Lie­fer­zeit für Kran­ken­haus-Medi­ka­men­te

Die Ge­neh­mi­gung des nach § 14 Abs. 3 ApoG ge­schlos­se­nen Ver­trags eines Kran­ken­hau­ses mit einer Apo­the­ke über die Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung des Kran­ken­hau­ses setzt vor­aus, dass die Apo­the­ke in an­ge­mes­se­ner Nähe zum Kran­ken­haus liegt. Ein Arz­nei­mit­tel-Ver­sor­gungs­ver­trag ist jeden­falls bei einer Lie­fer­zeit zum Kran­ken­haus von zwei bis drei Stun­den nicht geneh­mi­gungs­fä­hig.

Lie­fer­zeit für Kran­ken­haus-Medi­ka­men­te

Der von einem Kran­ken­haus mit einer Apo­the­ke geschlos­se­ne Ver­trag über die Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung des Kran­ken­hau­ses kann nur geneh­migt wer­den, wenn die Apo­the­ke in ange­mes­se­ner Nähe zum Kran­ken­haus liegt. Dies hat jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­den.

Die Klä­ge­rin ist Trä­ge­rin eines Kran­ken­hau­ses in Müns­ter, das über die kran­ken­haus­ei­ge­ne Apo­the­ke in Ahlen mit Arz­nei­mit­teln ver­sorgt wird. Die Klä­ge­rin beab­sich­tigt, auch ein Kran­ken­haus in Bre­men durch ihre Apo­the­ke zu ver­sor­gen. Dem zu die­sem Zweck geschlos­se­nen Ver­sor­gungs­ver­trag mit dem Kran­ken­haus­trä­ger in Bre­men ver­sag­te das beklag­te Land die Geneh­mi­gung, weil bei der Ent­fer­nung zwi­schen Apo­the­ke und Kran­ken­haus (216 km) nicht sicher­ge­stellt sei, dass Arz­nei­mit­tel und phar­ma­zeu­ti­sche Bera­tungs­leis­tun­gen im Not­fall unver­züg­lich zur Ver­fü­gung gestellt wür­den. Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter hat die Kla­ge auf Geneh­mi­gung des Ver­sor­gungs­ver­trags abge­wie­sen 1, das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter hat ihr dage­gen auf die Beru­fung der Klä­ge­rin statt­ge­ge­ben 2. Die Revi­si­on des Beklag­ten zum Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat­te Erfolg und führ­te zur Wie­der­her­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Urteils:

Nach dem Apo­the­ken­ge­setz kön­nen Kran­ken­häu­ser wäh­len, ob sie ihre Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung über eine eige­ne Kran­ken­haus­apo­the­ke sicher­stel­len oder aber über eine exter­ne öffent­li­che Apo­the­ke oder die Kran­ken­haus­apo­the­ke eines ande­ren Kran­ken­hau­ses. Ent­schei­det sich das Kran­ken­haus für eine exter­ne Lösung, muss es mit der Apo­the­ke einen Arz­nei­mit­tel-Ver­sor­gungs­ver­trag schlie­ßen, der zu sei­ner Rechts­wirk­sam­keit der Geneh­mi­gung der zustän­di­gen Behör­de bedarf. Vor­aus­set­zung für die Geneh­mi­gungs­er­tei­lung ist u.a., dass die Apo­the­ke Arz­nei­mit­tel, die das Kran­ken­haus zur aku­ten medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung beson­ders dring­lich benö­tigt, unver­züg­lich und bedarfs­ge­recht zur Ver­fü­gung stel­len kann.

Unver­züg­lich­keit im Sin­ne die­ser gesetz­li­chen Bestim­mung ver­langt, dass die benö­tig­ten Medi­ka­men­te im Eil­fall zeit­nah im Kran­ken­haus bereit­ste­hen müs­sen. Das bedingt ent­ge­gen der Annah­me des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts zwin­gend, dass die Apo­the­ke in räum­li­cher Nähe zum Kran­ken­haus lie­gen muss; denn die Län­ge des Trans­port­we­ges bestimmt – neben wei­te­ren Fak­to­ren wie etwa der Beschaf­fen­heit der Ver­kehrs­an­bin­dung – die Trans­port­dau­er maß­geb­lich. Anders als das OVG Müns­ter in sei­nem Beru­fungs­ur­teil meint, kann das Erfor­der­nis der Orts­nä­he auch nicht dadurch kom­pen­siert wer­den, dass im Kran­ken­haus ein Not­fall­de­pot ein­ge­rich­tet wird, in dem sel­ten gebrauch­te, lebens­wich­ti­ge Arz­nei­mit­tel vor­ge­hal­ten und bei Bedarf an die Sta­tio­nen im Kran­ken­haus abge­ben wer­den. Ein sol­ches Depot, das von Geset­zes wegen eine Apo­the­ke nicht erset­zen darf, kann nicht allen denk­ba­ren medi­zi­ni­schen Not­fall­si­tua­tio­nen Rech­nung tra­gen. Die Geneh­mi­gungs­vor­aus­set­zung einer unver­züg­li­chen Arz­nei­mit­tel­be­lie­fe­rung bezweckt aber, gera­de auch für Fäl­le eines plötz­lich auf­tre­ten­den, nicht abseh­ba­ren Bedarfs die zeit­na­he Bereit­stel­lung drin­gend benö­tig­ter Arz­nei­mit­tel durch die Apo­the­ke sicher­zu­stel­len. Hier­nach hat der Beklag­te die Geneh­mi­gung des von der Klä­ge­rin vor­ge­leg­ten Ver­sor­gungs­ver­trags zu Recht abge­lehnt. Bei der Ent­fer­nung der Apo­the­ke in Ahlen zum Kran­ken­haus in Bre­men von 216 km und einem zudem stau­an­fäl­li­gen Trans­port­weg (Auto­bahn A 1) ist eine unver­züg­li­che Medi­ka­men­ten­be­reit­stel­lung, die nach den als Anhalts­punkt her­an­zu­zie­hen­den fach­li­chen Ein­schät­zun­gen (u.a. Emp­feh­lun­gen der Bun­des­apo­the­ker­kam­mer, des Bun­des­ver­bands der kli­nik- und heim­ver­sor­gen­den Apo­the­ker und des Bun­des­ver­bands Deut­scher Kran­ken­haus­apo­the­ker) nicht viel mehr als eine Stun­de in Anspruch neh­men soll­te, nicht mehr gewähr­leis­tet. Dar­über hin­aus erfüllt der Ver­sor­gungs­ver­trag bei der gege­be­nen Ent­fer­nung auch nicht die wei­te­re Geneh­mi­gungs­vor­aus­set­zung, dass das Kran­ken­haus­per­so­nal durch den Lei­ter der Kran­ken­haus­apo­the­ke (oder einem von ihm beauf­trag­ten Apo­the­ker der ver­sor­gen­den Apo­the­ke) im Bedarfs­fall unver­züg­lich vor Ort im Kran­ken­haus phar­ma­zeu­tisch bera­ten wer­den kann.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 30. August 2012 – 3 C 24.11

  1. VG Müns­ter, Urteil vom 09.12.2008 – 5 K 169/​07[]
  2. OVG NRW, Urteil vom 19.05.2011 – 13 A 123/​09[]