Ver­gü­tungs­po­li­tik im Ban­ken­sek­tor

Die EU-Kom­mis­si­on hat eine Emp­feh­lun­gen zur Ver­gü­tungs­po­li­tik im Finanz­dienst­leis­tungs­sek­tor her­aus­ge­ge­ben.

Ver­gü­tungs­po­li­tik im Ban­ken­sek­tor

Auch wenn sie nicht die Haupt­ur­sa­che der 2007 und 2008 ent­stan­de­nen Finanz­kri­se waren, waren die unan­ge­mes­se­nen Ver­gü­tungs­prak­ti­ken im Finanz­dienst­leis­tungs­sek­tor nach Auf­fas­sung der Kom­mis­si­on an das Ein­ge­hen über­mä­ßi­ger Risi­ken gekop­pelt und tru­gen so zu den erheb­li­chen Ver­lus­ten wich­ti­ger Finanz­in­sti­tu­te bei. Die gän­gi­gen Ver­gü­tungs­prak­ti­ken in einem Groß­teil der Finanz­dienst­leis­tungs­bran­che lie­fen, so die Kom­mis­si­on wei­ter, einem effi­zi­en­ten und soli­den Risi­ko­ma­nage­ment zuwi­der. Mit die­sen Prak­ti­ken wur­de das Erzie­len kurz­fris­ti­ger Gewin­ne belohnt und die Mit­ar­bei­ter wur­den dazu ver­lei­tet, die mit unge­bühr­lich hohen Risi­ken ver­bun­de­nen Tätig­kei­ten fort­zu­set­zen, mit denen kurz­fris­tig höhe­re Gewin­ne erzielt wur­den. Lang­fris­tig wur­den die Finanz­in­sti­tu­te aber höhe­ren poten­zi­el­len Ver­lus­ten aus­ge­setzt.

Sofern die Risi­ko­ma­nage­ment- und Kon­troll­sys­te­me vom Ansatz her soli­de und hoch­ef­fi­zi­ent sind, müss­ten die Anrei­ze zum Ein­ge­hen von Risi­ken, so wie sie von den Ver­gü­tungs­prak­ti­ken geschaf­fen wer­den, mit der Risi­ko­to­le­ranz eines Finanz­in­sti­tuts grund­sätz­lich ver­ein­bar sein. Alle Risi­ko­ma­nage­ment- und Kon­troll­sys­te­me haben aber ihre Gren­zen und kön­nen – wie die Finanz­kri­se gezeigt hat – im Fal­le von durch unan­ge­mes­se­ne Anrei­ze geschaf­fe­nen Risi­ken ver­sa­gen, da die Risi­ken immer kom­ple­xer wer­den und die Art und Wei­se, wie ein Risi­ko ein­ge­gan­gen wird, stark vari­ie­ren kann. Folg­lich ist eine ein­fa­che funk­tio­nel­le Tren­nung zwi­schen den Geschäfts­ab­tei­lun­gen und dem für das Risi­ko­ma­nage­ment und die Kon­troll­sys­te­me zustän­di­gen Per­so­nal zwar schon jetzt erfor­der­lich, aber nach Auf­fas­sung der EU-Kom­mis­si­on in Zukunft nicht mehr aus­rei­chend. Die Schaf­fung ange­mes­se­ner Anrei­ze im Ver­gü­tungs­sys­tem selbst dürf­te, so die EU-Kom­mis­si­on, den Druck auf das Risi­ko­ma­nage­ment sen­ken und die Wahr­schein­lich­keit, dass die­se Sys­te­me wirk­sam arbei­ten, erhö­hen. Dar­um bedarf es der Fest­le­gung von Grund­sät­zen für eine soli­de Ver­gü­tungs­po­li­tik. Ange­sichts des Wett­be­werbs­drucks in der Finanz­dienst­leis­tungs­bran­che und der Tat­sa­che, dass die meis­ten Finanz­in­sti­tu­te grenz­über­grei­fend tätig sind, muss, wie die EU-Kom­mis­si­on aus­drück­lich fest­stellt, unbe­dingt sicher­ge­stellt wer­den, dass die Grund­sät­ze einer soli­den Ver­gü­tungs­stra­te­gie in allen Mit­glied­staa­ten kon­sis­tent ange­wandt wer­den. Es steht jedoch außer Fra­ge, dass die Grund­sät­ze einer soli­den Ver­gü­tungs­stra­te­gie – sol­len sie stär­ker grei­fen – welt­weit und kohä­rent ange­wandt wer­den soll­ten.

Die Emp­feh­lun­gen der Kom­mis­si­on fin­den sich im Voll­text im Doku­men­ten­re­gis­ter des Rates der EU.

Emp­feh­lung der Kom­mis­si­on zur Ver­gü­tungs­po­li­tik im Finanz­dienst­leis­tungs­sek­tor – SEK(2009) 580, SEK(2009) 581