Ver­jäh­rungs­hem­mung per Güte­an­trag – und sei­ne Indi­vi­dua­li­sie­rung in Anla­ge­be­ra­tungs­fäl­len

Der Güte­an­trag hat in Anla­ge­be­ra­tungs­fäl­len regel­mä­ßig die kon­kre­te Kapi­tal­an­la­ge zu bezeich­nen, die Zeich­nungs­sum­me sowie den (unge­fäh­ren) Bera­tungs­zeit­raum anzu­ge­ben und den Her­gang der Bera­tung min­des­tens im Gro­ben zu umrei­ßen.

Ver­jäh­rungs­hem­mung per Güte­an­trag – und sei­ne Indi­vi­dua­li­sie­rung in Anla­ge­be­ra­tungs­fäl­len

Fer­ner ist das ange­streb­te Ver­fah­rens­ziel zumin­dest soweit zu umschrei­ben, dass dem Geg­ner und der Güte­stel­le ein Rück­schluss auf Art und Umfang der ver­folg­ten For­de­rung mög­lich ist; eine genaue Bezif­fe­rung der For­de­rung muss der Güte­an­trag sei­ner Funk­ti­on gemäß dem­ge­gen­über grund­sätz­lich nicht ent­hal­ten [1].

Auch bedarf es für die Indi­vi­dua­li­sie­rung nicht der Anga­be von Ein­zel­hei­ten, wie sie für die Sub­stan­ti­ie­rung des anspruchs­be­grün­den­den Vor­brin­gens erfor­der­lich sind [2].

Ein Güte­an­trag, der zwar den Namen und die Anschrift der Klä­ge­rin (als „antrag­stel­len­de Par­tei“), die Fonds­ge­sell­schaf­ten, die Ver­trags­num­mern und die Sum­me der jewei­li­gen Ein­la­gen (zuzüg­lich 5 % Agio) sowie eine Rei­he der gel­tend gemach­ten Bera­tungs- bzw. Pro­spekt­män­gel, den Namen des Bera­ters und den Zeit­raum der Bera­tung und Zeich­nung jedoch nicht erwähnt, genügt die­sen Anfor­de­run­gen nicht.

Im hier ent­schie­de­nen Fall kam noch hin­zu, dass das ange­streb­te Ver­fah­rens­ziel (Art und Umfang der For­de­rung) im Dun­keln blieb. Im Güte­an­trag ist davon die Rede, dass die antrag­stel­len­de Par­tei so zu stel­len sei, als ob kei­ne Betei­li­gun­gen zustan­de gekom­men wären. Der gefor­der­te Scha­dens­er­satz umfas­se „sämt­li­che auf­ge­brach­ten Kapi­tal­be­trä­ge sowie ent­gan­ge­nen Gewinn und ggf. vor­han­de­ne sons­ti­ge Schä­den (z.B. aus Dar­le­hens­fi­nan­zie­rung oder Steu­er­rück­zah­lun­gen)“ sowie Rechts­an­walts­kos­ten und „künf­tig noch aus der Betei­li­gung ent­ste­hen­de Schä­den“. Dabei bleibt offen („ggf.“), ob und inwie­weit das ein­ge­brach­te Betei­li­gungs­ka­pi­tal im vor­lie­gen­den Fall fremd­fi­nan­ziert war, so dass ein etwai­ger Scha­den – wie hier – auch oder gar zu einem gro­ßen Teil in den auf­ge­brach­ten Zins- und Til­gungs­leis­tun­gen bestan­den hät­te [3]. Auch die wei­te­ren Schä­den (ent­gan­ge­ner Gewinn und sons­ti­ge Schä­den) blei­ben voll­ends unbe­stimm­bar. Die Grö­ßen­ord­nung des gel­tend gemach­ten Anspruchs ist für die Beklag­te (als Antrags­geg­ne­rin und Schuld­ne­rin) und für die Güte­stel­le hier­nach aus dem Güte­an­trag nicht zu erken­nen und auch nicht wenigs­tens im Gro­ben ein­zu­schät­zen gewe­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. Janu­ar 2016 – III ZR 116/​15

  1. BGH, Urtei­le vom 18.06.2015 – III ZR 198/​14, NJW 2015, 2407, 2409 Rn. 25 mwN, zur Ver­öf­fent­li­chung in BGHZ vor­ge­se­hen; vom 20.08.2015 – III ZR 373/​14, NJW 2015, 3297, 3298 Rn. 18; vom 03.09.2015 – III ZR 347/​14, Beck­RS 2015, 16019 Rn. 17; und vom 15.10.2015 – III ZR 170/​14, WM 2015, 2181, 2182 Rn. 17; BGH, Beschlüs­se vom 13.08.2015 – III ZR 380/​14, Beck­RS 2015, 15051 Rn. 14 und – III ZR 358/​14, BKR 2015, 527 Rn. 3[]
  2. BGH, Urteil vom 15.10.2015 aaO a.E.[]
  3. vgl. dazu auch BGH, Urtei­le vom 20.08.2015 aaO S. 3299 Rn. 22; und vom 03.09.2015 aaO Rn. 18[]