Kein Wett­be­werb im Gas­fern­lei­tungs­markt

Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat ges­tern in einem wei­te­ren, vor­läu­fig letz­ten Ver­fah­ren ent­schie­den, dass Gas­fern­lei­tungs­be­trei­ber der Preis­kon­trol­le durch die Bun­des­netz­agen­tur unter­lie­gen. Die­se Unter­neh­men müs­sen daher ihre Durch­lei­tungs­ent­gel­te von der Bun­des­netz­agen­tur geneh­mi­gen las­sen.

Kein Wett­be­werb im Gas­fern­lei­tungs­markt

Die Bun­des­netz­agen­tur hat­te im Herbst 2008 gegen­über den zehn über­re­gio­na­len Gas-Fern­lei­tungs­netz­be­trei­bern in Deutsch­land fest­ge­stellt, dass ihre über­re­gio­na­len Fern­lei­tungs­net­ze kei­nem wirk­sa­men Lei­tungs­wett­be­werb aus­ge­setzt und sie infol­ge­des­sen ver­pflich­tet sei­en, ihre Netz­ent­gel­te von ihr geneh­mi­gen zu las­sen. Die Fern­lei­tungs­be­trei­ber hat­ten dage­gen in zehn Ver­fah­ren vor dem Ober­lan­des­ge­richt gel­tend gemacht, dass unter ihnen Wett­be­werb herr­sche und sich damit auf eine vom Ver­ord­nungs­ge­ber vor­ge­se­he­ne Aus­nah­me­re­ge­lung beru­fen. Der Gas­netz­be­trei­ber E.ON Gas­trans­port GmbH hat sei­ne Beschwer­de zurück genom­men, die übri­gen neun Beschwer­den hat das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf zurück­ge­wie­sen.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts haben die Gas­fern­lei­tungs­netz­be­trei­ber auch im Beschwer­de­ver­fah­ren den ihnen oblie­gen­den Nach­weis nicht erbrin­gen kön­nen, dass der über­wie­gen­de Teil ihres Net­zes einem wirk­sa­men Lei­tungs­wett­be­werb aus­ge­setzt ist. Es sei nicht erkenn­bar, dass trotz der ver­trag­li­chen und tech­ni­schen Schwie­rig­kei­ten freie Durch­lei­tungs­ka­pa­zi­tä­ten in nen­nens­wer­tem Umfang buch­bar sei­en. So sei­en die Kapa­zi­tä­ten an den Ein- und Aus­spei­se­punk­ten lang­fris­tig, teil­wei­se auf Jah­re, aus­ge­bucht. Ein Gas­trans­port über ande­re Fern­lei­tun­gen sei daher der­zeit kei­ne ech­te Alter­na­ti­ve. Gegen ech­ten Wett­be­werb spre­che auch, dass Gas­im­por­teu­re, ‑lie­fe­ran­ten, wei­ter­ver­käu­fer und die Gas­netz­be­trei­ber eines Net­zes im Regel­fall zur sel­ben Unter­neh­mens­grup­pe gehör­ten, so dass ein „Aus­sche­ren“ eines mit dem Netz­be­trei­ber gesell­schafts­recht­lich ver­bun­de­nen Netz­kun­den zu einem ande­ren Netz­be­trei­ber wenig wahr­schein­lich sei. So sei­en teil­wei­se mehr als 98% der Gas­netz­ka­pa­zi­tä­ten von Unter­neh­men gebucht wor­den, die gesell­schafts­recht­lich mit dem Netz­be­trei­ber ver­bun­den sei­en.

Nach den Bestim­mun­gen des Ener­gie­wirt­schafts­ge­set­zes unter­lie­gen damit die über­re­gio­na­len Fern­lei­tungs­netz­be­trei­ber der Kon­trol­le ihrer Ent­gel­te, die sie für die Durch­lei­tung von Gas durch ihr Lei­tungs­netz ver­lan­gen.

Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf,
Beschluss vom 21. April 2010 – VI‑3 Kart 67/​08 (V) [Sta­toil Deutsch­land Trans­port GmbH],
Beschluss vom 13. Janu­ar 2010 – VI‑3 Kart 72/​08 (V) [Thys­sen­gas GmbH – vor­mals RWE Trans­port­netz GmbH],
Beschluss vom 13. Janu­ar 2010 – VI‑3 Kart 74/​08 (V) [ONTRAS-VNG Gas­trans­port GmbH],
Beschluss vom 25. Novem­ber 2009 – VI‑3 Kart 58/​08 (V) [DONG Ener­gy Pipe­lines GmbH],
Beschluss vom 25. Novem­ber 2009 – VI‑3 Kart 59/​08 (V) [ENI Gas Trans­port S. p. A.],
Beschluss vom 25. Novem­ber 2009 – VI‑3 Kart 73/​08 (V) [Erd­gas Müns­ter Trans­port GmbH & Co. KG],
Beschluss vom 25. Novem­ber 2009 – VI‑3 Kart 48/​08 (V) [Gasunie Deutsch­land Trans­port Ser­vices GmbH],
Beschluss vom 25. Novem­ber 2009 – VI‑3 Kart 63/​08 (V) [GRT­gaz Deutsch­land GmbH],
Beschluss vom 25. Novem­ber 2009 – VI‑3 Kart 57/​08 (V) [WINGAS Trans­port GmbH & Co. KG]