Wäh­rungs­swap – und die Bera­tungs­pflicht der Bank

Der Bun­des­ge­richts­hof hat sich in einem wei­te­ren Ver­fah­ren damit beschäf­tigt, ob eine bera­ten­de Bank im Zusam­men­hang mit der Emp­feh­lung eines Swap-Ver­tra­ges, hier eines Wäh­rungs­swap-Ver­tra­ges (sog. Cross-Cur­ren­cy-Swap-Ver­trag; im Fol­gen­den: CCS-Ver­trag), zur Zah­lung von Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet ist. Im Mit­tel­punkt der Ent­schei­dung stand die – vom Bun­des­ge­richts­hof ver­nein­te – Fra­ge, ob eine bera­ten­de Bank, die selbst nicht Ver­trags­part­ne­rin des Swap-Ver­trags ist, über den nega­ti­ven Markt­wert auf­zu­klä­ren hat.

Wäh­rungs­swap – und die Bera­tungs­pflicht der Bank

Der Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs lag ein CCS zwi­schen Tür­ki­scher Lira und Schwei­zer Fran­ken zugrun­de: Anfang des Jah­res 2007 wand­te sich der Klä­ger, ein ver­mö­gen­der Geschäfts­mann mit Erfah­run­gen in Fremd­wäh­rungs­dar­le­hen und ein­fa­chen Swap-Geschäf­ten, an die Beklag­te, um einen CCS-Ver­trag abzu­schlie­ßen. Dabei gab er das von ihm für den Swap-Ver­trag gewünsch­te Wäh­rungs­paar, näm­lich Tür­ki­sche Lira (im Fol­gen­den: TRY) und Schwei­zer Fran­ken (im Fol­gen­den: CHF) vor. Am 24. Juni 2008 stell­ten der zustän­di­ge Kun­den­be­treu­er und ein auf Finanz­ter­min­ge­schäf­te spe­zia­li­sier­ter Mit­ar­bei­ter einer Toch­ter­ge­sell­schaft der Beklag­ten dem Klä­ger anhand ihm bereits zuvor über­sand­ter Prä­sen­ta­ti­ons­un­ter­la­gen einen CCS einer Lan­des­bank vor. Bei die­sem Gespräch unter­zeich­ne­te der Klä­ger das For­mu­lar "Kun­den­an­ga­ben für Geschäf­te in Finanz­in­stru­men­te", in dem er sich als "spe­ku­la­tiv" ein­ord­ne­te. Der wei­te­re Inhalt des Bera­tungs­ge­sprächs ist zwi­schen den Par­tei­en strei­tig. Im Sep­tem­ber 2011 schloss der Klä­ger mit der Lan­des­bank einen Rah­men­ver­trag für Finanz­ter­min­ge­schäf­te und einen CCS-Ver­trag mit dem Wäh­rungs­paar Tür­ki­sche Lira (TRY) und Schwei­zer Fran­ken (CHF) ab. Der Ver­trag hat­te eine fes­te Lauf­zeit von drei Jah­ren und ent­hielt als Bezugs­grö­ßen einen Fest­be­trag von 900.735 TRY und einen sol­chen von 795.000 CHF. Die Lan­des­bank ver­pflich­te­te sich in dem CCS-Ver­trag, an den Klä­ger wäh­rend der Ver­trags­lauf­zeit an zwölf fest­ge­leg­ten Ter­mi­nen jeweils Zin­sen in Höhe von 15,66 % p.a. auf den Fest­be­trag in TRY und bei Lauf­zeit­ende den Fest­be­trag in TRY zu zah­len; der Klä­ger ver­pflich­te­te sich im Gegen­zug, wäh­rend der Ver­trags­lauf­zeit an die Lan­des­bank an zwölf fest­ge­leg­ten Ter­mi­nen jeweils Zin­sen i. H. von 3,6 % p.a. auf den Fest­be­trag in CHF und bei Lauf­zeit­ende den Fest­be­trag in CHF zu zah­len.

Im Mai 2010 ver­pfän­de­te der Klä­ger das für ihn bei der Beklag­ten ein­ge­rich­te­te Fremd­wäh­rungs­kon­to, auf das die von der Lan­des­bank geleis­te­ten Zins­zah­lun­gen ein­gin­gen, zur Sicher­heit an die Beklag­te. Dar­über hin­aus schlos­sen die Par­tei­en einen Aval­kre­dit-Rah­men­ver­trag über 150.000 €, der als "Risi­ko­li­nie" für den CCS-Ver­trag genutzt wer­den soll­te. Wäh­rend der Ver­trags­lauf­zeit wer­te­te die Tür­ki­sche Lira gegen­über dem Schwei­zer Fran­ken ab, so dass sich der Bar­wert des CCS-Ver­trags zu Unguns­ten des Klä­gers ent­wi­ckel­te. Nach­dem die Beklag­te den Klä­ger infol­ge einer Über­schrei­tung des ihm ein­ge­räum­tem Kre­dits mehr­fach erfolg­los zu einer Bar­un­ter­le­gung auf­ge­for­dert hat­te, stell­te sie im Sep­tem­ber 2011 den CCS-Ver­trag glatt, ver­wer­te­te das an sie ver­pfän­de­te Fremd­wäh­rungs­kon­to des Klä­gers mit einem Gut­ha­ben von umge­rech­net 108.848,76 € und belas­te­te ein wei­te­res Kon­to des Klä­gers in Höhe des noch offe­nen Rest­be­tra­ges von 180.151,24 €.

Die unter ande­rem auf Rück­zah­lung von 180.151,24 € nebst Zin­sen gerich­te­te Kla­ge hat­te weder erst­in­stanz­lich vor dem Land­ge­richt Nürn­berg-Fürth 1 noch in der Beru­fungs­in­stanz vor dem Ober­lan­des­ge­richt Nürn­berg 2 Erfolg. Und auch der Bun­des­ge­richts­hof wies nun in der Revi­si­ons­in­stanz das Kla­ge­be­geh­ren zurück.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs war die beklag­te Bank bereits aus Rechts­grün­den nicht ver­pflich­tet, den Klä­ger über den – von ihm behaup­te­ten – nega­ti­ven Markt­wert des emp­foh­le­nen Swap-Ver­tra­ges auf­zu­klä­ren. Die­ser spie­gelt näm­lich nicht den vor­aus­sicht­li­chen Erfolg und Miss­erfolg des Geschäf­tes wider, son­dern den Markt­wert bei Abschluss des Ver­tra­ges, der zu die­sem Zeit­punkt durch Glatt­stel­lung des Ver­tra­ges rea­li­sier­bar wäre. Für den Kun­den bedeu­tet dies, dass er zunächst die ein­struk­tu­rier­te Brut­to­mar­ge erwirt­schaf­ten muss, um sei­ner­seits in die Gewinn­zo­ne zu gelan­gen. Zugleich muss er bei sofor­ti­ger Lösung vom Ver­trag einen Ver­lust in Höhe des nega­ti­ven Markt­werts tra­gen. Die­se Situa­ti­on stellt sich damit mit Rück­sicht auf das Ver­lust­ri­si­ko für den Kun­den nicht anders als bei sons­ti­gen Finanz­pro­duk­ten dar, die, wie ins­be­son­de­re außer­börs­li­che Deri­vat­ge­schäf­te, einen nega­ti­ven Markt­wert auf­wei­sen, über den eben­falls nicht auf­zu­klä­ren ist. Die Emp­feh­lung eines Swap-Ver­tra­ges kann daher trotz des anfäng­lich nega­ti­ven Markt­werts objekt­ge­recht sein, sofern – was der Klä­ger hier nicht sub­stan­ti­iert behaup­tet hat – die Gewinn­chan­cen und damit die "Wert­hal­tig­keit" des Swaps nicht nach­hal­tig durch über­mä­ßi­ge Kos­ten- und Gewinn­be­stand­tei­le beein­träch­tigt wer­den. Soweit der Bun­des­ge­richts­hof im Jahr 2011 für einen CMS Spread Lad­der Swap-Ver­trag ent­schie­den hat, dass eine Bank, die zugleich Ver­trags­part­ne­rin des Swap-Ver­trags ist, im Rah­men eines dane­ben bestehen­den Bera­tungs­ver­trags einen anfäng­li­chen nega­ti­ven Markt­wert zu offen­ba­ren hat, weil dar­in ein schwer­wie­gen­der, für den Kun­den nicht offen­sicht­li­cher Inter­es­sen­kon­flikt zum Aus­druck kommt, der geeig­net ist, die Inter­es­sen des Anle­gers zu gefähr­den (vgl. BGH, Urteil vom 22.03.2011 – XI ZR 33/​10, BGHZ 189, 13 Rn. 33 ff. mwN), ist die die­ser Ent­schei­dung zugrun­de­lie­gen­de Fall­ge­stal­tung mit der vor­lie­gen­den nicht ver­gleich­bar, weil die Beklag­te nicht zugleich Ver­trags­part­ne­rin des CCS-Ver­tra­ges war und es damit von vorn­her­ein an einem schwer­wie­gen­den Inter­es­sen­kon­flikt fehl­te.

Soweit das Ober­lan­des­ge­richt Nürn­berg des Wei­te­ren ange­nom­men hat, dass die Beklag­te ihrer Pflicht zu einer anle­ger- und anla­ge­ge­rech­ten Bera­tung des Klä­gers auch im Übri­gen nach­ge­kom­men ist, sind die dage­gen gerich­te­ten Angrif­fe der Revi­si­on eben­falls erfolg­los geblie­ben, weil die dies­be­züg­li­chen Aus­füh­run­gen des Beru­fungs­ge­richts kei­nen Rechts­feh­ler auf­wei­sen und die zugrun­de­lie­gen­den Fest­stel­lun­gen ver­fah­rens­feh­ler­frei getrof­fen wor­den sind. Ins­be­son­de­re hat­te die Beklag­te vor ihrer Emp­feh­lung die Kennt­nis­se und Erfah­run­gen des Klä­gers, sei­ne Risi­ko­be­reit­schaft, sei­ne finan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten und sein Anla­ge­ziel ermit­telt. Auf­grund des­sen durf­te sie davon aus­ge­hen, dass dem Klä­ger das mit dem emp­foh­le­nen CCS-Ver­trag ver­bun­de­ne Fremd­wäh­rungs­ri­si­ko und das Risi­ko von Kurs­schwan­kun­gen bewusst war und sei­ner Risi­ko­nei­gung ent­sprach, zumal nicht nur die Initia­ti­ve für das streit­ge­gen­ständ­li­che Geschäft vom Klä­ger aus­ge­gan­gen war, son­dern er auch das Wäh­rungs­paar und den Ein­stiegs­kurs im Ver­hält­nis der bei­den Wäh­run­gen vor­ge­ge­ben hat­te. Schließ­lich hat das Beru­fungs­ge­richt auch einen Ver­stoß der Beklag­ten gegen ihre Pflicht zur objekt­ge­rech­ten Bera­tung rechts­feh­ler­frei ver­neint.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. Janu­ar 2015 – XI ZR 316/​13

  1. LG Nürn­berg-Fürth, Urteil vom 28.09.2012 – 10 O 7990/​11[]
  2. OLG Nürn­berg, Urteil vom 19.08.2013 – 4 U 2138/​12[]