Kein ame­ri­ka­ni­sches "bud­wei­ser" in Euro­pa

Die ame­ri­ka­ni­sche Braue­rei Anheu­ser-Busch kann nach einem ges­tern ver­kün­de­ten Urteil des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on den Begriff „bud­wei­ser“ für Bier nicht als Gemein­schafts­mar­ke in der EU ein­tra­gen las­sen.

Kein ame­ri­ka­ni­sches

1996 mel­de­te die ame­ri­ka­ni­sche Braue­rei Anheu­ser-Busch beim für die Gemein­schafts­mar­ken zustän­di­gen Har­mo­ni­sie­rungs­amt für den Bin­nen­markt in Ali­can­te das Wort­zei­chen „bud­wei­ser“ für Bier sowie alko­ho­li­sche und alko­hol­freie Malz­ge­trän­ke als Gemein­schafts­mar­ke an. Die tsche­chi­sche Braue­rei Budêjo­vický Bud­var erhob, gestützt auf ihre unter ande­rem in Deutsch­land und Öster­reich geschütz­te älte­re inter­na­tio­na­le Wort­mar­ke BUDWEISER, Wider­spruch gegen die Ein­tra­gung der Gemein­schafts­mar­ke.

Die tsche­chi­sche Braue­rei erbrach­te den Nach­weis, dass sie Inha­ber der älte­ren Mar­ke ist, doch lief der die­ser Mar­ke gewähr­te Schutz in dem Zeit­raum, den das HABM für die Vor­la­ge der Beweis­mit­tel zur Stüt­zung ihres Wider­spruchs bestimmt hat­te, ab. Obwohl das HABM Budêjo­vický Bud­var nicht dazu auf­ge­for­dert hat­te, den Nach­weis für die Ver­län­ge­rung ihrer älte­ren Mar­ke in die­sem Zeit­raum vor­zu­le­gen, reich­te die Gesell­schaft den betref­fen­den Nach­weis – von sich aus – ein, aller­dings in einem spä­te­ren Sta­di­um des Wider­spruchs­ver­fah­rens.

Das Har­mo­ni­sie­rungs­amt für den Bin­nen­markt wies die Anmel­dung der Gemein­schafts­mar­ke von Anheu­ser-Busch mit der Begrün­dung zurück, dass die Anmel­de­mar­ke mit der älte­ren Mar­ke von Budêjo­vický Bud­var iden­tisch sei. Das Har­mo­ni­sie­rungs­amt stell­te außer­dem fest, dass die in der Anmel­dung der ame­ri­ka­ni­schen Braue­rei ange­ge­be­nen Waren im Wesent­li­chen mit den von der älte­ren Mar­ke erfass­ten Waren „Bie­re aller Art“ iden­tisch sei­en. In Bezug auf alko­hol­freie Malz­ge­trän­ke gab das HABM in Anbe­tracht der Iden­ti­tät der Mar­ken und der offen­sicht­li­chen Ähn­lich­kei­ten zwi­schen den betrof­fe­nen Waren dem Wider­spruch der tsche­chi­schen Braue­rei eben­falls statt.

Anheu­ser-Busch erhob dar­auf­hin vor dem Gericht der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten Kla­ge gegen die Ent­schei­dung des Har­mo­ni­sie­rungs­am­tes. In sei­nem Urteil vom März 20091 bestä­tig­te das erst­in­stanz­li­che Gericht der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten die Ent­schei­dung des HABM und führ­te hier­zu aus, dass das Recht zur Benut­zung des Begriffs „BUDWEISER“ für Bier im geschäft­li­chen Ver­kehr in Deutsch­land und Öster­reich bereits Budêjo­vický Bud­var erteilt wor­den sei. Das Gericht stell­te außer­dem fest, dass die tsche­chi­sche Braue­rei nicht ver­pflich­tet gewe­sen sei, in dem vom HABM für die Vor­la­ge der Beweis­mit­tel bestimm­ten Zeit­raum unauf­ge­for­dert den Nach­weis für die Ver­län­ge­rung ihrer älte­ren Mar­ke vor­zu­le­gen.

Anheu­ser-Busch hat sich vor dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on gegen die­ses Urteil gewandt und zur Begrün­dung unter ande­rem gel­tend gemacht, dass der der älte­ren Mar­ke gewähr­te Schutz vor Ende der für die Vor­la­ge der Beweis­mit­tel gesetz­ten Frist abge­lau­fen sei und Budêjo­vický Bud­var des­halb den Nach­weis ihrer Ver­län­ge­rung inner­halb die­ser Frist hät­te ein­rei­chen müs­sen.

Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on stellt nun in sei­nem ges­tern ver­kün­de­ten Urteil fest, dass Budêjo­vický Bud­var nicht ver­pflich­tet war, unauf­ge­for­dert inner­halb der betref­fen­den Frist den Nach­weis für die Ver­län­ge­rung ihrer älte­ren Mar­ke vor­zu­le­gen, auch wenn der Schutz auf­grund die­ser Mar­ke zwi­schen dem Ein­gang der Wider­spruchs­schrift und dem Ende der Frist abge­lau­fen war. Budêjo­vický Bud­var wäre näm­lich nur dann zur Vor­la­ge die­ses Nach­wei­ses ver­pflich­tet gewe­sen, wenn das Har­mo­ni­sie­rungs­amt dies aus­drück­lich ver­langt hät­te. Es hat Budêjo­vický Bud­var jedoch nicht zur Vor­la­ge eines der­ar­ti­gen Nach­wei­ses auf­ge­for­dert. Zudem kön­nen die neu­en Rege­lun­gen über die Vor­la­ge von Beweis­mit­teln, die 2005 in Kraft getre­ten sind und nun­mehr eine aus­drück­li­che Pflicht für den Wider­spre­chen­den vor­se­hen, den Nach­weis für die Ver­län­ge­rung sei­ner älte­ren Mar­ke vor­zu­le­gen, nicht rück­wir­kend auf die vor­lie­gen­de Rechts­sa­che ange­wandt wer­den.

Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on stellt daher fest, dass Budêjo­vický Bud­var nicht ver­pflich­tet war, in dem für die Vor­la­ge der Beweis­mit­tel zur Stüt­zung ihres Wider­spruchs bestimm­ten Zeit­raum die Ver­län­ge­rung ihrer Mar­ke nach­zu­wei­sen, und die Ver­län­ge­rungs­ur­kun­de die­ser Mar­ke somit nach Ablauf der betref­fen­den Frist vor­le­gen konn­te.

Da damit kei­ner der ange­führ­ten Rechts­mit­tel­grün­de begrün­det ist, weist der Gerichts­hof das Rechts­mit­tel von Anheu­ser-Busch in vol­lem Umfang zurück.

Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on, Urteil vom 29. Juli 2010 – C‑214/​09 P [Anheu­ser-Busch Inc. /​HABM und Budêjo­vický Bud­var, národ­ni pod­nik]

  1. EuG, Urteil vom 25.03.2009 -T‑191/​07 [Anheu­ser-Busch/HABM – Budêjo­vický Bud­var (BUDWEISER)] []