Lizen­sie­rung von Sport­wet­ten in Deutsch­land

Die Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft in Ruß­land hat begon­nen. Unge­ach­tet aller nega­ti­ven Schlag­zei­len aus dem "Putin-Land" ist die Freu­de am Spiel, oder bes­ser gesagt, das Zuse­hen nicht ver­lo­ren gegan­gen. Über­all begeg­net man der­zeit Natio­nal­flag­gen, geschmück­ten Fahr­zeu­gen und Häu­sern bzw. Gär­ten. Jeder begeis­ter­te Zuschau­er fie­bert mit sei­ner Natio­nal­mann­schaft mit. Zum beson­de­ren Erleb­nis wird das gemein­sa­me Zuse­hen mit guten Freun­den. Tref­fen dabei unter­schied­li­che Natio­na­li­tä­ten auf­ein­an­der, springt der span­nen­de Wett­kampf im fer­nen Russ­land auf das hei­mi­sche "Fern­seh-Publi­kum" über. Nicht sel­ten wer­den dabei auch pri­va­te Wet­ten über den mög­li­chen Spiel­sieg abge­schlos­sen. Doch wer Inter­es­se an Sport­wet­ten hat, soll­te sich an pro­fes­sio­nel­le Anbie­ter hal­ten.

Lizen­sie­rung von Sport­wet­ten in Deutsch­land

An Sport­wet­ten teil­zu­neh­men schließt nicht das gesel­li­ge Bei­sam­men­sein mit den Fuß­ball­freun­den aus. Aktu­ell steigt die Anzahl der Sport­wet­ten-Anbie­ter in Deutsch­land, die jedem Inter­es­sier­ten ermög­li­chen, im Inter­net zu wet­ten, immer noch an. Online-Wet­ten erfreu­en sich stei­gen­der Beliebt­heit. Ohne aus dem Haus zu gehen, kön­nen belie­bi­ge Wet­ten gesetzt wer­den. Außer­dem macht es das Inter­net mög­lich, die jewei­li­gen Quo­ten der ver­schie­de­nen Wett­an­bie­ter zu ver­glei­chen.

Unsi­cher­heit besteht bei Vie­len in Bezug auf die Lega­li­tät von Sport­wet­ten im Inter­net: Nach­dem die Frist zur Zustim­mung der Bun­des­län­der (31.12.2017) zum Glücks­spiel­staats­ver­trag 2018 – oder genau­er zum 2. GlüÄndStV ohne Ergeb­nis abge­lau­fen ist (gemäß Art. 2 des 2. GlüÄndStV), fehlt es an einer ein­deu­ti­gen recht­li­chen Rege­lung. Aller­dings haben im März 2017 die Minis­ter­prä­si­den­ten der Län­der den Ent­wurf zum Zwei­ten Glücks­spie­län­de­rungs­staats­ver­trag in Ber­lin unter­zeich­net.
Den bis­he­ri­gen 20 Lizenz­in­ha­bern sowie 15 wei­te­ren Sport­wet­ten-Anbie­tern, die sich um eine Glücks­spiel­li­zenz bewor­ben hat­ten, ist in die­sem Rah­men eine vor­läu­fi­ge Erlaub­nis erteilt wor­den. Gül­tig ist die­se vor­läu­fi­ge Erlaub­nis bis zum 1. Janu­ar 2019. Wenn über­haupt, dann ist die­se vor­läu­fi­ge Erlaub­nis einer Kon­zes­si­on gleich­zu­set­zen.

Ein Glück­spiel­an­bie­ter, der Wert auf eine deut­sche Lizenz legt und nicht auf vor­läu­fi­ge Rege­lun­gen und Pro­vi­so­ri­en ver­trau­en will, hat sei­nen Blick auf das nörd­lichs­te Bun­des­land gerich­tet und wickelt sei­ne Sport­wet­ten auf Grund­la­ge einer Lizen­sie­rung in Schles­wig-Hol­stein ab, da die erteil­ten Lizen­zen für meh­re­re Jah­re erteilt wor­den sind. Die libe­ra­le­re Rege­lung von Schles­wig-Hol­stein ist zwar mitt­ler­wei­le auf­ge­ho­ben wor­den, aber die erteil­ten Geneh­mi­gun­gen gel­ten wäh­rend einer Über­gangs­zeit von meh­re­ren Jah­ren fort. Sogar der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on hat in einem Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen die vom Land Schles­wig-Hol­stein prak­ti­zier­te Vor­ge­hens­wei­se als rech­tens ange­se­hen und ent­schie­den, dass die dort vor­über­ge­hend ver­folg­te libe­ra­le­re Glücks­spiel­po­li­tik die Kohä­renz der strik­te­ren Poli­tik der übri­gen deut­schen Län­der nicht in Fra­ge stellt 1.

Dar­über hin­aus hat das Bun­de­ver­wal­tungs­ge­richt 2017 ent­schie­den, dass Online-Sport­wet­ten dann nicht ange­bo­ten wer­den dür­fen, wenn kei­ne Kon­zes­si­on auf­grund des im 1. GlüÄndStV fest­ge­leg­ten Kon­zes­si­ons­ver­ga­be­ver­fah­rens bean­tragt wor­den ist 2. Ohne eine dem Uni­ons­recht wider­spre­chen­de Kon­zes­si­on darf hier­nach in Deutsch­land kein Sport­wet­ten­an­bie­ter tätig sein. Solan­ge kei­ne gesetz­li­che Neu­re­ge­lung in Kraft tritt, gilt wei­ter­hin das Ver­bot von Sport­wet­ten ohne Kon­zes­si­on. Nach dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt muss sich der Sport­wet­ten­an­bie­ter wenigs­ten um eine Lizenz bewor­ben haben. So ist nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts das Ver­bot im Inter­net Rub­bel­los- und Casi­no­s­pie­le zu ver­an­stal­ten und zu ver­mit­teln, mit Uni­ons- und Ver­fas­sungs­recht wei­ter­hin ver­ein­bar. Eine Dis­kri­mi­nie­rung von in ande­ren Mit­glied­staa­ten nie­der­ge­las­se­nen Wirt­schafts­teil­neh­mern fin­det durch die Rege­lun­gen des Glücks­spiel­staats­ver­trags über die Ertei­lung von Kon­zes­sio­nen für die Ver­an­stal­tung und Ver­mitt­lung von Sport­wet­ten nicht statt. Nach dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt sind sie hin­rei­chend klar, genau und ein­deu­tig for­mu­liert und set­zen dem Aus­wahler­mes­sen in aus­rei­chen­dem Umfang Gren­zen.

  1. EUGH, Ent­schei­dung vom 12.06.2014 – Rechts­sa­che C – 156/​13[]
  2. BVerwG, Urteil vom 26.10.2017 – 8 C 14.16[]