Wider­spruchs­frist bei Last­schrif­ten

Ein Rech­nungs­ab­schluss, der die Frist in Lauf set­zen soll, nach deren Ende von dem mit­ge­teil­ten Sal­do umfass­te Last­schrift­bu­chun­gen als geneh­migt gel­ten, muss für den Kon­to­in­ha­ber das Ziel der kon­to­füh­ren­den Bank, einen abschlie­ßen­den Sal­do fest­zu­stel­len, klar erken­nen las­sen. Eine aus­drück­li­che Bezeich­nung als Rech­nungs- oder Peri­oden­ab­schluss ist nicht erfor­der­lich, wenn die Abrech­nung aus der objek­ti­ven Sicht des Kon­to­in­ha­bers erkenn­bar abschlie­ßend ist.

Wider­spruchs­frist bei Last­schrif­ten

Kon­klu­den­te Geneh­mi­gung durch Wei­ter­nut­zung des Giro­kon­tos

Zwar trifft es zu, dass eine kon­to­füh­ren­de Bank allein der wei­te­ren Nut­zung eines Giro­kon­tos nicht ent­neh­men kann, der Kon­to­in­ha­ber bil­li­ge vor­aus­ge­hen­de Last­schrift­bu­chun­gen und den um die frü­he­ren Last­schrift­bu­chun­gen gemin­der­ten Kon­to­stand 1.

Aller­dings kann die Tat­sa­che, dass der Kon­to­in­ha­ber bei sei­nem wei­te­ren Zah­lungs­ver­hal­ten dem Kon­to­stand Rech­nung trägt, der sich unter Berück­sich­ti­gung der Last­schrift­bu­chun­gen ergibt, den Schluss recht­fer­ti­gen, dass er die­sen Last­schrift­bu­chun­gen nicht wider­spre­chen will. Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat, kann jeden­falls im hier vor­lie­gen­den unter­neh­me­ri­schen Geschäfts­ver­kehr, in dem Last­schrift­bu­chun­gen vom Schuld­ner im All­ge­mei­nen lau­fend nach­voll­zo­gen wer­den, etwa die Tat­sa­che, dass ein Kon­to­in­ha­ber in Kennt­nis erfolg­ter Abbu­chun­gen durch kon­kre­te Ein­zah­lun­gen oder Über­wei­sun­gen zeit­nah aus­rei­chen­de Kon­to­de­ckung für wei­te­re Dis­po­si­tio­nen sicher­stellt, im Ein­zel­fall für eine kon­klu­den­te Geneh­mi­gung bereits gebuch­ter Last­schrif­ten spre­chen, da sich der Kon­to­in­ha­ber andern­falls auf leich­te­rem Wege Liqui­di­tät hät­te ver­schaf­fen kön­nen, indem er älte­ren, sei­ner Ansicht nach unbe­rech­tig­ten Belas­tungs­bu­chun­gen wider­spricht 2.

Eine kon­klu­den­te Geneh­mi­gung kommt, wie der Bun­des­ge­richts­hof eben­falls bereits ent­schie­den hat, wei­ter in Betracht, wenn es sich für die Zahl­stel­le erkenn­bar um regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­de Last­schrif­ten aus Dau­er­schuld­ver­hält­nis­sen, lau­fen­den Geschäfts­be­zie­hun­gen oder zum Ein­zug von wie­der­keh­ren­den Steu­er­vor­aus­zah­lun­gen und Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen han­delt. Erhebt der Schuld­ner in Kennt­nis eines erneu­ten Last­schrift­ein­zugs, der sich im Rah­men des bereits Geneh­mig­ten bewegt, nach einer ange­mes­se­nen Über­le­gungs­frist kei­ne Ein­wen­dun­gen, so kann auf­sei­ten der Zahl­stel­le die berech­tig­te Erwar­tung ent­ste­hen, die neue Belas­tungs­bu­chung sol­le Bestand haben. Dies gilt jeden­falls, wenn das Kon­to im unter­neh­me­ri­schen Geschäfts­ver­kehr geführt wird, da dann die Zahl­stel­le damit rech­nen kann, dass Kon­to­be­we­gun­gen zeit­nah nach­voll­zo­gen und über­prüft wer­den 3.

Einer kon­klu­den­ten Geneh­mi­gung steht dabei nicht ent­ge­gen, dass lau­fen­de Last­schrift­zah­lun­gen nur "teil­wei­se" in monat­lich glei­cher Höhe erfolgt sei­en. Es reicht viel­mehr aus, dass sich die abge­buch­ten Beträ­ge inner­halb der Schwan­kungs­brei­te bereits zuvor geneh­mig­ter Last­schrif­ten bewe­gen 4 oder die­se nicht wesent­lich über- oder unter­schrit­ten haben 5.

Kon­klu­den­te Geneh­mi­gung nach Kon­to­aus­zug

Bei einem Rech­nungs­ab­schluss muss das Ziel der kon­to­füh­ren­den Bank, einen abschlie­ßen­den Sal­do für die betref­fen­de Abrech­nungs­pe­ri­ode fest­zu­stel­len, für den Kon­to­in­ha­ber klar erkenn­bar sein. Dies kann bei­spiels­wei­se durch einen Zusatz "(Jahres‑, Halbjahres‑, Vier­tel­jah­res-) Abschluss" erfol­gen. Die Zusen­dung eines Tagesaus­zugs allein reicht hin­ge­gen eben­so wenig aus, wie die eines sons­ti­gen Pos­ten­sal­dos, in den peri­odisch abzu­rech­nen­de Gebüh­ren und Zin­sen auf­ge­nom­men wor­den sind 6.

Jedoch wer­den nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs die Anfor­de­run­gen an einen Rech­nungs­ab­schluss über­spannt, wenn es vom kon­to­füh­ren­den Insti­tut die Ver­wen­dung einer sol­chen Bezeich­nung ver­langt, obwohl nach sei­ner Fest­stel­lung die frag­li­che Kon­to­ab­rech­nung der Beklag­ten ersicht­lich abschlie­ßend war. Da ein Rech­nungs­ab­schluss nicht form­ge­bun­den ist, reicht es aus, dass eine Abrech­nung, die die kon­to­kor­rent­un­ter­wor­fe­nen Ansprü­che erfasst und sal­diert, auf­grund wei­te­rer Anhalts­punk­te aus der objek­ti­ven Sicht des Kon­to­in­ha­bers als Rech­nungs­ab­schluss erkenn­bar ist. Sach­lich geht auch das Beru­fungs­ge­richt davon aus, dass in der Schluss­ab­rech­nung vom 10.03.2008 wie erfor­der­lich die in das Kon­to­kor­rent des Giro­ver­trags bis zu des­sen Been­di­gung fal­len­den Ansprü­che des Kun­den und der Bank voll­stän­dig ver­rech­net wor­den sind und als Ergeb­nis ein Sal­do fest­ge­stellt ist 7. Kann der Bank­kun­de eine sol­che Kon­to­ab­rech­nung aus objek­ti­ver Emp­fän­ger­sicht als Rech­nungs­ab­schluss erken­nen, beginnt die in den AGB vor­ge­se­he­ne Frist von sechs Wochen, nach deren Ablauf von dem mit­ge­teil­ten Sal­do umfass­te Last­schrift­bu­chun­gen als geneh­migt gel­ten. Eine aus­drück­li­che Bezeich­nung als "(Jahres‑, Halbjahres‑, Vier­tel­jah­res-) Abschluss" oder als Rech­nungs- oder Peri­oden­ab­schluss ist nach den AGB nicht zwin­gend. Es reicht viel­mehr aus, dass die Abrech­nung erkenn­bar abschlie­ßend ist.

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall war das Kon­to auf­ge­löst wor­den, der am 10.03.2008 erstell­te Kon­to­aus­zug ent­hielt alle bis dahin abzu­rech­nen­den For­de­run­gen und war nach dem ange­füg­ten Schrei­ben vom 11.03.2008 erkenn­bar abschlie­ßend. Danach stell­te die­ser Kon­to­aus­zug aus der maß­geb­li­chen objek­ti­ven Sicht der Schuld­ne­rin den letz­ten Rech­nungs­ab­schluss der Bank über das been­de­te Kon­to­kor­rent dar. Jeden­falls im hier vor­lie­gen­den kauf­män­ni­schen Geschäfts­ver­kehr ist eine Schluss­ab­rech­nung, die einer Kon­to­auf­lö­sung unmit­tel­bar nach­folgt und alle wech­sel­sei­ti­gen For­de­run­gen bis zur Been­di­gung des Kon­to­kor­rents, ins­be­son­de­re den antei­li­gen Betrag von Kon­to­füh­rungs­ge­büh­ren aus dem lau­fen­den Quar­tal ent­hält, aus objek­ti­ver Sicht des Kon­to­in­ha­bers als letz­ter Rech­nungs­ab­schluss der Bank anzu­se­hen. Für die Annah­me, es kön­ne sich um einen ein­fa­chen Tagesaus­zug gehan­delt haben, der ledig­lich als Pos­ten­sal­do gel­ten soll, bestand ange­sichts der voll­stän­di­gen Abrech­nung des Kon­to­kor­rents und des den Kon­to­aus­zug beglei­ten­den Schrei­bens vom 11.03.2008, in dem die Been­di­gung der gesam­ten Geschäfts­be­zie­hung mit­ge­teilt wur­de, kein Raum. Ein ordent­li­cher Peri­oden­ab­schluss kam ohne­hin nicht in Betracht, da das Kon­to­kor­rent mit Kon­to­auf­lö­sung wäh­rend einer Abrech­nungs­pe­ri­ode ende­te und der abschlie­ßen­de Sal­do sofort fäl­lig war, sodass ein Rech­nungs­ab­schluss wie hier der Aus­zug Nr. nur die bis zur Kon­to­auf­lö­sung ange­fal­le­nen wech­sel­sei­ti­gen Ansprü­che erfas­sen konn­te. Dem­entspre­chend hat die Beklag­te in dem Schrei­ben vom 11.03.2008 für den sich aus dem Rech­nungs­ab­schluss erge­ben­den Sal­do Ver­zugs­zin­sen und nicht mehr die ver­ein­bar­ten Über­zie­hungs­zin­sen gefor­dert.

Im kon­kre­ten Fall tritt hin­zu, dass die Bank den sich nach Rech­nungs­ab­schluss erge­ben­den Sal­do an eine Inkas­so­ge­sell­schaft zediert, die­se Zes­si­on in dem genann­ten Schrei­ben offen gelegt und danach ihre For­de­rung gegen die Schuld­ne­rin als aus­ge­gli­chen gekenn­zeich­net hat. Dar­aus konn­te die Schuld­ne­rin als Kon­to­in­ha­be­rin zusätz­lich erken­nen, dass die Beklag­te zur Fest­stel­lung des Sal­dos einen letz­ten Rech­nungs­ab­schluss aller in das Kon­to­kor­rent fal­len­der For­de­run­gen erstel­len woll­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Novem­ber 2011 – XI ZR 158/​10

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 20.07.2010 XI ZR 236/​07, BGHZ 186, 269 Rn. 45, 47, vom 26.10.2010 XI ZR 562/​07, WM 2010, 2307 Rn.19 und vom 23.11.2010 XI ZR 370/​08, WM 2011, 63 Rn. 17[]
  2. vgl. dazu BGH, Urtei­le vom 23.11.2010 – XI ZR 370/​08, WM 2011, 63 Rn.20; vom 25.01.2011 – XI ZR 171/​09, WM 2011, 454 Rn. 21; vom 22.02.2011 – XI ZR 261/​09, WM 2011, 688 Rn. 25; und vom 28.06.2011 – XI ZR 197/​10, WM 2011, 1553 Rn. 15[]
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 20.07.2010 – XI ZR 236/​07, BGHZ 186, 269 Rn. 48; vom 26.10.2010 – XI ZR 562/​07, WM 2010, 2307 Rn. 21; vom 23.11.2010 – XI ZR 370/​08, WM 2011, 63 Rn. 16; vom 03.05.2011 – XI ZR 152/​09, WM 2011, 1267 Rn. 11; und vom 20.09.2011 – XI ZR 215/​10, WM 2011, 2041 Rn. 17[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 03.05.2011 XI ZR 152/​09, WM 2011, 1267 Rn. 11[]
  5. BGH, Urtei­le vom 27.09.2011 XI ZR 328/​09, zur Ver­öf­fent­li­chung vor­ge­se­hen, Umdruck Rn. 22 und XI ZR 215/​10, WM 2011, 2041 Rn. 18[]
  6. BGH, Urteil vom 24.04.1985 I ZR 176/​83, WM 1985, 936, 937[]
  7. vgl. dazu Bun­te in Schimansky/​Bunte/​Lwowski, Bank­rechts­Hand­buch, 4. Aufl., § 12 Rn. 6[]