Kein Wider­ruf der Steu­er­be­ra­ter­be­stel­lung nach Ankün­di­gung der Rest­schuld­be­frei­ung

Das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz muss­te jetzt zu der Fra­ge Stel­lung neh­men, ob, bzw. unter wel­chen Umstän­den die Steu­er­be­ra­ter­kam­mer die Bestel­lung eines Steu­er­be­ra­ters wegen Ver­mö­gens­ver­falls wider­ru­fen kann, wenn das Insol­venz­ver­fah­ren über das Ver­mö­gen des Steu­er­be­ra­ters been­det ist und ihm Rest­schuld­be­frei­ung ange­kün­digt wur­de.

Kein Wider­ruf der Steu­er­be­ra­ter­be­stel­lung nach Ankün­di­gung der Rest­schuld­be­frei­ung

Im Streit­fall hat­te das Finanz­amt im Herbst 2005 wegen steu­er­li­cher Rück­stän­de des Klä­gers von rd. 130.000.- € beim Amts­ge­richt die Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens bean­tragt. Nach dem Schluss­be­richt des Insol­venz­ver­wal­ters (im Jahr 2007) war der Klä­ger gehal­ten, monat­lich 300.- € an die Insol­venz­mas­se abzu­füh­ren, was auch geschieht; der Aktiv­mas­se von rd. 10.000.- € stan­den fest­ge­stell­te Ver­bind­lich­kei­ten von rd. 748.000.- € gegen­über bei einer frei­en Mas­se von rd. 3.000.- €. Mit Beschluss vom Früh­jahr 2008 hob das Amts­ge­richt nach Voll­zug der Schluss­ver­tei­lung das Insol­venz­ver­fah­ren unter Ankün­di­gung der vom Klä­ger bean­trag­ten Rest­schuld­be­frei­ung auf.

Mit Bescheid vom Juli 2008 wider­rief die Steu­er­be­ra­ter­kam­mer – nach einem Beschluss ihres Vor­stan­des vom Juli 2006 – die Bestel­lung des Klä­gers als Steu­er­be­ra­ter wegen Ver­mö­gens­ver­falls. Da die klä­ge­ri­schen Ver­bind­lich­kei­ten rd. 750.000.- € betrü­gen, sei bei monat­li­chen Brut­to­ein­nah­men von 3.500.- € nicht abseh­bar, ob und gege­be­nen­falls wann mit einer Kon­so­li­die­rung der klä­ge­ri­schen Finanz­la­ge zu rech­nen sei. Die Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se sei­en auch nicht durch die blo­ße Ankün­di­gung der Rest­schuld­be­frei­ung als geord­net zu betrach­ten.

Das sah das FG Rhein­land-Pfalz anders, gab der Kla­ge statt und hob den Wider­rufs­be­scheid auf. Das FG führ­te u.a. aus, nach­dem das Insol­venz­ver­fah­ren auf­ge­ho­ben und die Rest­schuld­be­frei­ung ange­kün­digt wor­den sei, lie­ge der gesetz­li­che Ver­mu­tungs­tat­be­stand des Ver­mö­gens­ver­falls nach dem StBerG nicht mehr vor. Nach der neue­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ent­fal­le mit Auf­he­bung des Insol­venz­ver­fah­rens und der Ankün­di­gung der Rest­schuld­be­frei­ung die gesetz­li­che Ver­mu­tung des Ver­mö­gens­ver­falls, das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt und der Bun­des­fi­nanz­hof wür­den die­sel­be Auf­fas­sung ver­tre­ten; nach Ankün­di­gung der Rest­schuld­be­frei­ung könn­ten die Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se des Schuld­ners als geord­net ange­se­hen wer­den. Denn wäh­rend der so genann­ten Wohl­ver­hal­tens­pe­ri­ode (grund­sätz­lich 6‑jährige Lauf­zeit) sei­en Zwangs­voll­stre­ckungs­maß­nah­men der Insol­venz­gläu­bi­ger unzu­läs­sig. Zwar kön­ne nach Ablauf der Wohl­ver­hal­tens­pe­ri­ode die Rest­schuld­be­frei­ung ver­sagt wer­den, wenn der Schuld­ner wäh­rend der Lauf­zeit Oblie­gen­hei­ten ver­letzt hät­te oder wegen Insol­venz­straf­ta­ten rechts­kräf­tig ver­ur­teilt wür­de, dafür sei­en aber kei­ne Anhalts­punk­te ersicht­lich. Viel­mehr habe sich bereits durch die blo­ße Ankün­di­gung die spä­te­re Mög­lich­keit der Rest­schuld­be­frei­ung im Sin­ne einer kon­kre­ten Aus­sicht der­art ver­dich­tet, dass bereits mit die­ser von einer Kon­so­li­die­rung der wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se tat­säch­lich aus­zu­ge­hen sei. Abge­se­hen davon kön­ne wegen neu ent­stan­de­ner Schul­den bis heu­te kein Ver­mö­gens­ver­fall des Klä­gers fest­ge­stellt wer­den. Dane­ben erwirt­schaf­te der Klä­ger im Streit­fall monat­lich 3.500.- € von denen er 300.- € an den vor­ma­li­gen Insol­venz­ver­wal­ter, der nun­mehr als Treu­hän­der fun­gie­re, abfüh­re. Beim Finanz­amt sei­en offen­sicht­lich kei­ne neu­en Abga­ben­rück­stän­de ent­stan­den.

Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig, die Revi­si­on wur­de vom FG aber nicht zuge­las­sen.

Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 16. Dezem­ber 2008 – 2 K 2084/​08