Kün­di­gung eines Agen­tur­ver­trags über Ver­mark­tung von Sport­rech­ten

Haben die Ver­trags­par­tei­en einen wirk­sa­men Kün­di­gungs­aus­schluss ver­ein­bart, kann eine ein­sei­ti­ge Ver­trags­kün­di­gung nicht durch­grei­fen. Ist kein wich­ti­ger Grund (§ 626 Abs. 1 BGB) für eine außer­or­dent­li­che Ver­trags­kün­di­gung gege­ben, liegt kei­ne wirk­sa­me Kün­di­gung vor.

Kün­di­gung eines Agen­tur­ver­trags über Ver­mark­tung von Sport­rech­ten

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den, dass die Kün­di­gung des Agen­tur­ver­trags des Karls­ru­her Sport-Clubs über die Ver­mark­tung von Sport­rech­ten nicht wirk­sam war und der KSC zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet ist. Gleich­zei­tig ist damit das Urteil des Land­ge­richts Karls­ru­he [1] bestä­tigt wor­den.

Der Karls­ru­her Sport-Club Mühl­burg-Phö­nix e. V. (KSC) und die Ver­mark­tungs­agen­tur für Sport­rech­te Lagar­dè­re Sports Ger­ma­ny GmbH (Lagar­dè­re), die inzwi­schen als SPORTFIVE Ger­ma­ny GmbH fir­miert, hat­ten sich kurz vor Weih­nach­ten 2016 auf den Abschluss eines Agen­tur­ver­trags ver­stän­digt. Der KSC hat­te Lagar­dè­re in die­sem Ver­trag beauf­tragt, sei­ne Wer­be- und Mar­ke­ting­rech­te auf Pro­vi­si­ons­ba­sis exklu­siv zu ver­mark­ten. Der Ver­trag wur­de für eine Lauf­zeit von min­des­tens sechs Sai­sons abge­schlos­sen. Für die­se Zeit wur­den die Mög­lich­keit zur ordent­li­chen Kün­di­gung sowie das gesetz­lich vor­ge­se­he­ne Recht zur Kün­di­gung eines Dienst­ver­trags mit einer Ver­trau­ens­stel­lung (§ 627 BGB) in dem Ver­trags­werk aus­ge­schlos­sen.

Im Dezem­ber 2018 kün­dig­te der KSC den­noch den Agen­tur­ver­trag zum 31. März 2019 unter Beru­fung auf § 627 BGB. Lagar­dè­re wider­sprach die­ser Kün­di­gung unter Hin­weis auf den ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Kün­di­gungs­aus­schluss. Nach­dem der KSC sei­nen Geschäfts­part­nern und Wer­be­kun­den im Febru­ar 2019 den­noch per E‑Mail mit­teil­te, dass er und Lagar­dè­re die Zusam­men­ar­beit zum 31. März 2019 been­den wür­den, wies Lagar­dè­re den­sel­ben Adres­sa­ten­kreis wenig spä­ter per E‑Mail dar­auf hin, dass der KSC eine ein­sei­ti­ge und unwirk­sa­me Kün­di­gung des Ver­trags­ver­hält­nis­ses aus­ge­spro­chen habe. Mit Schrei­ben vom 7. März 2019 kün­dig­te der KSC den Agen­tur­ver­trag erneut, da die wei­te­re Zusam­men­ar­beit jeden­falls wegen des Inhalts die­ser E‑Mail unzu­mut­bar gewor­den sei.

Nach­dem das Land­ge­richt Karls­ru­he auf die Kla­ge von Lagar­dè­re hin fest­ge­stellt hat­te, dass der Agen­tur­ver­trag durch bei­de Kün­di­gun­gen nicht been­det wor­den und der KSC gegen­über Lagar­dè­re außer­dem zum Ersatz des sich aus den unbe­rech­tig­ten Kün­di­gun­gen erge­ben­den Scha­dens ver­pflich­tet sei, hat sich der KSC mit der Beru­fung dage­gen gewehrt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he erklärt, dass die Par­tei­en einen wirk­sa­men Kün­di­gungs­aus­schluss ver­ein­bart hat­ten, wes­halb die ers­te Ver­trags­kün­di­gung durch den KSC nicht durch­grei­fen konn­te. Zwar lässt sich das gesetz­lich vor­ge­se­he­ne Recht zur Kün­di­gung aus § 627 BGB nur durch eine indi­vi­du­el­le, im Ein­zel­nen aus­ge­han­del­te Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en und nicht durch All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen aus­schlie­ßen. Die­ser recht­li­che Gesichts­punkt steht jedoch der Wirk­sam­keit der ein­schlä­gi­gen Ver­trags­klau­sel nicht ent­ge­gen, da Lagar­dè­re die­se nicht ein­sei­tig gestellt hat­te. Außer­dem waren die Ver­trags­be­din­gun­gen im Ein­zel­nen zwi­schen den Par­tei­en aus­ge­han­delt wor­den.

Wei­ter­hin war auch die zwei­te Kün­di­gung durch den KSC recht­lich nicht wirk­sam, da kein wich­ti­ger Grund (§ 626 Abs. 1 BGB) für eine außer­or­dent­li­che Ver­trags­kün­di­gung gege­ben war. Zwar hat­te Lagar­dè­re mit dem Ver­sand der E‑Mail an die Geschäfts­part­ner und Wer­be­kun­den des KSC die ver­trag­li­che Pflicht zur Rück­sicht­nah­me auf des­sen Inter­es­sen ver­letzt, weil sie die unrich­ti­ge Behaup­tung ent­hielt, der KSC habe zuvor Gesprächs­an­ge­bo­te über die der Kün­di­gung zugrun­de­lie­gen­den Ursa­chen aus­ge­schla­gen. Die­ser Ver­stoß führ­te jedoch nicht zur Unzu­mut­bar­keit, den Ver­trag fort­zu­set­zen, zumal die vor­an­ge­gan­ge­ne E‑Mail des KSC eben­falls eine unzu­tref­fen­de Tat­sa­chen­be­haup­tung ent­hal­ten, näm­lich eine ein­ver­nehm­li­che Auf­lö­sung des Ver­trags sug­ge­riert hat­te.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 14. Okto­ber 2020 – 15 U 137/​19

Kündigung eines Agenturvertrags über Vermarktung von Sportrechten
  1. LG Karls­ru­he, Urteil vom 13.09.2019 – 3 O 32/​19[]