Kein Hotel für den NPD-Vor­sit­zen­den

Ein Hotel­be­trei­ber kann auf­grund sei­nes Haus­rechts frei dar­über ent­schei­den, wem er zu sei­nem Hotel den Zutritt gewährt und wem nicht. Mit die­ser Begrün­dung ent­schied das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt, dass der NPD-Vor­sit­zen­de ein durch ein Hotel aus­ge­spro­che­nes Haus­ver­bot hin­neh­men muss.

Kein Hotel für den NPD-Vor­sit­zen­den

In dem vom Bran­den­bur­gi­schen Ober­lan­des­ge­richt ent­schie­de­nen Fall plan­ten der Vor­sit­zen­de der NPD, Udo Voigt, und sei­ne Ehe­frau einen Auf­ent­halt in einem Hotel in Bad Saa­row in Bran­den­burg. Die Ehe­frau des Herrn Voigt buch­te einen Auf­ent­halt in dem Hotel, wo sie sich bereits frü­her zwei Mal auf­ge­hal­ten hat­ten.

Nach­dem der Rei­se­ver­an­stal­ter dem Ehe­paar die Buchung bestä­tigt hat­te, teil­te er mit eMail vom 19.11.2009 mit, dass eine Unter­brin­gung im gebuch­ten Hotel nicht mög­lich sei und bot dem Ehe­paar ver­schie­de­ne Alter­na­tiv­un­ter­künf­te oder eine kos­ten­freie Stor­nie­rung an. Mit Schrei­ben vom 23.11.2009 erteil­te der Hotel­be­trei­ber Herrn Voigt wegen des­sen poli­ti­schen Über­zeu­gun­gen ein Haus­ver­bot.

Dage­gen erhob der NPD-Vor­sit­zen­de mit dem Ziel, dass der Hotel­be­trei­ber sein Haus­ver­bot wider­ru­fen soll­te. Die­se Kla­ge wur­de vom Land­ge­richt Frank­furt (Oder) abge­wie­sen, die dage­gen ein­ge­leg­te Beru­fung hat das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt zurück­ge­wie­sen.

Ein Hotel­be­trei­ber öff­ne sei­nen Betrieb zwar grund­sätz­lich für den all­ge­mei­nen Publi­kums­ver­kehr, so das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt. Dies füh­re jedoch nicht dazu, dass er nicht den­noch selbst ent­schei­den kön­ne, wen er beher­ber­gen wol­le. Für ein Haus­ver­bot müs­se wegen des damit ver­bun­de­nen Ein­griffs in die Grund­rech­te des Gas­tes aller­dings ein sach­li­cher Grund vor­lie­gen. Die­ser sei hier ange­sichts der poli­ti­schen Über­zeu­gung des Herrn Voigt gege­ben.

Der Hotel­be­trei­ber dür­fe anneh­men, dass sich ande­re Gäs­te durch die Anwe­sen­heit des Herrn Voigt pro­vo­ziert fühl­ten. Er sei als Vor­sit­zen­der der NPD in expo­nier­ter Stel­lung für eine Par­tei mit extre­men poli­ti­schen Über­zeu­gun­gen tätig. Die­se Über­zeu­gun­gen hät­ten in der Gesell­schaft stark pola­ri­sie­ren­de Wir­kung. Die Besorg­nis des Hotel­be­trei­bers, ande­re Gäs­te könn­ten sich durch die Anwe­sen­heit des Herrn Voigt gestört füh­len, sei daher gerecht­fer­tigt.

Herr Voigt kön­ne sich dem­ge­gen­über nicht mit Erfolg auf die Grund­rech­te der frei­en Mei­nungs­äu­ße­rung und der Gleich­be­hand­lung beru­fen. Denn der Hotel­be­trei­ber sei als pri­va­ter Unter­neh­mer – anders als der Staat – nicht zur Gleich­be­hand­lung aller poten­ti­el­len Gäs­te ver­pflich­tet. Er habe viel­mehr eige­ne Frei­heits­rech­te, die es ihm erlaub­ten, sein Han­deln frei zu gestal­ten, ohne hier­für rechen­schafts­pflich­tig zu sein. Dass sich bei frü­he­ren Auf­ent­hal­ten des Herrn Voigt kei­ne Gäs­te beschwert hät­ten, ände­re dar­an nichts.

Durch die­ses Haus­ver­bot wer­de Herr Voigt auch nicht aus einem Teil­be­reich des öffent­li­chen Lebens aus­ge­grenzt. Denn das Hotel sei von der­art geho­be­nem Niveau, dass nicht ange­nom­men wer­den kön­ne, dass die essen­ti­el­len Lebens­be­dürf­nis­se des Herrn Voigt dadurch berührt wür­den. Er kön­ne auch auf ein ande­res Hotel in der Regi­on aus­wei­chen.

Schließ­lich stün­den dem erteil­ten Haus­ver­bot auch nicht das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz bzw. ent­spre­chen­de EU-Richt­li­ni­en ent­ge­gen, da die Welt­an­schau­ung nur in Bezug auf Beschäf­ti­gung und Beruf, nicht aber im all­ge­mei­nen zivil­recht­li­chen Bereich mit einem beson­de­ren Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot ver­se­hen sei.

Bran­den­bur­gi­sches Ober­lan­des­ge­richt, Urteil vom 18. April 2011 – 1 U 4/​10