Kos­ten­pflich­ti­ge Ände­run­gen am Haus­an­schluss

Der Anspruch des Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens gegen den Anschluss­neh­mer auf Erstat­tung der not­wen­di­gen Kos­ten für Ver­än­de­run­gen des Haus­an­schlus­ses (§ 10 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 AVB-Was­serV) setzt kein auf die­se Ver­än­de­run­gen aus­ge­rich­te­tes und damit ziel­ge­rich­te­tes Ver­hal­ten des Anschluss­neh­mers vor­aus. Es kommt viel­mehr dar­auf an, ob die Kos­ten einem bestimm­ten Anschluss­ob­jekt zuge­ord­net wer­den kön­nen 1. Die Kos­ten­pflicht des Anschluss­neh­mers gemäß § 10 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 AVB­Was­serV wird auch dann begrün­det, wenn eine Ände­rung des Haus­an­schlus­ses durch den Ver­kauf und die Bebau­ung eines frü­her dem Anschluss­neh­mer gehö­ren­den Grund­stücks not­wen­dig wird.

Kos­ten­pflich­ti­ge Ände­run­gen am Haus­an­schluss

Der Anschluss­neh­mer hat gemäß § 10 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 AVB­Was­serV in Ver­bin­dung mit § 10 Abs. 5 Satz 1 der Ergän­zen­den Bestim­mun­gen des Was­ser­ver­sor­gers die Kos­ten für die Ände­rung des Was­ser­haus­an­schlus­ses zu tra­gen, sofern er die Ver­än­de­rung ver­an­lasst hat.

§ 10 Abs. 5 Satz 2 Alt. 1 der Ergän­zen­den Bestim­mun­gen des Was­ser­ver­sor­gers, der einen "vom Anschluss­neh­mer zu ver­tre­ten­den Grund" vor­aus­setzt, ist ent­ge­gen der Ansicht des Beru­fungs­ge­richts nicht ein­schlä­gig. Die Bestim­mung erfasst ihrem Wort­laut und ihrem sys­te­ma­ti­schen Auf­bau nach – die­se Aus­le­gung kann der Bun­des­ge­richts­hof frei und ohne Bin­dung an die Aus­le­gung des Beru­fungs­ge­richts selbst vor­neh­men 2 – nur Umle­gun­gen, die auf­grund von Ände­run­gen der Kun­den­an­la­ge, bestimm­ten Bau­maß­nah­men oder aus sons­ti­gen Grün­den vom Anschluss­neh­mer gewünscht wer­den. Sie bezieht sich nicht auf Umle­gun­gen, die ein Drit­ter bean­tragt, die aber vom Anschluss­neh­mer abge­lehnt wer­den.

Dadurch, dass § 10 Abs. 5 Satz 2 Alt. 1 Satz 2 auf Ände­run­gen abstellt, die "aus sons­ti­gen Grün­den" vom Anschluss­neh­mer gewünscht wer­den, wird deut­lich, dass auch § 10 Abs. 5 Satz 2 Alt. 1 Satz 1 nur Fäl­le umfas­sen soll, in denen der Anschluss­neh­mer selbst die Umle­gung gegen­über dem Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men bean­tragt. Gestützt wird dies durch § 10 Abs. 5 Satz 2 Alt. 2, wo auf die erhöh­te Leis­tungs­an­for­de­rung des Anschluss­neh­mers und damit eben­falls auf ein Begeh­ren des Anschluss­neh­mers und nicht auf das eines Drit­ten Bezug genom­men wird.

Wie das Wort "ins­be­son­de­re" zeigt, ent­hält § 10 Abs. 5 Satz 2 der Ergän­zen­den Bestim­mun­gen kei­ne abschlie­ßen­de Auf­zäh­lung der Ver­än­de­run­gen des Haus­an­schlus­ses, die zu einem Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch des Was­ser­ver­sor­gers füh­ren sol­len. Es kann daher für den vor­lie­gen­den Fall auf die Vor­schrift des § 10 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 AVB­Was­serV zurück­ge­grif­fen wer­den.

Gemäß § 10 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 AVB­Was­serV kann das Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men Kos­ten für Ver­än­de­run­gen des Haus­an­schlus­ses ver­lan­gen, die der Anschluss­neh­mer durch eine Ände­rung oder Erwei­te­rung sei­ner Anla­ge oder aus ande­ren Grün­den ver­an­lasst. Nach der amt­li­chen Begrün­dung han­delt es sich hier­bei um indi­vi­du­ell ver­ur­sach­te und zure­chen­ba­re Kos­ten 3. Es sei des­halb ange­mes­sen, sie nicht über die all­ge­mei­nen Was­ser­prei­se an die Gesamt­heit der Kun­den wei­ter­zu­ge­ben 3.

Das Merk­mal der Zure­chen­bar­keit ver­langt – was das Beru­fungs­ge­richt ver­kennt – kein auf eine Ver­än­de­rung des Haus­an­schlus­ses aus­ge­rich­te­tes und damit ziel­ge­rich­te­tes Ver­hal­ten des Anschluss­neh­mers. Es kommt viel­mehr dar­auf an, ob die Kos­ten einem bestimm­ten Anschluss­ob­jekt zuge­ord­net wer­den kön­nen. Denn bereits dann ist es nicht mehr ange­mes­sen, dass die Kos­ten von Ände­rungs­maß­nah­men an dem Anschluss von der Gesamt­heit der Kun­den getra­gen wer­den sol­len. Der Bun­des­ge­richts­hof hat zu der gleich­lau­ten­den Vor­schrift des § 10 Abs. 5 AVBEltV ent­schie­den, dass die­se dar­auf abzielt, die Anschluss­neh­mer so ver­ur­sa­chungs­ge­recht wie mög­lich zu den Ver­tei­lungs- und Haus­an­schluss­kos­ten her­an­zu­zie­hen, und sich dar­aus ergibt, dass die einem kon­kre­ten Anschluss­ob­jekt zuzu­ord­nen­den Kos­ten von dem­je­ni­gen getra­gen wer­den sol­len, der sie ver­ur­sacht hat 4. Damit sol­len im Inter­es­se der Leis­tungs­ge­rech­tig­keit die übri­gen Kun­den vor dem Nach­teil bewahrt wer­den, den sie erlei­den wür­den, wenn die Kos­ten in die Ener­gie­prei­se ein­kal­ku­liert wer­den müss­ten 5.

Die Kos­ten­pflicht des Anschluss­neh­mers wird daher auch dann begrün­det, wenn – wie hier – eine Ände­rung des Haus­an­schlus­ses durch den Ver­kauf und die Bebau­ung eines frü­her dem Anschluss­neh­mer gehö­ren­den Grund­stücks not­wen­dig wird 6.

Ent­ge­gen der Ansicht der Revi­si­ons­er­wi­de­rung steht § 8 Abs. 3 Satz 2 AVB­Was­serV einer Kos­ten­tra­gungs­pflicht des Anschluss­neh­mer nicht ent­ge­gen. Die­se Vor­schrift regelt nur die Kos­ten­tra­gungs­pflicht zwi­schen des Was­ser­ver­sor­gers und dem Streit­hel­fer, der gemäß § 8 Abs. 3 Satz 1 AVB­Was­serV als Grund­stücks­ei­gen­tü­mer die Ver­le­gung von Ein­rich­tun­gen mit der Begrün­dung ver­langt, dass sie an der bis­he­ri­gen Stel­le für ihn nicht mehr zumut­bar sind. Sie besagt aber nichts dar­über, ob das Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men die von ihm nach § 8 Abs. 3 Satz 2 Halb­satz 1 AVB­Was­serV zu tra­gen­den Kos­ten der Ver­le­gung voll­stän­dig oder teil­wei­se von einem Drit­ten, ins­be­son­de­re einem Anschluss­neh­mer, erstat­tet ver­lan­gen kann. Wer im Ver­hält­nis zwi­schen dem Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men und dem Anschluss­neh­mer bestimm­te Kos­ten zu tra­gen hat, ist der Rege­lung des § 10 Abs. 4 AVB­Was­serV zu ent­neh­men.

Der Anschluss­neh­mer ist gemäß § 11 Abs. 1 Nr. 2 AVB­Was­serV in Ver­bin­dung mit § 12 Abs. 3 der Ergän­zen­den Bestim­mun­gen des Was­ser­ver­sor­gers ver­pflich­tet, die Kos­ten für das Set­zen des Was­ser­zäh­ler­schachts zu tra­gen. Die Vor­schrift des § 11 Abs. 1 Nr. 2 AVB­Was­serV sieht aus­drück­lich vor, dass das Anbrin­gen des Was­ser­zäh­ler­schachts auf eige­ne Kos­ten des Anschluss­neh­mers erfolgt 7. Sie ent­hält somit eine eigen­stän­di­ge Rege­lung zur Kos­ten­tra­gung für die von ihr erfass­ten Fäl­le. Bereits des­we­gen ist – ent­ge­gen der Ansicht des Beru­fungs­ge­richts – ein Rück­griff auf die Vor­schrift des § 10 Abs. 4 AVB­Was­serV nicht mög­lich. Dies ergibt sich auch aus § 11 Abs. 4 AVB­Was­serV, der nur die ent­spre­chen­de Anwen­dung des § 10 Abs. 8 AVB­Was­serV, nicht aber die der übri­gen Absät­ze des § 10 AVB­Was­serV vor­sieht.

Der Anschluss­neh­mer ist gemäß § 12 Abs. 1 Satz 1 AVB­Was­serV zur Tra­gung der Kos­ten für die Ver­le­gung der Ver­sor­gungs­lei­tung von dem Was­ser­zäh­ler­schacht zu sei­nem Wohn­haus­an­schluss ver­pflich­tet. Da der Bereich ab dem Was­ser­zäh­ler­schacht in die Ver­ant­wor­tung des Anschluss­neh­mer fällt, gehen auch die Kos­ten für Anpas­sungs­ar­bei­ten in die­sem Bereich zu sei­nen Las­ten 8.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 6. Febru­ar 2013 – VIII ZR 354/​11

  1. Fort­füh­rung von BGH, Urteil vom 01.04.1987 – VIII ZR 167/​86, BGHZ 100, 299, 305 f.[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 09.06.2010 – VIII ZR 294/​09, NJW 2010, 2877 Rn. 11 mwN; vom 08.06.2011 – VIII ZR 305/​10, NJW 2011, 2643 Rn.20[]
  3. BR-Drucks.196/80, S. 45[][]
  4. BGH, Urteil vom 01.04.1987 – VIII ZR 167/​86, BGHZ 100, 299, 305 f.[]
  5. BGH, Urteil vom 01.04.1987 – VIII ZR 167/​86, aaO S. 310[]
  6. Morell, aaO, § 10 Absatz 4 Anm. a; Bränd­le, Ver­sor­gungs­wirt­schaft 2012, 70, 72; OLG Stutt­gart, Urteil vom 02.06.2010 – 4 U 19/​10, juris Rn. 32 f.; LG Aurich, GWF/​Recht und Steu­ern 1995, 23; leicht ein­schrän­kend Schütte/​Horstkotte in Hempel/​Franke, Recht der Ener­gie- und Was­ser­ver­sor­gung, Stand Dezem­ber 2011, § 10 AVB­Was­serV Rn. 41[]
  7. sie­he dazu Hermann/​Recknagel/​SchmidtSalzer, aaO, § 11 AVB­Was­serV Rn. 1 und 3; Ludwig/​Odenthal, aaO, § 11 Anm. 1; Morell, aaO, § 11 Absatz 1 Anm. a; Schütte/​Horstkotte, aaO, Stand Novem­ber 2010, § 11 Rn. 1[]
  8. vgl. BGH, Urtei­le vom 30.04.1957 – VIII ZR 217/​56, BGHZ 24, 148, 153 ff.; vom 23.11.2011 – VIII ZR 23/​11, aaO Rn. 32 f.; LG Lim­burg, RdE 1991, 192, 193; AG Frank­furt am Main, RdE 1988, 123, 124; Morell, aaO, § 10 Absatz 4 Anm. a[]