Kon­klu­den­te Abnah­me einer Archi­tek­ten­leis­tung

Die kon­klu­den­te Abnah­me einer Archi­tek­ten­leis­tung kann dar­in lie­gen, dass der Bestel­ler nach Fer­tig­stel­lung der Leis­tung, Bezug des fer­tig­ge­stell­ten Bau­werks und Ablauf einer Prü­fungs­frist von sechs Mona­ten kei­ne Män­gel der Archi­tek­ten­leis­tun­gen rügt1.

Kon­klu­den­te Abnah­me einer Archi­tek­ten­leis­tung

Eine Abnah­me kann nicht nur aus­drück­lich, son­dern auch kon­klu­dent, das heißt durch schlüs­si­ges Ver­hal­ten des Auf­trag­ge­bers, erklärt wer­den. Kon­klu­dent han­delt der Auf­trag­ge­ber, wenn er dem Auf­trag­neh­mer gegen­über ohne aus­drück­li­che Erklä­rung erken­nen lässt, dass er des­sen Werk als im Wesent­li­chen ver­trags­ge­mäß bil­ligt. Erfor­der­lich ist ein tat­säch­li­ches Ver­hal­ten des Auf­trag­ge­bers, das geeig­net ist, sei­nen Abnah­me­wil­len dem Auf­trag­neh­mer gegen­über ein­deu­tig und schlüs­sig zum Aus­druck zu brin­gen. Ob eine kon­klu­den­te Abnah­me vor­liegt, beur­teilt sich – wie das Beru­fungs­ge­richt nicht ver­kannt hat – grund­sätz­lich nach den Umstän­den des Ein­zel­fal­les2.

Die kon­klu­den­te Abnah­me einer Archi­tek­ten­leis­tung kann dar­in lie­gen, dass der Bestel­ler nach Fer­tig­stel­lung der Leis­tung und nach Ablauf einer ange­mes­se­nen Prüf­frist nach Bezug des fer­tig­ge­stell­ten Bau­werks kei­ne Män­gel der Archi­tek­ten­leis­tun­gen rügt3.

Vor Ablauf einer ange­mes­se­nen Prü­fungs­frist, deren Län­ge von der all­ge­mei­nen Ver­kehrs­er­war­tung bestimmt wird, kann der Archi­tekt im Regel­fall red­li­cher­wei­se kei­ne Bil­li­gung sei­nes Werks erwar­ten4. Der Bestel­ler benö­tigt für die Prü­fung des Wer­kes eines Archi­tek­ten, der mit Pla­nungs- und Über­wa­chungs­auf­ga­ben betraut ist, einen ange­mes­se­nen Zeit­raum. Denn er muss ver­läss­lich fest­stel­len kön­nen, ob das Bau­werk den ver­trag­li­chen Vor­ga­ben ent­spricht, ins­be­son­de­re die ver­ein­bar­ten Funk­tio­nen voll­stän­dig erfüllt sind und etwai­ge Bean­stan­dun­gen auf Feh­ler des Archi­tek­ten zurück­zu­füh­ren sind. Inso­weit kann auch ins Gewicht fal­len, ob dem Bestel­ler Plä­ne zur Ver­fü­gung ste­hen, die die Prü­fung erleich­tern. Die­ser für die Prü­fung not­wen­di­ge Zeit­raum bestimmt die in jedem Ein­zel­fall zu bestim­men­de Prü­fungs­frist und damit auch den Zeit­punkt, zu dem eine kon­klu­den­te Abnah­me in Betracht kommt. Es ist unter Berück­sich­ti­gung der berech­tig­ten Inter­es­sen des Archi­tek­ten, den Zeit­punkt der kon­klu­den­ten Abnah­me nicht unan­ge­mes­sen nach hin­ten zu ver­schie­ben5, nicht gerecht­fer­tigt, den Prü­fungs­zeit­raum belie­big zu erwei­tern.

Bun­des­ge­richs­hof, Urteil vom 26. Sep­tem­ber 2013 – VII ZR 220/​12

  1. Fort­füh­rung von BGH, Urteil vom 25.02.2010 – VII ZR 64/​09, BauR 2010, 795, NZBau 2010, 318
  2. BGH, Urtei­le vom 10.06.1999 – VII ZR 170/​98, BauR 1999, 1186 unter III 2 a; vom 22.12.2000 – VII ZR 310/​99, BGHZ 146, 250, 262; vom 25.02.2010 – VII ZR 64/​09, BauR 2010, 795 = NZBau 2010, 318 Rn. 21
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 25.02.2010 – VII ZR 64/​09, aaO; vom 11.03.1982 – VII ZR 128/​81, BGHZ 83, 181, 189
  4. BGH, Urteil vom 20.09.1984 – VII ZR 377/​83, BauR 1985, 200 unter 3; vgl. auch Urteil vom 28.04.1992 – X ZR 27/​91, ZfBR 1992, 264 unter I 3 b bb
  5. vgl. BGH, Urteil vom 20.09.1984 – VII ZR 377/​83, aaO