Lie­fe­rungs­be­din­gun­gen des deut­schen Tex­til­rei­ni­gungs­ge­wer­bes

Bestimm­te im Tex­til­rei­ni­gungs­ge­wer­be gebräuch­li­che Haf­tungs­be­schrän­kungs­klau­seln sind nach einer Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs unwirk­sam.

Lie­fe­rungs­be­din­gun­gen des deut­schen Tex­til­rei­ni­gungs­ge­wer­bes

Der beklag­te Tex­til­rei­ni­gungs­ver­band ver­fass­te sog. "Lie­fe­rungs­be­din­gun­gen des deut­schen Tex­til­rei­ni­gungs­ge­wer­bes" (im Fol­gen­den: Bedin­gun­gen), die eine Emp­feh­lung an Tex­til­rei­ni­gungs­be­trie­be für die For­mu­lie­rung bzw. Ver­wen­dung von All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen (AGB) dar­stel­len. Die­se Bedin­gun­gen mel­de­te der Beklag­te als sog. "Kon­di­tio­nen­emp­feh­lung" beim Bun­des­kar­tell­amt an, sie wur­den im Amts­blatt ver­öf­fent­licht. In Nr. 5 der Bedin­gun­gen sind fol­gen­de Rege­lun­gen zur Haf­tungs­gren­ze ent­hal­ten:

"Der Tex­til­rei­ni­ger haf­tet für den Ver­lust des Rei­ni­gungs­gu­tes unbe­grenzt in Höhe des Zeit­wer­tes.

Für Bear­bei­tungs­schä­den haf­tet der Tex­til­rei­ni­ger nur bei Vor­satz oder gro­ber Fahr­läs­sig­keit unbe­grenzt in Höhe des Zeit­wer­tes.

Ansons­ten ist die Haf­tung auf das 15fache des Bear­bei­tungs­prei­ses begrenzt.

Ach­tung:

Unse­re Haf­tung kann auf das 15fache des Bear­bei­tungs­prei­ses begrenzt sein (sie­he Nr. 5 AGB).

Sie kön­nen aber unbe­grenz­te Haf­tung in Höhe des Zeit­wer­tes, z.B. durch Abschluss einer Ver­si­che­rung, ver­ein­ba­ren."

Der kla­gen­de Bun­des­ver­band der Ver­brau­cher­zen­tra­len und Ver­brau­cher­ver­bän­de hält die­se Rege­lun­gen gemäß §§ 307 ff. BGB für unwirk­sam und nimmt den Beklag­ten des­halb gemäß § 1 UKlaG auf Unter­las­sung der Emp­feh­lung die­ser Bedin­gun­gen für die Ein­be­zie­hung in Ver­trä­ge über die Rei­ni­gung von Tex­ti­li­en mit Ver­brau­chern in Anspruch.

Sowohl das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Köln wie auch in der Beru­fungs­in­stanz das Ober­lan­des­ge­richt Köln haben der Kla­ge statt­ge­ge­ben 1. Der Bun­des­ge­richts­hof hat die hier­ge­gen ein­ge­leg­te Revi­si­on des Tex­til­rei­ni­gungs­ver­bands zurück­ge­wie­sen:

Die ers­ten bei­den Sät­ze der Klau­sel sei­en, so der Bun­des­ge­richts­hof, wegen Ver­sto­ßes gegen § 309 Nr. 7b BGB unwirk­sam, weil sie die Haf­tung des Rei­ni­gungs­be­trie­bes für vor­sätz­lich oder grob fahr­läs­sig ver­ur­sach­te Schä­den am Rei­ni­gungs­gut auf den Zeit­wert beschrän­ken. Die­sem Begriff kann die Bedeu­tung bei­gemes­sen wer­den, dass der Scha­den, abwei­chend von der gesetz­li­chen Rege­lung, nicht in vol­ler Höhe des Wie­der­be­schaf­fungs­wer­tes ersetzt wird.

Die Klau­sel, die bei leicht fahr­läs­si­ger Beschä­di­gung des Rei­ni­gungs­gu­tes die Höhe der Haf­tung auf das 15fache des Rei­ni­gungs­prei­ses beschränkt, benach­tei­li­ge den Kun­den ent­ge­gen den Gebo­ten von Treu und Glau­ben unan­ge­mes­sen und sei nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB unwirk­sam. Der Rei­ni­gungs­preis stel­le kei­nen taug­li­chen Maß­stab für die Begren­zung der Haf­tung dar, weil er zu der mög­li­chen Scha­dens­hö­he in kei­ner­lei Rela­ti­on ste­he. Die Mög­lich­keit des Abschlus­ses einer vom Kun­den zu bezah­len­den Ver­si­che­rung stel­le kei­ne aus­rei­chen­de Kom­pen­sa­ti­on dar, weil die Klau­sel nicht sicher­zu­stel­len ver­mö­ge, dass der Rei­ni­ger den Kun­den hier­auf in jedem erfor­der­li­chen Fall aus­drück­lich münd­lich hin­weist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 4. Juli 2013 – VII ZR 249/​12

  1. OLG Köln, Urteil vom 10.08.2012 – 6 U 54/​12; LG Köln, Urteil vom 08.02.2012 – 26 O 70/​11[]