Kei­ne Lot­to-Wer­bung auf Bus­sen

Das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg hat der Lot­to Ham­burg GmbH ver­bo­ten, mit einer bestimm­ten Wer­be­kam­pa­gne auf öffent­li­chen Lini­en­bus­sen für ihre Glücks­spie­le „Lot­to“ und „KENO“ zu wer­ben, da die Wer­bung gegen den Glücks­spiel­staats­ver­trag ver­sto­ße.

Kei­ne Lot­to-Wer­bung auf Bus­sen

Die beklag­te Lot­to Ham­burg GmbH ist ein staat­li­ches Glücks­spiel­un­ter­neh­men, das im Gebiet der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg exklu­siv eine gesetz­lich fest­ge­leg­te Zahl von Glücks­spie­len ver­an­stal­tet, zu denen auch die Lot­te­rie „Lot­to 6 aus 49“ und „KENO – Die täg­li­che Lot­te­rie“ gehö­ren. Zu Wer­be­zwe­cken ließ die Beklag­te eini­ge Bus­se der öffent­li­chen Ver­kehrs­be­trie­be in Ham­burg mit Auf­schrif­ten ver­se­hen, die u.a. lau­te­ten „Lot­to Guter Tipp“, „Fahr­schei­ne vorn – Spiel­schei­ne am Kiosk“ und „Jeden Tag Gewin­ne bis 1 Mil­li­on € KENO die täg­li­che Zah­len­lot­te­rie“.

Die­se Wer­bung hat das Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg nun auf eine Kla­ge des Ver­ban­des für Gewer­be­trei­ben­de im Glücks­spiel­we­sen e.V. ver­bo­ten:

Die Wer­bung ver­stößt nach Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts in ihrer kon­kre­ten Gestal­tung gegen das im Glücks­spiel­staats­ver­trag (GlüStV) ver­an­ker­te Sach­lich­keits­ge­bot und ist des­halb wett­be­werbs­wid­rig.

Der GlüStV sehe vor, so das OLG, dass sich die Wer­bung für öffent­li­ches Glücks­spiel auf Infor­ma­ti­on und Auf­klä­rung über die Mög­lich­kei­ten des Glücks­spiels zu beschrän­ken habe. Dahin­ter ste­he ins­be­son­de­re das Ziel, das Glücks­spiel­an­ge­bot zu begren­zen und den in der Bevöl­ke­rung bereits vor­han­de­nen Spiel­trieb in geord­ne­te Bah­nen zu len­ken. Gleich­zei­tig sol­le aber ver­hin­dert wer­den, dass Spiel- und Wett­sucht ent­stün­den. Wer­bung sei des­halb unzu­läs­sig, wenn Text und Auf­ma­chung von einem noch nicht zum Glücks­spiel Ent­schlos­se­nen als Moti­vie­rung zum Glücks­spiel ver­stan­den wer­den müss­ten.

Das sei bei der Wer­be­kam­pa­gne der Beklag­ten der Fall. Der Wer­be­aus­sa­ge „Lot­to Guter Tipp“ kön­ne kei­ne Infor­ma­tio­nen über das kon­kre­te Spiel „Lot­to“ ent­nom­men wer­den. Statt­des­sen ent­hal­te sie eine posi­ti­ve Wer­tung, die dazu anre­ge, an dem Spiel teil­zu­neh­men. Durch die gewähl­te For­mu­lie­rung wer­de ver­mit­telt, dass das Lot­to­spiel eine sinn­vol­le, nütz­li­che, emp­feh­lens­wer­te Beschäf­ti­gung, also eine „gute Idee“ sei.

Aber auch der Hin­weis auf die täg­li­chen Gewin­ne bei KENO sei in der kon­kre­ten Form unzu­läs­sig. Zwar dür­fe grund­sätz­lich über Art und Höhe der Gewin­ne infor­miert wer­den. Die Beklag­te habe aber die in die­sem Zusam­men­hang vor­ge­schrie­be­nen Warn­hin­wei­se zu Jugend­schutz und Sucht­ge­fah­ren all­zu unauf­fäl­lig und in so klei­ner Druck­ty­pe gestal­tet, dass sie auf den fah­ren­den Bus­sen nicht les­bar gewe­sen sei­en.

Schließ­lich las­se die Gegen­über­stel­lung „Fahr­schei­ne vorn – Spiel­schei­ne am Kiosk“ die Spiel­schei­ne als Gegen­stän­de des täg­li­chen Bedarfs wie Bus­fahr­schei­ne erschei­nen. Damit erhal­te das Lot­to­spiel den Anstrich einer sozi­al­ad­äqua­ten Ver­hal­tens­wei­se, was eben­falls mit dem Sach­lich­keits­ge­bot nicht ver­ein­bar sei.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 12. August 2011 – 3 U 145/​09