WM-Spar­plan

Wird als Neben­leis­tung eines Spar­pla­nes die Lie­fe­rung zwei­er Kar­ten für das Vor­run­den­spiel der deut­schen Natio­nal­mann­schaft oder für das Achtel‑, Vier­tel- bzw. Halb­fi­na­le bei der WM 2006 ver­ein­bart und kann dies nicht ein­ge­hal­ten wer­den, besteht ein Anspruch auf Scha­den­er­satz. Als Ver­kehrs­wert ist aller­dings der Wert einer Kar­te der nied­rigs­ten Kate­go­rie anzu­set­zen. Der Erwerb einer höher­wer­ti­gen Tickets stellt ledig­lich eine Chan­ce dar. Ein Anspruch dar­auf besteht nicht.

WM-Spar­plan

In einem vom Amts­ge­richt Mün­chen ent­schie­de­nen Fall schloss ein Fuß­ball­fan im Juli 2002 bei einer Bank einen Spar­plan ab. Die Bank garan­tier­te damals im Hin­blick auf die Fuß­ball­welt­meis­ter­schaft 2006 in Deutsch­land, dass die­je­ni­gen Spa­rer, die die­sen Spar­plan abschlie­ßen, in den Genuss eines „WM-Pake­tes“ kom­men wür­den. Die­ses Paket soll­te zwei Kar­ten für ein Vor­run­den­spiel der deut­schen Natio­nal­mann­schaft oder zwei Kar­ten für das Achtel‑, Vier­tel- oder Halb­fi­na­le, das offi­zi­el­le WM-Tri­kot, die WM-Fah­ne, den WM-Schal und den WM-Ball ent­hal­ten. Die Ver­tei­lung der Kar­ten (auch der unter­schied­li­chen Kate­go­ri­en) soll­te durch Los erfol­gen. Die Teil­neh­mer an dem Spar­plan hät­ten dann über eine Online-Tausch­bör­se die Mög­lich­keit gehabt, die Kar­ten unter­ein­an­der aus­zu­tau­schen. Vor­aus­set­zung für die Teil­nah­me war, dass die Kun­den min­des­tens 1800 € bis zum 31.12.05 anspar­ten, was der Fuß­ball­fan auch tat.

Für das Fan­ar­ti­kel­pa­ket soll­ten nach den Bedin­gun­gen 300 € abge­zo­gen wer­den, die rest­li­che Anspar­sum­me stand zur frei­en Ver­fü­gung. Im Jahr 2006 hat­te die Bank aller­dings Schwie­rig­kei­ten, das ver­ein­bar­te zu besor­gen. Sie bot dem Kun­den statt­des­sen eine sofor­ti­ge Gut­schrift über 500 € oder eine Tra­ding­ge­büh­ren­gut­schrift über 1000 €. Dies lehn­te der Kun­de aller­dings ab. Auch wei­te­re Kulanz­an­ge­bo­te lehn­te der Kun­de ab. Schließ­lich konn­te die Bank die Fan­ar­ti­kel besor­gen, an Kar­ten kam sie nicht.

Die Fan­ar­ti­kel woll­te der Kun­de nun aber nicht mehr. Die­se hät­te er beim Spiel benut­zen wol­len. Vor dem Fern­se­her wären sie sinn­los. Er for­der­te statt­des­sen Zah­lung von 1000 €. Dies sei der Wert der Kar­ten. Dies hielt nun­mehr die Bank für über­zo­gen. Als Scha­den­er­satz könn­ten allen­falls 35 € pro Ticket ver­langt wer­den, da kei­ne Ver­pflich­tung für eine höhe­re Kate­go­rie als die bil­ligs­te erfolgt sei. Die Ticket­prei­se auf dem Schwarz­markt sei­en nicht maß­geb­lich. Gegen die 70 Euro rech­ne­te die Bank mit den noch aus­ste­hen­den 300 € für das Fan­ar­ti­kel­pa­ket auf.

Das Amts­ge­richt Mün­chen wies die Kla­ge des Kun­den auf die von ihm ver­lang­ten 1000 € ab: Zwar schul­de die Bank grund­sätz­lich Scha­den­er­satz, da sie die zuge­si­cher­ten Tickets nicht lie­fern konn­te. Als Ver­kehrs­wert sei aller­dings der Wert einer Kar­te der nied­rigs­ten Kate­go­rie anzu­set­zen, da davon aus­zu­ge­hen sei, dass ursprüng­lich Kar­ten um 35 Euro geschul­det waren. Ein Anspruch auf höher­wer­ti­ge Kar­ten habe nicht bestan­den. Die blo­ße Mög­lich­keit, anstatt der Kar­ten für das Vor­run­den­spiel Kar­ten für das Achtel‑, Vier­tel- oder Halb­fi­na­le per Los zu bekom­men, stel­le ledig­lich eine Chan­ce dar. Ein den Wert stei­gern­des emo­tio­na­les Inter­es­se an den Kar­ten sei bei der Bemes­sung außer Acht zu las­sen.

Die dem Kun­den an sich zuste­hen­den 70 € sei­en durch Auf­rech­nung erlo­schen. Er schul­de nach der Ver­ein­ba­rung 300 € für das Fan­pa­ket, das er auch erhal­ten habe.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 28. April 2010 – 213 C 214/​10