Kein Kopier­schutz wegen zu spä­ten Markt­ein­tritts?

Face­book ist erst­in­stanz­lich mit sei­ner Unter­las­sungs­kla­ge gegen Stu­di­VZ geschei­tert. Das Land­ge­richt Köln wies ges­tern die Kla­ge von Face­book gegen den Kon­kur­ren­ten Stu­di­VZ ab.

Kein Kopier­schutz wegen zu spä­ten Markt­ein­tritts?

Die in Kali­for­ni­en ansäs­si­ge Face­book Ltd. hat­te behaup­tet, Stu­di­VZ habe die Gestal­tung der Face­book-Sei­te in unlau­te­rer Wei­se nach­ge­ahmt. Außer­dem sei der gehei­me PHP-Quell­code von Sei­ten des Kon­kur­ren­ten auf ille­ga­le Wei­se erlangt wor­den. Dar­auf wur­de der nun vom Land­ge­richt zurück­ge­wie­se­ne Anspruch gestützt, die wei­te­re Ver­wen­dung der Bild­schirm­ober­flä­chen von Stu­di­VZ im geschäft­li­chen Ver­kehr zu unter­las­sen.

Die Köl­ner Rich­ter moch­ten dem nicht fol­gen. Nach ihrer Auf­fas­sung liegt trotz nicht zu über­se­hen­der Über­ein­stim­mun­gen und Ähn­lich­kei­ten der bei­den Inter­net­sei­ten kei­ne unlau­te­re Nach­ah­mung vor. Es feh­le an der hier­für erfor­der­li­chen Her­kunfts­täu­schung. Die­se kom­me, so das LG Köln, des­we­gen nicht in Betracht, weil zum Zeit­punkt der Markt­ein­füh­rung von Stu­di­VZ in Deutsch­land im Novem­ber 2005 der Kon­kur­rent Face­book noch nicht den erfor­der­li­chen Bekannt­heits­grad auf dem deut­schen Markt hat­te. Denn Face­book rich­te­te sich bis Sep­tem­ber 2006 – aus­schließ­lich in eng­li­scher Spra­che – nur an nord­ame­ri­ka­ni­sche Stu­den­ten und Schü­ler. Erst seit März 2008 exis­tiert eine deutsch­spra­chi­ge Ver­si­on.

Eine Unlau­ter­keit der Beklag­ten wegen unred­li­cher Erlan­gung von Kennt­nis­sen oder Unter­la­gen der Klä­ge­rin habe die­se nicht sub­stan­ti­iert vor­ge­tra­gen. Inso­fern habe die Klä­ge­rin ledig­lich Ver­mu­tun­gen ange­stellt, die nicht aus­rei­chend sei­en, um der Beklag­ten unred­li­che Kennt­nis­er­lan­gung vor­zu­wer­fen. Die­se Ver­mu­tun­gen sei­en auch nicht hin­rei­chend kon­kret, um den eben­falls von der Klä­ge­rin gel­tend gemach­ten sog. Besich­ti­gungs­an­spruch zu recht­fer­ti­gen. Damit woll­te die Klä­ge­rin errei­chen, dass die PHP-Quell­codes bei­der Sei­ten durch einen Sach­ver­stän­di­gen ver­gli­chen wer­den soll­te, um eine even­tu­el­le Über­nah­me des klä­ge­ri­schen Pro­dukts zu bewei­sen. Letzt­lich, so das LG Köln, kön­nen die Über­ein­stim­mun­gen auch dar­auf beru­hen, dass die Grün­der von Stu­di­VZ die Web­sei­ten der Klä­ge­rin kann­ten und die­se mit Hil­fe der im Inter­net für jeder­mann sicht­ba­ren Infor­ma­tio­nen in Anleh­nung an die Sei­te der Klä­ge­rin nach­pro­gram­mier­ten bzw. nach­pro­gram­mie­ren lie­ßen. Ein Ver­stoß der Beklag­ten gegen die AGB der Klä­ge­rin lie­ge hier­in indes nicht, weil die Beklag­te nie selbst Ver­trags­part­ner der Klä­ge­rin war.

Land­ge­richt Köln, Urteil vom 16. Juni 2009 – 33 O 374/​08 (nicht rechts­kräf­tig)