Kli­nik mit Fahr­dienst

Ein für Pati­en­ten kos­ten­lo­ser Fahr­dienst einer Augen­kli­nik kann gegen das heil­mit­tel­recht­li­che Ver­bot von Wer­be­ga­ben ver­sto­ßen.

Kli­nik mit Fahr­dienst

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall betreibt die Beklag­te eine Augen­kli­nik. Der Klä­ger ist Augen­arzt und führt in sei­ner Augen­be­leg­ab­tei­lung auch sta­tio­nä­re Augen­ope­ra­tio­nen durch. Er begehrt, es der Beklag­ten zu ver­bie­ten, Pati­en­ten, die zur Dia­gnos­tik oder Ope­ra­ti­on ihre Augen­kli­nik auf­su­chen müs­sen, einen kos­ten­lo­sen Fahr­dienst anzu­bie­ten oder zur Ver­fü­gung zu stel­len, bei dem Pati­en­ten zur Augen­kli­nik der Beklag­ten und nach der Behand­lung nach Hau­se gebracht wer­den.

Die Kla­ge hat­te vor dem erst­in­stanz­lich hier­mit befass­ten Land­ge­richt Köln Erfolg 1, wäh­rend auf die Beru­fung der Augen­kli­nik das Ober­lan­des­ge­richt Köln die Kla­ge abge­wie­sen hat 2. Auf die Revi­si­on des Augen­arz­tes hat nun der Bun­des­ge­richts­hof das kla­ge­ab­wei­sen­de Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und die Sache an das Ober­lan­des­ge­richt Köln zurück­ver­wie­sen:

Der Bun­des­ge­richts­hof hat dabei ange­nom­men, dass das bean­stan­de­te Ange­bot eine auf kon­kre­te Leis­tun­gen bezo­ge­ne Wer­bung dar­stellt, die dem in § 7 Abs. 1 Satz 1 HWG gere­gel­ten gene­rel­len Ver­bot von Wer­be­ga­ben unter­fällt. Es besteht die Gefahr einer unsach­li­chen Beein­flus­sung des Ver­brau­chers, weil nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kann, dass sich Pati­en­ten nicht im Hin­blick auf die Qua­li­tät der ärzt­li­chen Leis­tung, son­dern wegen des ange­bo­te­nen Fahr­diensts für eine Behand­lung durch die beklag­te Augen­kli­nik ent­schei­den. Der Fahr­dienst stellt auch kei­ne nach § 7 Abs. 1 Nr. 1 HWG zuläs­si­ge gering­wer­ti­ge Klei­nig­keit dar, weil die Abho­lung und der Rück­trans­port des Pati­en­ten über eine län­ge­re Weg­stre­cke für ihn eine nicht uner­heb­li­che ver­mö­gens­wer­te Leis­tung dar­stellt.

In der wie­der­eröff­ne­ten Beru­fungs­in­stanz wird das Ober­lan­des­ge­richt Köln nun­mehr fest­zu­stel­len haben, ob der bean­stan­de­te Fahr­dienst eine nach § 7 Abs. 1 Nr. 3 HWG zuläs­si­ge han­dels­üb­li­che Neben­leis­tung dar­stellt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Febru­ar 2015 – I ZR 213/​13

  1. LG Köln – Urteil vom 25.04.2013 – 31 O 588/​12[]
  2. OLG Köln – Urteil vom 22.11.2013 – 6 U 91/​13, GRUR-RR 2014, 172[]