Kom­mer­zi­el­le Mei­nungs­äu­ße­run­gen – und die Mei­nungs­frei­heit

Art. 5 Abs. 1 Satz 1 GG schützt die Frei­heit der Mei­nungs­äu­ße­rung und Mei­nungs­ver­brei­tung. Das Grund­recht der Mei­nungs­frei­heit erfasst kom­mer­zi­el­le Mei­nungs­äu­ße­run­gen eben­so wie rei­ne Wirt­schafts­wer­bung mit wer­ten­dem, mei­nungs­bil­den­dem Inhalt 1.

Kom­mer­zi­el­le Mei­nungs­äu­ße­run­gen – und die Mei­nungs­frei­heit

Die Behaup­tung wah­rer Tat­sa­chen fällt in den Schutz­be­reich des Art. 5 Abs. 1 GG, soweit sie Vor­aus­set­zung für die Mei­nungs­bil­dung ist 2.

Stets nach § 4 Nr. 7 UWG aF unzu­läs­sig ist dage­gen die Behaup­tung von den Mit­be­wer­ber her­ab­set­zen­den Tat­sa­chen, die bewusst unwahr sind oder deren Unwahr­heit im Zeit­punkt der Äuße­rung unzwei­fel­haft fest­steht und die des­halb nicht mehr von der Mei­nungs- und Pres­se­frei­heit des Art. 5 Abs. 1 GG erfasst wer­den 3.

Der Anwen­dung des Art. 5 Abs. 1 GG steht inso­weit nicht ent­ge­gen, dass bei der Aus­le­gung des der Umset­zung von Richt­li­ni­en des Uni­ons­rechts die­nen­den natio­na­len Rechts nach Art. 51 Abs. 1 Satz 2 der Char­ta der Grund­rech­te der Euro­päi­schen Uni­on (EU-Grund­rech­te­char­ta) die dort nie­der­ge­leg­ten Grund­rech­te zu beach­ten sind und daher, soweit die Frei­heit der Mei­nungs­äu­ße­rung und Bericht­erstat­tung in Rede steht, vor­ran­gig die inso­weit ein­schlä­gi­ge Rege­lung in Art. 11 Abs. 1 und 2 EU-Grund­rech­te­char­ta anzu­wen­den ist 4. Die Bestim­mung des § 4 Nr. 7 UWG aF bezweckt nicht den Schutz der Ver­brau­cher, son­dern dient in ers­ter Linie dem Schutz des betrof­fe­nen Mit­be­wer­bers. Sie setzt daher weder die Richt­li­nie 2005/​29/​EG über unlau­te­re Geschäfts­prak­ti­ken noch eine ande­re Richt­li­nie des Uni­ons­rechts in das deut­sche Recht um 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Dezem­ber 2015 – I ZR 219/​13

  1. BVerfGE 102, 347, 359[]
  2. vgl. BVerfGE 85, 1, 15[]
  3. vgl. BVerfG, NJW 1999, 1322, 1324; NJW-RR 2010, 470 Rn. 62[]
  4. vgl. EuGH, Urteil vom 20.05.2003 – C‑465/​00, C‑138/​01 und C‑139/​01, Slg. 2003, I‑4989 = EuGRZ 2003, 232, Rn. 68 Rech­nungs­hof/​Österreichischer Rund­funk u.a.; BGH, Urteil vom 14.10.2010 – I ZR 191/​08, BGHZ 187, 240 Rn.20 – AnyDVD, mwN[]
  5. vgl. BGH, GRUR 2012, 74 Rn. 28 – Coa­ching-News­let­ter; Köh­ler in Köhler/​Bornkamm aaO § 4 Rn.07.2; Münch­Komm-UWG/Jä­nich aaO § 4 Nr. 7 Rn. 12a; Ohly in Ohly/​Sosnitza, UWG, 6. Aufl., § 4 Rn. 7/​2; Mül­ler-Bidin­ger in Ull­mann, juris­PK-UWG, 3. Aufl., § 4 Nr. 7 Rn. 6[]