wir­kung nicht ent­ge­gen, dass der Dar­le­hens­ge­ber nach Been­di­gung des Dar­le­hens­ver­trags und nach voll­stän­di­ger Erfül­lung der aus dem unwi­der­ru­fe­nen Dar­le­hens­ver­trag resul­tie­ren­den Pflich­ten des Dar­le­hens­neh­mers die Sicher­hei­ten ohne­hin frei­zu­ge­ben hät­te.

Ver­brau­cher­dar­le­hen – und die Ver­wir­kung des Wider­rufs­rechts

Die Sicher­hei­ten sichern regel­mä­ßig auch Ansprü­che aus einem Rück­ge­währ­schuld­ver­hält­nis nach § 357 Abs. 1 Satz 1 BGB in der bis zum 12.06.2014 gel­ten­den Fas­sung in Ver­bin­dung mit §§ 346 ff. BGB. Dem Rück­ge­währ­an­spruch des Dar­le­hens­neh­mers aus der Siche­rungs­ab­re­de haf­tet die für den Fall des Wider­rufs auf­lö­sen­de Rechts­be­din­gung einer Reva­lu­tie­rung an. Been­det der Dar­le­hens­ge­ber trotz der Mög­lich­keit der Reva­lu­tie­rung durch Rück­ge­währ der Sicher­heit den Siche­rungs­ver­trag, kann dar­in die Aus­übung beacht­li­chen Ver­trau­ens im Sin­ne des § 242 BGB lie­gen 2.

Indem das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he den Dar­le­hens­ge­ber in Fäl­len des Wider­rufs der auf Abschluss eines zwi­schen­zeit­lich been­de­ten Dar­le­hens­ver­trags gerich­te­ten Wil­lens­er­klä­rung des Dar­le­hens­neh­mers grund­sätz­lich auf die Auf­rech­nung der aus dem Rück­ge­währ­schuld­ver­hält­nis resul­tie­ren­den Ansprü­che ver­wie­sen hat 3, hat es den Aspekt der Sicher­hei­ten­frei­ga­be als für die Ver­wir­kung rele­vant für been­de­te Dar­le­hens­ver­trä­ge aus­ge­schlos­sen. Dabei hat es in Abkehr von der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung den Rechts­satz auf­ge­stellt, in der Frei­ga­be der Sicher­hei­ten lie­ge kei­ne beacht­li­che Mani­fes­ta­ti­on des Ver­trau­ens des Dar­le­hens­ge­bers dar­auf, die Bezie­hun­gen der Par­tei­en fän­den für die Zukunft in jeder Hin­sicht ihr Ende. Ent­ge­gen der Rechts­mei­nung des Beru­fungs­ge­richts ist die Betä­ti­gung eines ent­spre­chen­den Ver­trau­ens bei der Wür­di­gung der nach § 242 BGB rele­van­ten Umstän­de mit zu berück­sich­ti­gen. Dar­auf, ob der Dar­le­hens­ge­ber nach Ent­ste­hung des Rück­ge­währ­schuld­ver­hält­nis­ses auch noch auf ande­re Wei­se die Erfül­lung sei­ner For­de­rung erlan­gen könn­te, kommt es nicht an.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 14. Janu­ar 2020 – XI ZR 401/​18

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 16.10.2018 – XI ZR 45/​18, WM 2018, 2274 f.; und – XI ZR 69/​18, WM 2018, 2275 ff.[]
  2. BGH, Urtei­le vom 11.09.2018 – XI ZR 125/​17, WM 2018, 2128 Rn. 34; vom 16.10.2018 – XI ZR 45/​18, WM 2018, 2274 Rn. 17 sowie – XI ZR 69/​18, WM 2018, 2275 Rn. 15; vom 02.04.2019 – XI ZR 687/​17 18; und vom 15.10.2019 – XI ZR 759/​17, WM 2019, 2164 Rn. 33; BGH, Beschluss vom 23.01.2018 – XI ZR 298/​17, WM 2018, 614 Rn.20 mwN[]
  3. OLG Karls­ru­he, Urteil vom 26.06.2018 17 U 233/​16; eben­so bereits OLG Karls­ru­he, WM 2018, 622 ff. und ZIP 2018, 467 ff.; vgl. hier­zu auch BGH, Urtei­le vom 16.10.2018 – XI ZR 45/​18, WM 2018, 2274 f. und – XI ZR 69/​18, WM 2018, 2275 ff.[]