Kri­tik auf der Hotel-Bewer­tungs­platt­form

Die Betrei­be­rin eines Hotels und Hos­tels in Ber­lin ist vor dem Ber­li­ner Kam­mer­ge­richt mit dem Ver­such geschei­tert, einem Schwei­zer Bewer­tungs­por­tal für Rei­se­leis­tun­gen die künf­ti­ge Ver­öf­fent­li­chung bestimm­ter kri­ti­scher Nut­zer­be­haup­tun­gen über das Hos­tel gericht­lich unter­sa­gen zu las­sen.

Kri­tik auf der Hotel-Bewer­tungs­platt­form

Eine Benut­ze­rin des Inter­net-Bewer­tungs-Por­tals hat­te im Juli 2010 auf der Platt­form unter der Über­schrift „Für 37,50 € pro Nacht u. Kopf im DZ gabs Bett­wan­zen“ unter ande­rem behaup­tet, die Zim­mer und Bet­ten sei­en mit Bett­wan­zen befal­len. Eine Mit­ar­bei­te­rin habe erklärt, dies kom­me schon mal vor. Die ver­seuch­ten Zim­mer sei­en erst auf mehr­ma­li­ge tele­fo­ni­sche Nach­fra­ge geschlos­sen wor­den. Auf Bean­stan­dung der Hotel­be­trei­be­rin hat­te das Rei­se­bü­ro die­se Behaup­tun­gen im Inter­net gesperrt und erklärt, sie wer­de sie nicht wie­der online stel­len.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Ber­lin hat den Antrag zurück­ge­wie­sen, der Betrei­be­rin der Inter­net­sei­te die künf­ti­ge Ver­brei­tung die­ser und ande­rer Behaup­tun­gen im Wege einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung zu unter­sa­gen 1. Die Betrei­be­rin des Bewer­tungs­por­tals sei ihren Pflich­ten hin­rei­chend nach­ge­kom­men, indem sie die nega­ti­ve Bewer­tung auf die nach­träg­li­che Beschwer­de hin off­line gestellt habe.

Auf die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung des Hote­liers hat das Kam­mer­ge­richt das land­ge­richt­li­che Urteil nun bestä­tigt und die Beru­fung zurück gewie­sen:

Das Bewer­tungs­por­tal sei ein Tele­dienst­an­bie­ter und als sol­cher nicht ver­pflich­tet, Nach­for­schun­gen hin­sicht­lich der Rich­tig­keit der ein­ge­sand­ten Hotel­be­wer­tun­gen vor deren Ver­öf­fent­li­chung anzu­stel­len.

Eine Vor­ab­prü­fung sei auch nicht im Hin­blick auf die Gefah­ren gebo­ten, die durch ein Bewer­tungs­por­tal mit der Mög­lich­keit, sich anonym zu äußern, ent­stün­den. Die Viel­zahl von Bewer­tun­gen erlau­be es dem Benut­zer des Por­tals, Ein­zel­stim­men kri­tisch ein­zu­ord­nen und „Aus­rei­ßer“ zu erken­nen.

Fer­ner sei ein Schutz des bewer­te­ten Tou­ris­mus­un­ter­neh­mens durch die Mög­lich­keit gewähr­leis­tet, durch eine Beschwer­de eine Über­prü­fung und vor­läu­fi­ge Abschal­tung der Bewer­tung zu bewir­ken.

Ins Gewicht fal­le zusätz­lich die in den Nut­zungs­be­din­gun­gen ent­hal­te­ne Ver­pflich­tung, kei­ne vor­sätz­lich oder fahr­läs­sig unwah­ren Inhal­te ins Netz ein­zu­stel­len. Das Bewer­tungs­por­tal sei auch nicht gehal­ten, vor der Ver­öf­fent­li­chung einer nega­ti­ven Bewer­tung dem betrof­fe­nen Tou­ris­mus­un­ter­neh­men Gele­gen­heit zur Stel­lung­nah­me hier­zu zu geben.

Kam­mer­ge­richt, Beschluss vom 15. Juli 2011 – 5 U 193/​10

  1. LG Ber­lin, Urteil vom 21.10.2010 – 52 O 229/​10[]