Kein Sport­wet­ten­mo­no­pol mehr in Baden-Würt­tem­berg?

Vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart waren jetzt drei Kla­gen wegen Unter­sa­gung der Ver­mitt­lung von Sport­wet­ten erfolg­reich, da das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart das staat­li­che Sport­wet­ten­mo­no­pol in Umset­zung des Urteils des Ger­id­chts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on als euro­pa­rechts­wid­rig ein­stuf­te und auch nicht zu dem in ande­ren Bun­des­län­dern „bewähr­ten“ Hilfs­ar­gu­ment der unab­hän­gig vom Mono­pol bestehen­den Erlaub­nis­pflich­tig­keit griff, um das Sport­wet­ten­mo­no­pol wenigs­tens im Ergeb­nis doch noch zu hal­teN.

Kein Sport­wet­ten­mo­no­pol mehr in Baden-Würt­tem­berg?

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart jetzt in drei Fäl­len Kla­gen Pri­va­ter gegen das vom Regie­rungs­prä­si­di­um Karls­ru­he ver­tre­te­ne Land Baden-Würt­tem­berg wegen Unter­sa­gung der Ver­mitt­lung von Sport­wet­ten statt­ge­ge­ben und die Unter­sa­gungs­ver­fü­gun­gen auf­ge­ho­ben. Die­se Kla­ge­ver­fah­ren kön­nen als Pilot­ver­fah­ren bezeich­net wer­den demnn beim Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart sind der­zeit noch mehr als 440 wei­te­re Sport­wet­ten-Kla­gen anhän­gig.

Einer der Klä­ger hat Räum­lich­kei­ten an eine Fir­ma unter­ver­mie­tet, in denen Sport­wet­ten an eine wei­te­re Fir­ma nach Gibral­tar ver­mit­telt wer­den. Die bei­den ande­ren Klä­ger ver­mit­teln Sport­wet­ten an Fir­men in Öster­reich bzw. auf Mal­ta. In den Jah­ren 2006 bzw. 2007 unter­sag­te das Regie­rungs­prä­si­di­um Karls­ru­he den Klä­gern für den Bereich des Lan­des Baden-Würt­tem­berg jeg­li­che Art des Ver­an­stal­tens und die Ver­mitt­lung von Sport­wet­ten sowie die Wer­bung hier­für und die Unter­stüt­zung sol­cher Tätig­kei­ten. Als Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge wur­de der damals gül­ti­ge Lot­te­rie­staats­ver­trag und das hier­zu ergan­ge­ne Aus­füh­rungs­ge­setz des Lan­des Baden-Würt­tem­berg ange­führt. Hier­ge­gen erho­ben die Klä­ger Kla­gen zum Ver­wal­tungs­ge­richt.

Die Unter­sa­gungs­ver­fü­gun­gen waren im Wesent­li­chen dar­auf gestützt, dass nach dem Lot­te­rie­staats­ver­trag, aber auch nach dem nun­mehr seit 01.01.2008 gel­ten­den Glücks­spiel­staats­ver­trag es allein den staat­li­chen bzw. staat­lich beherrsch­ten Lot­te­rie­ver­wal­tun­gen der Bun­des­län­der gestat­tet sei, Sport­wet­ten zu ver­an­stal­ten; zur Ver­mitt­lung sei­en aus­schließ­lich die zuge­las­se­nen Annah­me­stel­len befugt, nicht aber Pri­va­te. Dar­über hin­aus dür­fen Sport­wet­ten weder ver­an­stal­tet noch an in- oder aus­län­di­sche Anbie­ter ver­mit­telt wer­den, auch nicht über das Inter­net.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart hat­te die drei Kla­ge­ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on im Rah­men eines vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens meh­re­re Fra­gen zum Sport­wet­ten­mo­no­pol und ihrem Ver­hält­niss zu der gemein­schafts­recht­lich garan­tier­ten Nie­der­las­sungs- und Dienst­leis­tungs­frei­heit vor­ge­legt. Nach dem dar­auf­hin ergan­ge­nen Urteil vom 8. Sep­tem­ber 2010 hat der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Unon im Grund­satz ein staat­li­ches Sport­wet­ten­mo­no­pol für gemein­schafts­recht­lich zuläs­sig erach­tet, aller­dings die Anfor­de­run­gen an sei­ne Recht­fer­ti­gung durch Kohä­renz­an­for­de­run­gen im Ver­hält­nis zu ande­ren Glücks­spie­len prä­zi­siert [1].

In Umset­zung die­ses Urteils des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart nun die Unter­sa­gungs­ver­fü­gun­gen wegen Ver­stos­ses gegen die Dienst­leis­tungs- bzw. Nie­der­las­sungs­frei­heit für unver­ein­bar mit dem Vor­rang des Euro­päi­schen Uni­ons­rechts ange­se­hen. Nach des­sen Vor­ga­ben sei­en zwar staat­li­che Mono­po­le im Bereich der Sport­wet­ten zum Schutz vor Sucht­ge­fah­ren grund­sätz­lich mög­lich, aller­dings nur bei hin­rei­chend kohä­ren­tem staat­li­chen Ver­hal­ten im Bereich der Glücks­spie­le ins­ge­samt. An einer sol­chen Kohä­renz feh­le es schon des­halb, weil der unter dem Aspekt der Sucht­ge­fah­ren beson­ders bedeut­sa­me Bereich der Auto­ma­ten­spie­le nicht von dem Mono­pol erfasst wer­de und zudem durch Ände­run­gen in der Spiel­ver­ord­nung mit der Fol­ge eines erheb­li­chen Anwach­sens die­ses Sek­tors aus­ge­wei­tet wor­den sei.

Mit die­sen drei Urtei­len des Ver­wal­tungs­ge­richts Stutt­gart ist der Streit aller­dings auch für Baden-Würt­tem­berg noch nicht aus­ge­stan­den: Im Hin­blick auf die Abwei­chung von einem Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg, das aller­dings noch vor der Vor­ab­ent­schei­dung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs datiert, wur­de jeweils die Beru­fung zuge­las­sen. Die Beru­fung an den Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in Mann­heim kann inner­halb eines Monats nach Zustel­lung des voll­stän­di­gen Urteils ein­ge­legt wer­den.

Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart, Urtei­le vom 16. Dezem­ber 2010 – 4 K 3576/​10, 4 K 3645/​10 und 4 K 3646/​10

  1. EuGH, Urtei­le vom 08.09.2010 – C‑409/​06[]