Kür­zun­gen von Strom­netz­ent­gel­ten

In sechs Beschlüs­sen hat sich der Kar­tell­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs heu­te mit der Bil­dung der Ent­gel­te für die Durch­lei­tung von Elek­tri­zi­tät durch frem­de Strom­net­ze aus­ein­an­der­ge­setzt und dabei die Kür­zun­gen von Strom­netz­ent­gel­ten durch die Regu­lie­rungs­be­hör­den im Wesent­li­chen bestä­tigt. Wesent­li­che Fra­gen der Strom­netz­ent­gelt­ver­ord­nung vom 25. Juli 2005 (Strom­NEV), die auch Gegen­stand wei­te­rer bereits anhän­gi­ger Gerichts­ver­fah­ren sind, wur­den dabei geklärt. Mit den Beschlüs­sen hat der Bun­des­ge­richts­hof die zugrun­de lie­gen­den Ent­schei­dun­gen der ver­fah­rens­be­tei­lig­ten Regu­lie­rungs­be­hör­den weit­ge­hend bestä­tigt. Sie hat­ten von den Netz­be­trei­bern bean­trag­te Ent­gel­te um bis zu 20% gesenkt.

Kür­zun­gen von Strom­netz­ent­gel­ten

Den recht­li­chen Hin­ter­grund der Ver­fah­ren bil­den die Rege­lun­gen der §§ 20 ff. EnWG. Danach müs­sen Betrei­ber von Ener­gie­ver­sor­gungs­net­zen grund­sätz­lich jeder­mann Netz­zu­gang gewäh­ren, kön­nen hier­für aber ein Ent­gelt ver­lan­gen. Die Höhe des Ent­gelts, das der Geneh­mi­gung durch die jeweils zustän­di­ge Regu­lie­rungs­be­hör­de bedarf, hat der Netz­be­trei­ber dabei kos­ten­ori­en­tiert zu bestim­men. Die Vor­ga­ben für die­se kos­ten­ori­en­tier­te Berech­nung erge­ben sich im Ein­zel­nen aus der Strom­netz­ent­gelt­ver­ord­nung. Neben rei­nen Kos­ten­fak­to­ren wird dort auch ein Gewinn für die Netz­be­trei­ber in Form einer ange­mes­se­nen Ver­zin­sung des ein­ge­setz­ten Eigen­ka­pi­tals berück­sich­tigt.

In den nun­mehr rechts­kräf­tig ent­schie­de­nen Fäl­len war es im Rah­men von Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren zu Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten zwi­schen den Regu­lie­rungs­be­hör­den und den Netz­be­trei­bern dar­über gekom­men, wie ein­zel­ne Vor­schrif­ten aus der Strom­netz­ent­gelt­ver­ord­nung bei der Ent­gelt­bil­dung aus­zu­le­gen sind. Die Bun­des­netz­agen­tur hat­te – wie ande­ren gro­ßen Netz­be­trei­bern auch – Vat­ten­fall Euro­pe Trans­mis­si­on GmbH, einem der vier gro­ßen Betrei­ber von Über­land­net­zen in Deutsch­land, bean­trag­te Ent­gel­te gekürzt. Ent­spre­chend waren die Lan­des­re­gu­lie­rungs­be­hör­den Baden-Würt­tem­berg und Rhein­land-Pfalz bei in ihren Zustän­dig­keits­be­reich fal­len­den kom­mu­na­len Netz­be­trei­bern vor­ge­gan­gen.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Berech­nun­gen der Regu­lie­rungs­be­hör­den weit­ge­hend gebil­ligt. Bestä­tigt wur­den ins­be­son­de­re die von den Behör­den im Rah­men der Rest­wert­ermitt­lung nach § 32 Abs. 3 Strom­NEV gewähl­ten Ansät­ze, was zu Abzü­gen bei den Kos­ten­po­si­tio­nen "kal­ku­la­to­ri­sche Abschrei­bung" und "kal­ku­la­to­ri­sche Eigen­ka­pi­tal­ver­zin­sung" führt. Wei­te­re Ein­schrän­kun­gen für die Höhe der Ent­gel­te erge­ben sich aus der so genann­ten dop­pel­ten Decke­lung der kal­ku­la­to­ri­schen Eigen­ka­pi­tal­ver­zin­sung im Rah­men von § 7 Strom­NEV a.F. sowie der ledig­lich kal­ku­la­to­ri­schen Anre­chen­bar­keit der Gewer­be­steu­er nach § 8 Strom­NEV. Die Netz­be­trei­ber konn­ten sich nur in ein­zel­nen Punk­ten durch­set­zen. So sind geleis­te­te Anzah­lun­gen und Anla­gen im Bau bei der Ermitt­lung des zu ver­zin­sen­den Eigen­ka­pi­tals zu berück­sich­ti­gen. Zudem kön­nen gesi­cher­te Erkennt­nis­se für das Plan­jahr auch bei der so genann­ten Ver­lust­ener­gie nach § 10 Strom­NEV kos­ten­mä­ßig ange­setzt wer­den.

Geklärt wur­de in den Beschlüs­sen schließ­lich auch die Fra­ge, wie mit Mehr­erlö­sen zu ver­fah­ren ist, die die Netz­be­trei­ber vor der ers­ten Ertei­lung der Geneh­mi­gung ver­ein­nahmt haben. Die­se Mehr­erlö­se fie­len an, weil die Netz­be­trei­ber bis zur Ent­schei­dung der Regu­lie­rungs­be­hör­den im Zusam­men­hang mit einer Über­gangs-bestim­mung letzt­lich über­höh­te Ent­gel­te gefor­dert haben. Der Bun­des­ge­richts­hof hat inso­weit nun klar­ge­stellt, die Rege­lun­gen der Strom­netz­ent­gelt­ver­ord­nung bean­spruch­ten zwar auch für die­sen Zeit­raum Gel­tung, eine Rück­ab­wick­lung der betrof­fe­nen Ver­trags­be­zie­hun­gen kom­me aber nicht in Betracht. Die Mehr­erlö­se sei­en viel­mehr in der nächs­ten Kal­ku­la­ti­ons­pe­ri­ode ent­gelt­min­dernd zu berück­sich­ti­gen. Im Fal­le des Netz­be­trei­bers Vat­ten­fall redu­ziert sich der für den nächs­ten Geneh­mi­gungs­zeit­raum anzu­set­zen­de Betrag für die Netz­durch­lei­tung dadurch um ca. 50 Mio. €.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschlüs­se vom 14. August 2008 – KVR 27/​07