Ver­kaufs­pro­spekt für einen geschlos­se­nen Immo­bi­li­en­fonds – und die wei­chen Kosten

Gemäß § 9 Abs. 2 Nr. 9 VermVer­k­Pro­spV aF sind die vor­aus­sicht­li­chen Gesamt­kos­ten des Anla­ge­ob­jekts in einer Auf­glie­de­rung, die ins­be­son­de­re Anschaf­fungs- und Her­stel­lungs­kos­ten sowie sons­ti­ge Kos­ten aus­weist, anzu­ge­ben1.

Ver­kaufs­pro­spekt für einen geschlos­se­nen Immo­bi­li­en­fonds – und die wei­chen Kosten

Die­sen Anfor­de­run­gen genüg­te der Ver­kaufs­pro­spekt in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall. Er geht sogar dar­über hin­aus, indem er inner­halb der anzu­ge­ben­den Kos­ten­blö­cke nach ein­zel­nen Kos­ten­po­si­tio­nen dif­fe­ren­ziert2. Bei den ein­zel­nen Posi­tio­nen ist neben einer Wert­an­ga­be in abso­lu­ten Zah­len jeweils der pro­zen­tua­le Anteil am Eigen­ka­pi­tal (inklu­si­ve Agio) sowie an der Gesamt­in­ves­ti­ti­on in der Tabel­le aus­ge­wie­sen. Der Anle­ger kann dadurch im Detail ent­neh­men, in wel­chem Umfang sei­ne Betei­li­gung wofür ver­wen­det wird, und kann somit jede Posi­ti­on für sich genom­men oder in der Zusam­men­schau mit ande­ren Posi­tio­nen in sei­ne Anla­ge­ent­schei­dung mit­ein­flie­ßen las­sen. Auf­grund die­ser Auf­glie­de­rung in Ein­zel­po­si­tio­nen ist die Anga­be nicht erfor­der­lich, wel­che die­ser Posi­tio­nen unter dem Begriff der „Weich­kos­ten“ zusam­men­ge­fasst wer­den könn­ten und wie hoch der Gesamt­weich­kos­ten­an­teil ist.

Auch soweit die Rechts­be­schwer­den die feh­len­de Anga­be eines pro­zen­tua­len Anteils für die Posi­ti­on „Zins­vor­aus­zah­lung“ bean­stan­den, blei­ben sie ohne Erfolg. Der pro­zen­tua­le Anteil der Zins­vor­aus­zah­lung kann durch den Anle­ger mit­tels einer ein­fa­chen Rech­nung ermit­telt wer­den, so dass eine der­ar­ti­ge Anga­be nicht erfor­der­lich war3. Die Höhe der ein­be­hal­te­nen Zins­vor­aus­zah­lung ist mit 19.904.112 € ange­ge­ben. Fer­ner sind das Eigen­ka­pi­tal (zuzüg­lich Agio) mit 166.950.000 € sowie die Gesamt­in­ves­ti­ti­on mit 346.087.004 € beziffert.

Weiterlesen:
Schadensersatz für eine Indexanleihe

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. März 2021 – XI ZB 3/​18

  1. vgl. auch BGH, Urteil vom 06.02.2006 – II ZR 329/​04, WM 2006, 905 Rn. 9; Beschluss vom 21.04.2015 – II ZR 169/​14 12; Urtei­le vom 03.11.2015 – II ZR 270/​14, WM 2016, 72 Rn. 16; vom 21.06.2016 – II ZR 331/​14, WM 2016, 1487 Rn. 16; und vom 12.10.2017 – III ZR 254/​15, WM 2017, 2188 Rn. 22[]
  2. vgl. Unzi­cker, Ver­k­Pro­spG, 2010, § 9 VermVer­k­Pro­spV Rn. 82[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 12.12.2013 – III ZR 404/​12, WM 2014, 118 Rn. 15 f.; Beschluss vom 23.09.2014 – II ZR 319/​13 37 ff.[]