Ver­harm­lo­sung der Anla­ge­ri­si­ken im Wer­berund­schrei­ben des Anla­ge­ver­mitt­lers

Bei einer blo­ßen Anla­ge­ver­mitt­lung ist – anders als bei der Anla­ge­be­ra­tung – eine beson­de­re auf die Anla­ger-belan­ge zuge­schnit­te­ne Bera­tung (Anla­ge­ziel, Risi­ko­be­reit­schaft etc.) nicht geschul­det. Der Anla­ge­ver­mitt­ler darf die im Pro­spekt ent­hal­te­nen Risi­ko­hin­wei­se nicht ent­kräf­ten. Ein Rund­schrei­ben des Ver­mitt­lers an poten­ti­el­le Anla­ge­in­ter­es­sen­ten mit ein­deu­ti­gem Anprei­sungs- und Wer­be­cha­rak­ter, stellt nicht zwang­läu­fig eine Ver­harm­lo­sung der Risi­ken dar. Glei­ches gilt für vom Ver­mitt­ler selbst erstell­te "Bei­blät­ter" mit stich­wort­ar­ti­gen Zusam­men­fas­sun­gen über 100 Sei­ten lan­ger Emis­si­ons­pro­spek­te.

Ver­harm­lo­sung der Anla­ge­ri­si­ken im Wer­berund­schrei­ben des Anla­ge­ver­mitt­lers

Trotz der recht­zei­ti­gen Über­ga­be eines ord­nungs­ge­mä­ßen Pro­spekts haf­tet der Ver­mitt­ler wegen fal­scher Anga­ben also dann, wenn er vom Pro­spekt abwei­chen­de oder dar­über hin­aus­ge­hen­de Anga­ben über die Betei­li­gungs­ge­sell­schaft macht und dadurch etwa im Pro­spekt ent­hal­te­ne Risi­ko­hin­wei­se ent­kräf­tet 1.

Grund­sätz­lich ist es einem Anla­ge­ver­mitt­ler nicht ver­wehrt, zunächst sei­ne poten­ti­el­len Anla­ge­in­ter­es­sen­ten in Form eines Rund­schrei­bens, das ein­deu­tig Anprei­sungs- und Wer­be­cha­rak­ter hat, auf die Vor­zü­ge einer Anla­ge hin­zu­wei­sen. Es liegt auf der Hand, dass sol­che Infor­ma­tio­nen für ein kom­ple­xes Anla­ge­pro­dukt lücken­haft und unvoll­stän­dig sind. Glei­ches gilt für selbst erstell­te "Bei­blät­ter" mit stich­wort­ar­ti­gen Zusam­men­fas­sun­gen über 100 Sei­ten lan­ger Emis­si­ons­pro­spek­te. Das bedeu­tet jedoch nicht, dass die­se (Kurz-)Informationen auto­ma­tisch immer gleich falsch sind. Mög­li­che Miss­ver­ständ­nis­se und Irri­ta­tio­nen kön­nen näm­lich inso­weit bereits dadurch aus­ge­räumt wer­den, dass der Kun­de zeit­gleich und aus­drück­lich wegen der voll­stän­di­gen Infor­ma­ti­on auf die Maß­geb­lich­keit des Emis­si­ons­pro­spekts hin­ge­wie­sen wird.

Das war vor­lie­gend der Fall: die vom Anla­ge­ver­mitt­ler ver­fass­ten Bei­blät­ter ent­hiel­ten jeweils den aus­drück­li­chen Zusatz: "Die­ses Bei­blatt dient als Über­blick. Bin­dend und allein maß­geb­lich für eine Betei­li­gung an der … ist allein der offi­zi­el­le Emis­si­ons­pro­spekt!".

Die Haf­tung des Anla­ge­be­ra­ter­s/-ver­mitt­lers für etwai­ge unrich­ti­ge oder irre­füh­ren­de Anga­ben ent­fällt außer­dem dann, wenn er sie rich­tig gestellt hat. Dafür ist der Anla­ge­ver­mitt­ler beweis­pflich­tig 2.

Schles­wig ‑Hol­stei­ni­sches Ober­lan­des­ge­richt, Beschluss vom 5. Novem­ber 2013 – 5 U 86/​13

  1. OLG Mün­chen, Urteil vom 13.12 2010 – WM 2012, 446-448 m. H. a. BGH, Urteil vom 19.06.2008 – III ZR 159/​07; OLG Mün­chen, Urteil vom 25.09.2012, 18 U 4290/​11[]
  2. BGH, Urteil vom 05.03.2009 – III ZR 17/​08, WM 2009, 739; OLG Mün­chen, Urteil vom 13.12 2010 – 19 U 1594/​08, WM 2012, 446-448[]